Macht und Kontrolle
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„Am Brenner wurde ich nicht durchgelassen, musste seinerzeit illegal über die Grenze, durch Österreich, nach Deutschland“, erinnert sich der Schriftsteller Ilija Trojanow an die Zeit, als er als junger Mann sein Heimatland Bulgarien verlassen musste und am Brenner nicht mehr weiterkam. In seinem Buch Nach der Flucht hat er diese Episode literarisch verarbeitet. Es erschien 2017. Ein Jahr darauf kam es in der Übersetzung des bekannten Südtiroler Journalisten, Germanisten und Übersetzers Umberto Gandini (1935–2021) auf den Markt.
Un giorno, al Brennero, lo studente apolide è buttato fuori dal treno notturno. Preso per la collottola, spintonato verso la porta, interrogato nella stazione di polizia (un bugigattolo). Non ha il visto per l’Austria, gli dicono.
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Mächtige Broschüre: Vom 20. Jänner bis 23. Februar finden die Bücherwelten 2026 statt. Foto: Südtiroler KulturinstitutEinige Kulturinteressierte erinnern sich auch an die Veranstaltung im Filmclub Ende März 2019, als Ilija Trojanow bei der Filmvorführung zu seinem Romanerstling Die Welt ist groß und Rettung lauert überall – das Buch erschien vor genau 30 Jahren – im Rahmen einer Werkschau zum Filmproduzenten Karl Baumgartner zu Gast war, der den Film unter dem gleichen Titel für die Leinwand produzierte. Bekannt wurde der Schriftsteller vor allem mit seinem Roman Der Weltensammler – der Bestseller erschien vor genau 20 Jahren.
In Bozen eröffnet Trojanow gemeinsam mit einer Moderatorin Nina Schröder mit einer Lesung aus der aktuellen Veröffentlichung Das Buch der Macht – Wie man sie erringt und (nie) wieder loslässt am 20. Jänner die diesjährigen Bücherwelten im Waltherhaus. Büchernärrin Monika Obrist von der Sprachstelle beim Südtiroler Kulturinstitut hatte die Idee, Trojanow erneut und aus aktuellem Anlass nach Südtirol zu laden. „Sein Buch der Macht“, sagt sie, „passt einfach bestens zum diesjährigen Schwerpunkt“.
Am 21. Jänner ist Trojanow erneut Gast auf der Bücherwelten-Bühne, wenn es im Gespräch mit Petra Thorbrietz und Tamara Ehs Macht und Kontrolle gehen wird. Die Moderation übernimmt abermals Nina Schröder. Es wird in der Debatte um Journalismus, Wissenschaft und Literatur gehen und welches Potenzial sie haben, Macht zu kontrollieren, sie zu schwächen oder gar zu stützen.
Ilija Trojanow und Klaus Zeyringer 2024 in Meran: Während in Paris die Olympiade 2024 eröffnet wurde stellten Ilija Trojanow und Klaus Zeyringer in Meran ihr Buch "Fans: Von den Höhen und Tiefen sportlicher Leidenschaft" vor. Foto: SALTOIn den Tagen darauf geht es in Sachen Veranstaltungen im Waltherhaus (und nicht nur dort) Schlag auf Schlag weiter. Margit Weiß stellt ihr Buch Was man nicht sieht, ist doch da am 22. Jänner um 18 Uhr vor, anschließend folgt ab 20 Uhr ein Filmabend mit der Projektion des Films Ein Tag ohne Frauen. Der Film aus dem Jahr 2024 zeigt Island im Jahr 1975, als an einem grauen Herbstmorgen die Frauen der Insel beschlossen, nicht mehr zu arbeiten und zum Streik aufriefen. Sie legten dadurch das ganze Land komplett lahm und erregten international Aufsehen. Die Erzählungen der damals beteiligten Frauen und zahlreiche Archivaufnahmen werden in der subversiven Dokumentation mit liebevoll-witzigen Animationen untermalt.
Über Möglichkeiten, neue Gesellschaftsentwürfe zu denken und umzusetzen. Ein Film von Regisseurin Pamela Hogan.(c) Filmclub BozenEin großes Programm gibt es auch für Kinder und zu Kindliteratur. Über Literatur ist Macht: Warum Lesen Kinder erfolgreich macht spricht beispielsweise Elisabeth von Leon am Freitag, 23. Jänner, um 17 Uhr. Die Dozentin für Kinderliteratur an der Freien Universität Bozen zeigt anhand praxisnaher Einblicke und vieler Kinderbücher, wie die Macht von Literatur erlebbar gemacht werden kann. In der Woche darauf geht es unter anderem um Literatur und Wissen(schaft), um Liebesbriefe mit Greta Marie Pichler sowie um die Slowenische Minderheit im Friaul. Am Samstag, 31. Jänner, findet dann der große Literaturtag statt, zu dem die Autorinnen und Autoren Paola Lopez (Die Summe unserer Teile), Katharina Feist-Merhaut (Sterben üben), Hannah Lühmann (Heimat), Ursula Knoll (Zucker) und Christian Mitzenmacher (Knallkrebse) geladen sind. Bunt geht es dann auch weiter bis zum 23. Februar. Das genaue Programm findet sich auf der Internetseite des Veranstalters.
Am 13. Februar gibt es auch eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit SALTO. Bei der zweisprachigen Lesung mit Gespräch wird Maddalena Fingerle Einblicke in den Entstehungsprozess ihres Buches Mit deinen Augen geben.
„In einer Zeit, in der sich Machtverhältnisse weltweit verschieben, widmen auch die Bücherwelten ihren Schwerpunkt dem Thema Macht. Dabei richtet sich der Blick nicht allein auf ihre bedrohlichen oder problematischen Seiten, sondern auch auf ihre inspirierende Kraft“, heißt es in der Einladung des Südtiroler Kulturinstituts, das sich "mächtig" viel Publikum für die Kultur- und Literaturabende und natürlich die gezeigten Ausstellungen wünscht.
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