Rodung am frühen Morgen bricht Vertrauen
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Mit scharfen Worten reagiert die grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Rohrer auf die Rodung des Auwaldes in der Brixner Industriezone. „In mir ist gestern ein Stück Vertrauen in die Demokratie zerbrochen“, schreibt sie in einem Facebook-Post.
In aller Frühe begannen am vergangenen Freitag die Rodungsarbeiten. Zwar stimmte die Landesregierung der Rodung und den dazugehörigen Kompensationsmaßnahmen zu, doch die Art und Weise des Vorgehens stellt für Rohrer vor allem in rechtlicher Hinsicht ein grundlegendes Problem dar: Das Unternehmen hat die Rekursfrist ignoriert. Dem schließt sich auch die Umweltschutzgruppe Eisacktal Hyla an.
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Kritik von Grünen und Umweltgruppe
Der Beschluss der Landesregierung ist erst am 27. Februar im Amtsblatt veröffentlicht worden. Eine Woche später wurde gerodet. Das Problem dabei: Die 60-tägige Frist, um Rekurs beim Verwaltungsgericht einzulegen, wurde von der Firma Progress ignoriert. „Die Motorsägen sind einem möglichen Richterspruch zuvorgekommen und haben Tatsachen geschaffen“, schreibt die Abgeordnete.
Ähnlich kritisch äußert sich auch die Umweltgruppe Eisacktal hyla. Die Organisation betont zwar, von Beginn an die Ausgleichsmaßnahme der Firma Progress: die Erweiterung des Biotops Millander Au, unterstützt zu haben, verurteilt nun aber die überstürzte Vorgangsweise. Lukas Neuwirth, Vorsitzender der Umweltgruppe Eisacktal hyla, erklärt: „Wir sind zwar noch nicht mitten in der Brutsaison, aber viele Vogelarten beginnen bereits damit, ihre Reviere abzustecken und Nistplätze zu suchen. Streng genommen hätte man die Arbeiten um ein Jahr verschieben müssen.“
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Der Kontext
Das Unternehmen Progress hatte die als Auwald eingetragene Fläche in der Industriezone erworben und als Ausgleich ein Grundstück neben dem Biotop Millander Au gekauft, das renaturiert werden soll. Diese Lösung hatte Hyla grundsätzlich unterstützt, weil dadurch eine bestehende „Oase der Biodiversität“ erweitert werden könne. Die Landesregierung hat dem Vorschlag für Kompensation am 27. Februar zugestimmt.
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Allerdings pocht die Umweltgruppe nun darauf, dass die ökologische Aufwertung dieser Fläche zeitgleich mit den Arbeiten im Auwald erfolgen müsse – so wie es auch in den Gutachten vorgesehen sei. „Aus rein ökologischer Sicht ist die Situation im Moment keine Katastrophe. Die Rodung ist kleiner ausgefallen, als möglich gewesen wäre, und ein Teil des Waldes ist stehen geblieben“, so Neuwirth. Hyla hält die vereinbarte Lösung mit Flächentausch und Ausgleichsmaßnahmen weiterhin für sinnvoll, aber gerade deshalb sei die gewählte Vorgangsweise für das gesamte Projekt kontraproduktiv.
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