Arte | Olympia-Ausstellung

Kunst trägt das olympische Feuer weiter

Mit What We Carry zeigt das Museion in Bozen bis zum 29. März 2026 eine Ausstellung, die Kunst, Geschichte und die Werte des Sports miteinander verknüpft.
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What We carry
Foto: Luca Guadagnini
  • Die Künstler*innen Sonia Leimer und Christian Kosmas Mayer präsentieren neue Werke, begleitet von einer Sammlung von 43 olympischen Fackeln aus den Jahren 1936 bis 2024. Die Schau ist Teil der Cultural Olympiad Milano Cortina 2026, die den Olympischen Spielen eine kulturelle Dimension verleiht.

    Im Mittelpunkt steht die Frage, was wir weitertragen – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Die olympische Fackel wird zum Symbol für Kontinuität, Wandel und gemeinsames Erbe. Was bleibt bestehen, wenn Bedeutungen sich verschieben?
     

  • Ein Unendlichkeitszeichen aus Bewegung

    Sonia Leimer schuf eine 50 Meter lange Skulptur in Form eines Unendlichkeitszeichens, das an eine Laufbahn erinnert. Auf ihrem Sockel ruhen 42 Fackeln – Designobjekte, die die Ideale ihrer Zeit spiegeln. Leimer nutzt sie als Ausgangspunkt für Reflexionen über Veränderung und Erinnerung.
    Bekannt für Arbeiten, die Raum und gesellschaftliche Narrative untersuchen, verwandelt sie Alltagsobjekte in Träger kollektiver Geschichten und fragt, wie sich ihre Bedeutung mit der Zeit wandelt.

  • Das Feuer und die Eiche

    Einen historischen Gegenpol setzt Christian Kosmas Mayer mit seiner Installation rund um die erste olympische Fackel von 1936. Sie wurde im nationalsozialistischen Deutschland geschaffen und war Teil des ersten modernen Fackellaufs – ein Symbol politischer Propaganda. Mayer stellt ihr die Geschichte des afroamerikanischen Hochspringers Cornelius Cooper Johnson gegenüber, der 1936 in Berlin Gold gewann, jedoch Diskriminierung erlebte.
    Nach seiner Rückkehr pflanzte Johnson seine „Olympische Eiche“ in Los Angeles, wo sie bis heute wächst. Mayer entdeckte sie Jahrzehnte später und integrierte Stecklinge des Baumes in sein Werk – als lebendige Zeugen der Geschichte. Die Eiche steht für Beständigkeit, während das Feuer für Vergänglichkeit steht – zwei Pole eines gemeinsamen Vermächtnisses.

  • What We Carry: Ausstellung im Museion zum Thema Olympia. Foto: Luca Guadagnini
  • Licht und Ursprung

    Leimers Videoarbeit Solar (2025) führt zurück zu den zeremoniellen Ursprüngen des olympischen Feuers. Sie zeigt die Parabolspiegel in Lausanne und Athen, mit denen die Flamme durch Sonnenstrahlen entzündet wird. Eine persönliche Erzählung begleitet die Bilder und schafft eine Verbindung zwischen Licht, Ritual und Erinnerung.

  • Ein lebendiges Vermächtnis

    What We Carry ist mehr als eine Ausstellung – sie ist ein Dialog über Werte, die über Generationen weitergegeben werden: Inklusion, Nachhaltigkeit und Vermächtnis. Wie das olympische Feuer wandern sie von Hand zu Hand, von Zeit zu Zeit.

    Museion-Direktor Bart van der Heide sagt: „Kulturelles Erbe ist keine feste Größe, sondern eine lebendige Kraft.“
    In diesem Geist zeigt die Ausstellung, wie Kunst und Sport gemeinsame Ziele verfolgen – Begegnung, Inspiration und Zusammenhalt.

    Mit What We Carry stärkt das Museion Bozens Rolle als Ort des internationalen Austauschs und lädt dazu ein, darüber nachzudenken, welche Flammen wir als Gesellschaft weitertragen – und wie wir sie am Brennen halten.