Tempo Libero | Kräuterwissen

Darmpower statt Drama

Darm und Schleimhäute wirken im Hintergrund als Schutzschilde und entscheiden täglich mit, wie widerstandsfähig wir durch Alltag und Stress gehen.
Die Schleimstoffe der Malve beruhigen gereiztes Gewebe.
Foto: Tamara Seyr
  • Kennst du diese Momente, in denen du morgens aufwachst und schon beim ersten Schluck Wasser merkst: Irgendwas ist heute anders? Der Hals kratzt leicht, der Bauch fühlt sich nicht ganz im Gleichgewicht an und dein Körper scheint dir leise zuzuflüstern, dass er gerade ein bisschen mehr Aufmerksamkeit braucht. 

    Genau in diesen kleinen Alltagssignalen zeigt sich, wie wichtig unsere inneren Schutzschilde wirklich sind – unser Darm und unsere Schleimhäute. Sie arbeiten im Hintergrund, während wir unseren Kaffee trinken, zur Arbeit hetzen oder den Einkauf erledigen, und entscheiden dabei mit, wie widerstandsfähig wir durch den Tag gehen.

  • Die Autorin

    Tamara Seyr ist FNL Kräuterexpertin und Heilpraktikerin. Sie beschäftigt sich oft und auch lange (und oft auch ganz, ganz lange) mit den Kräutern und allem was dazu gehört. Das sind nicht nur die botanischen Namen, die Familienzugehörigkeit und die Inhaltsstoffe, sondern auch die Signaturenlehre.

    Mehr Kräuterwissen, -rezepte und -tipps gibt es auf Instagram unter @lieblings_kraeuter

    Ihr neues Buch heißt „Kräuterzwillinge“, ihr Erstlingswerk:„Klugscheißerwissen Kräuter“.

    Foto: Tamara Seyr
  • Der Darm – Kommandozentrale des Immunsystems

    Im menschlichen Darm leben mehrere Billionen Bakterien, Pilze und Mikroorganismen. Diese sogenannte Darmflora oder das Mikrobiom ist kein zufälliger Mitbewohner, sondern ein aktiver Teil unseres Immunsystems. Etwa 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Bereich des Darms.

    Die guten Darmbakterien helfen dabei, Krankheitserreger zu erkennen, unschädlich zu machen und gleichzeitig die Darmschleimhaut zu stärken. Eine gesunde Schleimhaut funktioniert wie eine feinmaschige Schutzwand: Sie lässt Nährstoffe durch, hält aber potenziell schädliche Keime draußen. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance – etwa durch Stress, einseitige Ernährung oder Medikamente – wird die Schutzfunktion schwächer, und das Immunsystem muss mehr arbeiten.

  • Schleimhäute – die stillen Wächter

    Nicht nur der Darm, auch Mund, Nase, Rachen und Bronchien sind mit Schleimhäuten ausgekleidet. Sie produzieren Schleim, der wie ein natürlicher Filter wirkt. Staub, Bakterien und Viren bleiben daran haften und werden aus dem Körper transportiert. Gut befeuchtete, intakte Schleimhäute sind daher ein entscheidender Faktor, um Infekte abzuwehren. Viele Heilpflanzen enthalten Stoffe, die genau dort ansetzen: im Darm, an den Schleimhäuten und im Immunsystem.

  • Wie Kräuter den Schutzschild unterstützen: Schleimstoffe

    Schleimstoffe legen sich wie ein schützender Film auf die Schleimhäute und beruhigen gereiztes Gewebe. Typische Vertreter sind Eibischwurzel, Spitzwegerich und Malve. Sie helfen vor allem bei trockenen Schleimhäuten im Rachen und bei empfindlichem Magen-Darm-Trakt.

  • Bitterstoffe

    Bitterstoffe wirken vor allem im Verdauungssystem. Sie regen die Produktion von Verdauungssäften an und fördern eine gesunde Darmtätigkeit. Kräuter wie Löwenzahn, Wermut oder Schafgarbe unterstützen so indirekt auch das Immunsystem, weil ein gut arbeitender Darm die Basis für eine stabile Abwehr ist.

  • Flavonoide und ätherische Öle

    Flavonoide und ätherische Öle aus Pflanzen wie Thymian, Salbei und Kamille wirken antioxidativ und entzündungshemmend. Sie können das Wachstum unerwünschter Keime hemmen und gleichzeitig die Schleimhäute stärken.

  • Präbiotische Pflanzenstoffe

    Präbiotische Pflanzenstoffe, zum Beispiel in Zwiebel, Knoblauch oder Topinambur, dienen den guten Darmbakterien als Nahrung. Sie fördern das Wachstum nützlicher Mikroorganismen und helfen, die Darmflora im Gleichgewicht zu halten.

  • Das Zusammenspiel macht den Unterschied

    Kräuter wirken nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Systems. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und ein bewusster Umgang mit Stress bilden die Grundlage. Heilpflanzen können dieses System gezielt unterstützen – als Tee, Tinktur, in der Küche oder als Hausmittel. 

  • Fazit

    Darmflora und Schleimhäute sind die unsichtbaren Schutzschilde unseres Körpers. Sie entscheiden mit darüber, wie widerstandsfähig wir gegenüber äußeren Einflüssen sind. Kräuter liefern wertvolle Wirkstoffe, die diese natürlichen Barrieren stärken, pflegen und unterstützen. Wer sie bewusst in den Alltag integriert, investiert nicht nur in seine Verdauung, sondern in sein gesamtes Immunsystem.