Die Gesichter hinter den Gehirnen
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Es sind die Menschen, die zu uns kommen, die dieser Tage, Wochen und Monate im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Die Kehrseite wird dabei oftmals außer Acht gelassen. “Brain drain”, wörtlich “Gehirn-Abfluss” – im Sinne von Talentschwund – nennt sich das Phänomen, das laut Wikipedia “die volkswirtschaftlichen Verluste durch die Emigration besonders ausgebildeter oder talentierte Menschen aus einem Land” beschreibt. Insbesondere junge Menschen entscheiden sich nach oder während ihrer Ausbildung, ins Ausland zu gehen. Manche, um Erfahrungen zu sammeln und später wieder nach Hause zurückzukehren. Viele allerdings auch, weil sie im Heimatland keine Zukunftschancen auf dem Arbeitsmarkt sehen.
Im Trentino wird in Kürze ein Projekt starten, das den Menschen hinter dieser “fuga dei cervelli” ein Gesicht und eine Stimme geben soll. “Altrove” nennt sich die Initiative, die am vergangenen Freitag in Riva del Garda präsentiert wurde. Auf Anstoß der Gemeindeverwaltung wurde eine Redaktion von drei Personen eingerichtet, die die Geschichten junger Trentiner, insbesondere jener aus der Region um den Gardasee, im Ausland sammelt, aufbereitet und für alle zugänglich macht. Noch innerhalb Februar wird die Webseite www.altrove.it online gehen. Von der Plattform profitieren sollen einerseits junge Menschen, die beabsichtigen, ins Ausland zu gehen. Andererseits auch potentielle Arbeitgeber in der Region, die Anreize bieten könnten, um den Ausgezogenen die Rückkehr schmackhaft zu machen, wie Monica Ronchini, Gemeindeangestellte in Riva del Garda und Ideatorin des Projekts, am Freitag anlässlich der Präsentation von “Altrove” erklärte: “Il nostro progetto cerca gli strumenti per conoscere il fenomeno e per creare opportunità concrete, sfruttando la rete internet, lavorando per ora nel raggio d'azione consentito ai nostri mezzi. Un lavoro che pone subito il problema centrale: come far rientrare chi se n'è andato? Noi cercheremo di farlo mettendo in rete i nostri giovani migranti e rendendoli noti, visibili; sarà possibile sapere chi sono, cosa fanno, quali professionalità hanno appreso, in modo da renderli interessanti per il nostro mercato del lavoro, magari non sempre per un'assunzione a tempo indeterminato, ma comunque per attività che mettano a frutto le loro competenze.”
110 Personen wurden bisher kontaktiert, 22 Geschichten stehen bereit, erzählt zu werden. Sehr zur Freude auch der Generalsekretärin der Gemeinde Riva del Garda, Lorenza Moresco. Gemeinsam mit Bürgermeister Adalberto Mosaner war sie bei der offiziellen Vorstellung vor wenigen Tagen dabei und zeigt sich mehr als zufrieden mit dem großen Interesse, das “Altrove” seit seinen Anfängen vor einem Jahr entgegengeschlagen ist. “Nun gilt es, das Projekt über die Zeit aufzubauen und zu pflegen, damit es wächst und zugleich konkrete Chancen, Wissen und Austausch schafft.” In absehbarer Zeit soll das Projekt in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung des Trentiner Gemeindenverbands auch auf andere Gemeinden ausgeweitet werden.