Shanti Powa und der positive Sturm
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Sie sind gekommen, um zu bleiben – und um aufzurütteln. Bevor Shanti Powa diesen Samstag, den 21. März, die Bühne der BASIS in Schlanders stürmen, haben sie SALTO erzählt, warum Südtirol gerade jetzt ihr fünftes Album, die Macht der Gruppe und eine ordentliche Portion Optimismus braucht.
Wenn Bertrand J. Risé und Thomas Maniacco den Raum betreten, bringen sie eine Energie mit, die man nach über 15 Jahren Bandgeschichte nicht unbedingt als selbstverständlich voraussetzen darf. Die beiden wirken gut gelaunt, nahbar und vor allem: voller Tatendrang. Bertrand Risé der von allen einfach nur Berti genannt wird, und Thomas strahlen eine Professionalität aus, die dennoch Raum für Spontaneität lässt. Das anstehende Konzert am Samstag in der BASIS Vinschgau ist dabei kein gewöhnlicher Gig, sondern ein bewusster Vorbote. Auch wenn das neue Album erst im Herbst final erscheinen wird, ist der Abend in Schlanders ein „Anticipo“, ein exklusives Reinschnuppern in das, was da kommt.
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Die Band
Die 2010 in Bozen gegründete Band Shanti Powa ist eines der prägendsten Musikkollektive Südtirols. Die neun festen Mitglieder sind Bertrand J. Rise alias Berise (Gesang),Florian Gamper (Schlagzeug), Lukas Pichler (Bass), Michael Rollmann (Gitarre),Peter Burchia (Gitarre & Gesang), Andreas Galante (Posaune), Jonas Tutzer (Alt- & Baritonsaxophon & Gesang), Angelo Ippati aka Kiuppo (Tenorsaxophon & Gesang) und Thomas Maniacco aka Athomos (Trompete, Flügelhorn & Gesang). In ihrer über 15-jährigen Geschichte veröffentlichte die Band vier Studioalben und spielte Konzerte in elf europäischen Ländern sowie in den USA. Ihr Schaffen zeichnet sich durch eine bewusste Abkehr von rein digitalen Produktionen und eine große stilistische Offenheit aus.
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Vier Wörter für ein neues Lebensgefühl
Das fünfte Album steht in den Startlöchern, und die erste Single „Open the Gates“ wird in den nächsten zwei Monaten das Licht der Welt erblicken. Doch wie klingt dieses neue Kapitel? Auf die Frage nach der Essenz des neuen Materials antworten die beiden wie aus einer Pistole geschossen. „Reif und authentisch“, sagt Thomas prompt, während Berti ebenso schnell nachsetzt: „Zeitgeist und Durchhaltevermögen.“
Gleichzeitig geben die Texte aber eine neue Hoffnung und einen positiven Gedanken.
Besonders der Begriff „Zeitgeist“ ist kein Zufall. Das kommende Album spiegelt die prekäre Weltlage wider, ohne dabei im Pessimismus zu versinken. „Einmal reflektiert das Album sehr gut im Zeitgeist, was gerade im Weltgeschehen passiert“, erklärt Berti. „Gleichzeitig geben die Texte aber eine neue Hoffnung und einen positiven Gedanken. Es ist zwar ein Spiegel der jetzigen Zeit, aber es soll den Leuten den Glauben an eine bessere Welt zurückgeben.“
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In einer Ära, in der Künstliche Intelligenz und digitale Perfektion den Ton angeben, schlagen Shanti Powa einen fast schon revolutionären Gegenweg ein: den des analogen Kollektivs. In den bandeigenen „Roots Stable Studios“ in Völser Aicha – einem zum Studio umgebauten Stall direkt am Waldrand – wird noch jedes Instrument echt eingespielt.
Dann ist es weniger Intuition, sondern mehr strukturiert.
Hier laufen die Fäden zusammen: Während Berti der Haupttexter der Formation bleibt, hat sich in der Produktion eine klare Methodik herausgebildet. Thomas Maniacco arrangiert und komponiert die Stücke gemeinsam mit dem Schlagzeuger Florian Gamper. In der Ruhe des Studios bringen sie Struktur in die oft spontanen Ideen der Band. „Wir schreiben dann auch die Bläsersätze im Studio in Ruhe auf. Dann ist es weniger Intuition, sondern mehr strukturiert“, erklärt Thomas diesen Prozess, der die Brücke zwischen Jam-Session und professioneller Produktion schlägt.
