Politica | Post

Hier geht die Post nicht ab!

Das Abkommen zwischen Provinz und Poste Italiane läuft 2026 aus. Die Freie Fraktion und die SVP fordern flexiblere Organisation und attraktivere Arbeitsbedingungen.
  • Verspätete Zeitungen, unregelmäßige Zustellungen von Briefen und personelle Engpässe prägen großteils den Alltag mit der Post in Südtirol, so der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion). Was die Dienstleistungsqualität der Post in Südtirol betrifft, sei noch deutlich Luft nach oben – vor allem wenn man die jährlichen Landesfinanzierungen in Höhe von 11 Millionen Euro bedenkt. Der Anlass, diese seit Jahren bestehenden Probleme erneut aufzugreifen, ist das Fristende des Abkommens zwischen dem Land Südtirol und Poste Italiane Spa und die damit einhergehenden Neuverhandlungen. 

    Vor diesem Hintergrund stellte Leiter Reber einen Beschlussantrag vor, den er diesbezüglich gemeinsam mit dem SVP-Abgeordneten Sepp Noggler ausgearbeitet hat und der in dieser Woche im Landtag behandelt werden soll.

  • Andreas Leiter Reber: Der Landtagsabgeordnete moniert, dass verspätete Zeitungen und unregelmäßige Zustellungen von Briefen seien bei Poste Italiane derzeit an der Tagesordnung. Foto: DO/SALTO
  • Probleme trotz Millionen

    Auf Grundlage des Mailänder Abkommens von 2009 beteiligt sich das Land Südtirol seit 2017 an den Kosten für die Versand- und Zustelldienste der Poste Italiane, sowie für Serviceleistungen, wie den täglichen Zustelldienst von Tageszeitungen, den Betrieb des Verteilzentrums in Bozen sowie die Betreuung von rund hundert blauen Postkästen für internationale Sendungen. Insgesamt fließen damit jährlich 11 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt in den Postdienst. 

    Dennoch funktioniere dieser vielfach nicht zur Zufriedenheit der Bevölkerung, so Leiter Reber. Medienberichte, Rückmeldungen aus Gemeinden und Beschwerden von Abonnentinnen und Abonnenten zeigen seit Jahren dasselbe Bild: Zeitungen kommen verspätet an, Briefe werden unregelmäßig oder gar nicht zugestellt, Postämter sind personell unterbesetzt.

  • Zentralistische Organisation und knappe Gehälter

    Als erstes der zentralen Probleme benannte Leiter Reber den Personalmangel. Die Arbeit bei der Post sei für viele Ansässige nicht mehr so attraktiv wie früher. Insbesondere im ländlichen Raum hätten Teilzeitmodelle mit frühem Arbeitsbeginn – etwa für Frauen oder für Landwirte – lange gut funktioniert. Die starre und zentralistische Organisation der Verteilungszentren habe jedoch für die Verlagerung der Arbeitszeiten in den späteren Vormittag gesorgt.

     

    „Es geht darum, uns eine autonomere Gestaltung zu erkaufen“

     

    Hinzu komme, dass die auf staatlicher Ebene festgelegten Gehälter von Poste Italiane in einem hochpreisigen Gebiet wie Südtirol eine geringere Kaufkraft aufweisen als in anderen Regionen. Ohne Anpassungen bei Arbeitszeiten, Organisation und Entlohnung könne das Postwesen als Arbeitgeber vor Ort nicht an Attraktivität gewinnen, so die Einschätzung der Antragsteller.

  • Wie effektiv ist die Postzustellung in Südtirol?

    Erhebung der Verbraucherzentrale Südtirol (Sommer 2023)

    Von 206 Briefsendungen wurden

    • 77,2 % innerhalb von 4 Werktagen zugestellt
      (Zielvorgabe von Poste Italiane: 90 %)
    • 92,7 % innerhalb von 6 Werktagen
      (Zielvorgabe: 98 %)

    Fazit: Zustellzeiten bleiben unter den Qualitätszielen.

    • Ø Zustellzeit Südtirol: 2,7 Werktage
    • Höchste Werte: Bozen 4,5 Tage · Wipptal 3,9 Tage
  • Im Gespräch mit SALTO verweist Leiter Reber auf den zentralen Verhandlungshebel für ein neues Abkommen: Wenn der staatliche Postdienst weiterhin vom Land mitgetragen werden soll, muss es im Gegenzug auch mehr Einfluss auf Organisation seiner lokalen Strukturen erhalten. „Es geht darum, uns eine autonomere Gestaltung zu erkaufen“, erklärt Leiter Reber. Denkbar seien dabei auch höhere Beiträge, etwa für bessere Löhne, sofern diese klar zweckgebunden seien. Umgekehrt müsse aber auch die Möglichkeit bestehen, Leistungen zurückzufahren, falls substanzielle Verbesserungen ausblieben.

  • Forderungen an die Landesregierung:

    Mit dem Beschlussantrag soll die Landesregierung beauftragt werden, bei der Neuverhandlung des Abkommens darauf hinzuwirken,

    • dass Arbeitszeiten sowie Organisation von Sortierung, Verteilung und Zustellung stärker an die Bedürfnisse Südtirols und des ländlichen Raums angepasst werden und die Rekrutierung von Personal vor Ort erleichtert wird;
    • dass Qualifikationen, Leistungen und Flexibilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanziell anerkannt werden und attraktivere Löhne im Postwesen in Südtirol ermöglicht werden. Die dafür notwendigen Mittel sollen über den Landeshaushalt bereitgestellt werden.