Es ist ein richtiger Schritt ...
-
Bettenstopp ! Reicht das ?
Wie wir heute in den Nachrichten auf Rai-Südtirol gesehen haben und auch hier auf Salto lesen durften, hat der SVP-Parteiausschuss nun offiziell den Aufschub des Bettenstopps wieder gestoppt. Der Gegenwind, den speziell LR Luis Walcher zu spüren bekam, scheint doch stärker gewesen zu sein als zumindest er erwartet hatte. Wobei er selbst in der Tagesschau meinte „man müsse die Stimmung rund um den Tourismus spüren“. Dieter Steger wird zitiert mit „Die Partei hat die Stimmung in der Bevölkerung erkannt“.
Aktueller Stand nun:
- Kein allgemeiner Aufschub. Es bleibt beim Bettenstopp ab Sep. 26
- Ausnahmen sind strukturschwache oder von Abwanderung betroffene Gemeinden. Antwort des Obmanns: 5 - 10 - 20 ... maximal 25 Gemeinden, die man benennen werde.
- Hotel mit maximal 150 Betten erlaubt.
ABER, lieber Herr Obmann: 25 Gemeinden sind real gerechnet zwar nicht die Mehrheit aber immerhin fast 1/4 der Südtiroler Gemeinden.
Mehr noch plagt mich die Frage ob ein 150-Betten-Hotel die prognostizierte Abwanderung wirklich aufhalten kann oder jene Gemeinde dann wirklich strukturstark wird.
Ich bitte diesbezüglich nur um ein einziges Beispiel wo in den letzten Jahren ein 150-Betten-Hotel die Abwanderung eingedämmt oder verhindert hätte. Name der Gemeinde bitte ... mit fundierten Angaben!
Mir sind hingegen Dörfer und Täler bekannt in denen große Hotels genau zum Gegenteil geführt haben. Die Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten sind dort derart gestiegen, dass es sich die Einheimischen nicht mehr leisten können dort zu wohnen und zu leben. Oder gar nicht mehr die Möglichkeit haben dort ein Eigenheim zu errichten ... weil auf der einzigen sonnigen Wiese ein Hotel gebaut wird und die anderen Plätze von Immobilienspekulanten gekauft werden. Und damit die Preise derart gestiegen sind, dass sich ein Bauen und Leben auch nicht mehr lohnt dort.
Dazu kommt ein anderes Argument welches z.B. in Ischgl und vielen ähnlichen Destinationen zur „ABWANDERUNG GEFÜHRT“ hat. Altroché Abwanderung eindämmen! Die eigenen Wohnungen wurden und werden dort an die Hotelbesitzer oder an AirBnB-Portale lukrativ vermietet. Hoteliers bringen dort ihr Personal aus Nimmerswo unter, oder kaufen die alte Wohnsubstanz gleich auf um sie eventuell später zur Dependance auszubauen. Oder um einige Chalets dort hin zu stellen. Wenn AirBnB, dann bringt das in dieser Gemeinde mehr ein als der Vermieter in einer anderen „strukturschwachen“ Gemeinde für Miete zahlen muss. Er macht privat gesehen sogar einen Gewinn. Ist aber genau das Gegenteil von dem was scheinheilig versprochen wurde.
Und SORRY, aber was bringt das dem Dorf dort ? dieser Gemeinde ?
Müssten hier nicht andere Leitplanken eingebaut werden? ... wenn schon?
Z.B.
- eine Volksbefragung ... oder zumindest die Stimmung „spüren“.
- Einverständnis der Nachbargemeinden
- Oder die bindende Verpflichtung dass der Hotelier fast NUR ansässiges Personal anstellen darf. Egal was ihm das kostet?
- dass zugleich mindestens 5 Mal soviel Baugrund für Einheimische wie für Tourismus ausgewiesen wird. Damit diese „abwanderungsgefährdete“ Bevölkerung auch eine vernünftige Bleibe in der Nähe ihres Arbeitsplatzes hätte. Somit also die ansässige Bevölkerung bleibt oder andere sogar zuzieht. Oder eine höhere finanzielle, öffentliche Wohnbauförderung. Noch höher bei Bestandssanierung. Damit effektiv ein Wirtschaftskreislauf entsteht von dem eine Dorf- oder Gemeindebevölkerung auch wirklich profitiert. Das oder ähnliches könnte eventuell das Argument von „strukturschwach“ rechtfertigen. Nur sowas kann Gemeinschaft, Gemeindeleben und Wirtschaft fördern. Lebenswerter Lebensraum eben.
Dazu:
- Komplettes AirBnb-Verbot in jener Gemeinde, weil in jeder Beziehung kontraproduktiv. (Wo ein Wille da ein Weg - entweder oder)
- Interessierter Hotelier muss sämtliche Infrastrukturkosten übernehmen die aufgrund seiner Baupläne notwenig werden. Er muss sich sogar anteilsmäßig für Straßen, Trinkwasser (Leitungen, Quellfassungen, Aufbereitung), Abwasser (Kläranlage) und ähnliches beteiligen. Die Baukostenabgabe ist diesbezüglich ein lächerlicher Anteil.
P.s. es ist bekanntlich längst schon der Fall, dass die Infrastrukturkosten proportionell höher zu Lasten der Allgemeinheit gehen.
Oder dass ein Hotel mehr Trinkwasser verbraucht als das ganze Dorf. Und somit auch mehr zu reinigendes Abwasser produziert, welches bestehende Kläranlagen an ihre Grenzen bringt.
Dass Touristen, Zulieferer und das Hotelpersonal die Straßen mehr befahren und abnutzen als die Einheimischen.
Viele Argumente, die selten eingerechnet, und mit der Immobiliensteuer nicht ausreichend abgegolten werden.
Und keine Frage, Hoteliers zahlen natürlich auch Steuern und beteiligen sich somit an den Öffentlichen Kosten. Aber solange der Ausbau oder Neubau von zusätzlichen Hotels oder Betten nur den Sinn hat weniger Steuern zu zahlen, ... Nein, das darf nicht der Grund zur Verwässerung eines hart erkämpften Bettenstopp-Gesetzes sein.
Zum Schluss!
Ganz Südtirol weiß, dass der Tourismus ein extrem wichtiger Wirtschaftszweig ist, der neben dem Realexport sehr viel weiteres ausländisches Geld ins Land spült.
ABER, und das muss die Politik (Land und Gemeinden) einsehen: Ein MEHR bringt das Boot aus der Spur - das Gleichgewicht ins Wanken - die Wellen auseinander - dem letzten ruhigen Winkel den Tod. ... auf Dauer nicht zu verantwortbar.
Acconsenti per leggere i commenti o per commentare tu stesso. Puoi revocare il tuo consenso in qualsiasi momento.