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(c) Shanti Powa
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Die Macht der Basisdemokratie
Trotz dieser klaren kreativen Führung bleibt Shanti Powa im Kern eine Band. Neun Charaktere unter einen Hut zu bringen, erfordert laut Thomas viel Kommunikation und eine Basis-Demokratie, die manchmal „nervenaufreibend“ sein kann. „Jeder gibt seinen Senf dazu, das ist mühsam. Aber es ist auch ein Beispiel dafür, dass so etwas funktionieren kann“, sagt er schmunzelnd. „Heutzutage dominiert der Solo-Künstler. In einer Gruppe zu sein, Differenzen zuzulassen und trotzdem zusammenzuhalten, ist ein Statement.“
Ihr Sound ist ein organischer Mix aus Reggae, Hip-Hop und Dub.
Musikalisch bleibt die Band ihrer DNA treu, die sich starren Kategorisierung entzieht. Shanti Powa wollten sich noch nie auf ein einziges Genre festlegen; ihr Sound ist ein organischer Mix aus Reggae, Hip-Hop und Dub, der durch die orchestrale Wucht ihrer Bläser-Sektion und gelegentliche Ausflüge in Rock oder Funk eine ganz eigene Dynamik bekommt. Die Reife der Jahre zeigt sich auch in der Sprachwahl: Neben Englisch und Südtiroler Dialekt rückt diesmal das Italienische und sogar der salentinische Dialekt von Saxophonist Angelo in den Fokus. „Wir haben einen Mix zwischen Italienisch, Englisch, Deutsch und Salentino“, verrät Thomas als kleinen „Spoiler“. Diese Mehrsprachigkeit ist für Berti ein natürlicher Prozess: „Es kommt von innen und ist intuitiv.“
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Ein besonderes Highlight ist die Zusammenarbeit mit Herbert Pixner. Der Multiinstrumentalist aus dem Passeiertal, der mit seinem Projekt die alpine Volksmusik revolutioniert hat, steuerte für die Single „Box“ seine diatonische Harmonika bei. Auf der Bühne in Schlanders wird er zwar nicht physisch präsent sein, aber sein Spiel wird Teil der Show sein. „Man wird sein Spiel hören. Die Musik ist eine universelle Sprache“, so Thomas. Dass Shanti Powa eine internationale Instanz sind, beweist ihre Historie: Die Band hat bereits in elf europäischen Ländern und in den USA gespielt. Doch trotz der weiten Wege bleibt die Bodenhaftung. „Wir sind sicher diejenigen, die Südtirol eine internationale Karte geben“, sagt Thomas selbstbewusst. Das Konzert am Samstag ist zudem Teil eines Dokumentarfilms über die Band, der mit sieben Kameras gefilmt wird. „Wer kommt, kann darauf zählen, vielleicht in die Doku zu kommen“, lockt Thomas.
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Zum Konzert
Am Samstag, 21. März 2026, spielt die Band ab 20 Uhr in der BASIS Schlanders eine exklusive Preview neuer Songs für ihr Herbst-Album. Der Abend mit Support von „Dubspenser Transhills“ wird von sieben Kameras für eine Doku gefilmt. Infos zu Tickets, Carpooling und Nightliner-Shuttles gibt es unter www.shantipowa.com oder www.basis.space.
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Zum Abschluss des Gesprächs werden die beiden Musiker deutlich, wenn es um die Südtiroler Konzertkultur geht. Der Vinschgau mag für manche weit weg erscheinen, doch für Shanti Powa gibt es keine Ausreden. „Südtirolerinnen und Südtiroler, kriegt euren Arsch hoch! Schlanders ist nicht aus der Welt“, ruft Thomas auf. Die BASIS in Schlanders sei derzeit der „coolste Ort für ein Clubkonzert in Südtirol“. Mit dem Support-Act „Dubspenser Transhills“ und dem Sound-Techniker Umberto Echo versprechen Shanti Powa eine Atmosphäre, die weit über ein gewöhnliches Konzert hinausgeht. Ein Abend für die „Romantiker der Livemusik“ und für alle, die eine kollektive Dosis Optimismus brauchen.
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