Grünes Licht für Progress-Erweiterung
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„Es ist ein interessanter Beschluss, den ich so noch nie in meinem Leben gesehen habe“, erklärt Hanspeter Staffler, Geschäftsführer vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Es geht um die Genehmigung einer neuen Gewerbezone in Brixen, beantragt von der Progress Group und genehmigt von der Landesregierung am letzten Freitag mit Beschluss Nr. 160.
Der Hersteller von Maschinen und Software für die Betonindustrie will in unmittelbarer Nähe zum Firmensitz ein neues High-Tech-Werk mit 3D-Drucker bauen und so 100 neue Arbeitsplätze schaffen. Floriert das Geschäft weiterhin, soll das Werk 2035 in einem zweiten Schritt erweitert werden.Dabei schreibt das 2010 verabschiedete Naturschutzgesetz eigentlich vor, dass Auwälder wie der in Brixen als Lebensraum geschützt werden. Außer der Abteilungsdirektor für Natur, Landschaft und Raumentwicklung ist der Meinung, dass mit der Rodung öffentliche Interessen bedient werden (LG Nr. 6, Art. 17). Und der seit Anfang August ins Amt beförderte Florian Zerzer sah das offenbar so.
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Auch Carlotta Polo, Direktorin des Amtes für Landschafts- und Gemeindeplanung, betont das öffentliche Interesse: Die Landeskommission für Raum und Landschaft habe die Begründung der Gemeinde für die neue Gewerbezone übernommen, die das Vorhaben „mit der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Brixen und den vorgesehenen Ausgleichsflächen“ begründet.
Nun darf die Progress Group eine Fläche von rund 1,5 Hektar nutzen. Von der Umwidmung sind laut Beschluss der Landesregierung in etwa 7.500 Quadratmeter Landwirtschaftsgebiet und etwa 7.700 Quadratmeter Auwald betroffen. Für die gerodeten Bäume stellt das Brixner Unternehmen im Gegenzug 17.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung, die an der gegenüberliegenden Uferseite des Eisacks an die Millander Au anschließt und renaturiert werden soll. Diesen Vorschlag hat die Progress Group gemeinsam mit der Umweltgruppe Eisacktal–Hyla erarbeitet.
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Der Kompromiss
Für Hanspeter Staffler ist diese Kompensationsmaßnahme eine „einmalige Chance“, um im Talkessel der Stadt mehr naturnahe Flächen zu schaffen. Schließlich wird mehr als doppelt so viel naturnahe Fläche entlang des Eisacks entstehen als zuvor gerodet wird. Dennoch sei es ein „rechtlicher Drahtseilakt“, da sich der Beschluss der Landesregierung beinahe widersprüchlich liest: Obwohl sie den Auwald als gesetzlich geschützten Lebensraum bezeichnet, wird im nächsten Absatz die Begründung der Gemeinde vollumfänglich bestätigt. Wer den Hintergrund zu dem äußerst umstrittenen Projekt nicht kennt, würde annehmen, dass die Politik wirtschaftlichen Interessen wieder einmal den Vorzug gibt. Doch so einfach ist es zumindest in diesem Fall nicht.
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„Es gibt Stimmen, die das Waldstück nicht mehr als Auwald bezeichnen würden“, sagt der Geschäftsführer vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Auwälder sind von jährlichen oder periodischen Überschwemmungen geprägt und brauchen entweder Kontakt zu Fließgewässer oder Grundwasser, um langfristig zu überleben. „Das ist beim Auwald neben der Industriezone in Brixen seit rund einem Jahrhundert nicht mehr der Fall. Als in den 80er Jahren der große Damm mit zweispuriger Zufahrtsstraße gebaut wurde, ist die Verbindung zwischen Gewässer und Au endgültig getrennt worden“, sagt Staffler.
Zu dieser Zeit war das Bewusstsein über Umwelt- und Naturschutz noch nicht stark ausgeprägt. Weder Naturschutzgesetz noch FFH-Richtlinie der EU waren erlassen worden. Bis heute leben im Waldstück neben der Brixner Industriezone Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind – letzte Beweise einer Auenlandschaft aus dem vergangenen Jahrhundert.
Und bis zum Schluss forderten Umweltschützer wie Franz Pattis und das Team K deshalb den Stopp des Projekts. Die Landesregierung hat nun entschieden, stattdessen die Milländer Au am gegenüberliegenden Ufergebiet der Industriezone zu erweitern. Es sollen dort zusätzliche Wasserflächen und eine Feuchtwiese entstehen – ein Rückzugsort für Dutzende verschiedene Vogelarten.
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