Die Schlüsselfrage
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Im vergangenen September hat Christina Holzer, Direktorin der Goetheschule in Bozen, mit ihrem Vorschlag in Sachen Sprachunterricht und Klassenaufteilung großes Aufsehen erregt bzw. richtete sich der Blick auf ein Problem, das lange Zeit vernachlässigt schien, und zwar die Sorge vieler Eltern, dass der Muttersprachenunterricht aufgrund eines zu hohen Anteils fremdsprachiger Kinder in den Klassen leiden könnte. Der Vorschlag Holzers, eine Klasse zusammenzustellen, in der niemand Deutsch spricht, wurde zwar abgelehnt, als Folge davon wurde aber ein SVP-interner Arbeitstisch eingerichtet. Angeregt wurde diese Initiative von Parteiobmann Dieter Steger und Parteisekretär Harald Stauder. Sinn und Zweck dieses Arbeitstisches, der sich intensiv mit dem Thema Bildung und Sprache auseinandersetzte, war herauszufinden, wo die Probleme liegen und wie diese angegangen werden können.
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SVP-Parteisekretär Harald Stauder: „Das Bild ist sehr klar. Die Lösung liegt nicht nur bei der deutschen Schule. Diese ist sehr attraktiv und funktioniert sehr gut.“ Foto: Seehauserfoto
Wie Stauder auf Nachfrage von SALTO erklärte, sind bei den verschiedenen Treffen mehrere Expertinnen und Experten angehört worden, die zu den unterschiedlichsten Themen rund um die deutsche Schule Stellung bezogen haben. Angehört wurden beispielsweise Vertreter der Elternvereinigung, Oskar Peterlini, der in der Frage des Autonomierechts als Experte angehört wurde, Vertreter der italienischen Schule, Lehrpersonen und politische Vertreter verschiedener Gemeinden, die von der Situation vor Ort berichteten. In den kommenden Sitzungen sollen Schul-Direktoren von ihren Erfahrungen berichten, sowie zwei Vertreter aus anderen europäischen Minderheitengebieten. Diese sollen die Situation in ihren Ländern erläutern bzw. wie dort Muttersprachenunterricht funktioniert. „Bei der letzten Sitzung hat uns der ehemalige Senator und Rechtsanwalt Karl Zeller die rechtlichen Möglichkeiten erklärt, um den muttersprachlichen Unterricht abzusichern. Diese Anhörungen haben übrigens immer in enger Abstimmung mit dem zuständigen Bildungslandesrat Philipp Achammer stattgefunden“, so Stauder, der betont, dass man gemeinsam für dasselbe Ziel arbeite – und mittlerweile sei auch bereits einiges unternommen worden, wie beispielsweise die Aufstockung der Mitarbeiter.
Auf die Schlussfolgerungen angesprochen, die sich im Zuge dieser Anhörungen ergeben haben, erklärt der SVP-Parteisekretär: „Das Bild ist sehr klar. Die Lösung liegt nicht nur bei der deutschen Schule. Diese ist sehr attraktiv und funktioniert sehr gut.“ Das führe allerdings auch dazu, dass immer mehr italienische Muttersprachler ihre Kinder in die deutsche Schule schicken, um die Zweitsprache zu erlernen. „In den Anhörungen ist uns bewusst geworden, was die italienische Schule im Hinblick auf das Erlernen der Zweitsprache leistet – und das ist vielen Leuten leider nicht klar“, erklärt Stauder. Könnte man den großen Wert der italienischen Schule in der Öffentlichkeit besser kommunizieren, würde einiges an Druck auch von der deutschen Schule weggenommen, ist der SVP-Parteisekretär überzeugt und berichtet von einem gemeinsamen Besuch mit Bildungslandesrat Marco Galateo in der italienischen Volksschule in Lana, wo dies sehr gut funktioniere und durchaus als Modell hergenommen werden könnte.
„Der Schlüssel liegt bei der italienischen Schule.“
„Der Schlüssel liegt bei der italienischen Schule“, so Stauder und erklärt: „Je attraktiver und je besser die deutsche Schule wird, desto anziehender wird sie natürlich. Und genau derselbe Prozess muss auf italienischer Seite angestoßen werden.“ Vieles sei schon unternommen worden, aber bei der Bevölkerung noch nicht so recht angekommen. „Wenn die italienischsprachigen Eltern nach wie vor der Meinung sind, dass man sein Kind in die deutsche Schule schicken muss, damit es Deutsch lernt, dann müssen wir uns fragen, wie wir hier eine Richtungsänderung schaffen“, so Stauder. Angesprochen auf die paritätische Kommission, die Ex-Senator Karl Zeller für rechtlich umsetzbar hält, erklärt der Parteisekretär, dass dies eine Option ist, aber sicherlich nicht die Erste. Man ziehe eine bessere und zielgerichtetere Lösung vor. „Wir sind auf dem Weg und werden voraussichtlich innerhalb des nächsten Monats bzw. Anfang April einen Zwischenbericht abgeben“, so Stauder abschließend.
Viele Eltern mit…
Viele Eltern mit Migrationshintergrund wählen sehr bewusst die deutsche Schule für ihre Kinder. Und das nicht nur wegen der deutschen Sprache.
Die Eltern bereiten sich im Voraus vor und schicken ihre Kinder in den deutschen Kindergarten. Nach 3 (öfters auch 4) Jahren Kindergartenbesuch erwarten sich die Eltern, dass ihr Kind bereits ausreichende Deutschkenntnisse für den Schulanfang haben wird.
Was passiert ist aber, dass die Kinder nach 4 Jahren immer noch kein Deutsch sprechen.
Das Problem muss daher bereits im Kindergarten angegangen werden.