ZOOM auf fünf Jahre

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Eine angehende Autorin oder ein angehender Autor, eine erfahrene Kollegin oder ein Kollege der SAAV als Tutor und einen Verlag, der für neue Stimmen offen ist. So könnte die Mischung genannt werden, nach der seit bald fünf Jahren, genauer seit dem 20. Oktober 2020, sogenannte „Erstlinge“ veröffentlicht werden. Nun wollen SAAV und Edition Raetia, morgen Donnerstag ab 20 Uhr im Kleinkunsttheater Carambolage in Bozen, zurückblicken auf fünf ausgesprochen dichte Jahre. Es moderiert Gianluca Iocolano, Thomas Kager blickt kurz zurück auf die Geburt von ZOOM-ED.
Die Veranstaltung soll auch das Format präsent halten, um es für die 6. Ausgabe etwas langsamer anzugehen: Die Ausschreibung fürs nächste Projekt (Einreichfrist: 30. September 2025) peilt eine Veröffentlichung im Jahr 2026 an und richtet sich an alle in Südtirol lebenden oder von dort stammenden Autor:innen, die – unabhängig von ihrem Alter – noch nicht bei einem Verlag Platz für ihre „literarische Erstveröffentlichung“ gefunden haben. Willkommen sind Einreichungen in allen drei Landessprachen und auch eine über diese hinausgehende Mehrsprachigkeit ist gern gesehen. Nähere Details finden interessierte Personen auf der Webseite der SAAV. Nun aber ein Blick zurück. Alles begann mit einer „Glühbirne“ und dem Sprung in die klare Luft. -
Ein kollektiver ErstlingNadia Rungger: Im Bild bei Podcast-Aufnahmen in der Streitergasse, letztes Jahr zum Thema Buchmessen und Gastländer. Foto: Seehauserfoto
Nadia Unterfrauner, Carmen Ramoser, Magdalena Ferdigg, Anna Maria Parteli und nicht zuletzt Nadia Rungger sind „Die Glühbirne“. Letztere vertritt das junge, 2020 gegründete Autorinnenkollektiv bei der morgigen Veranstaltung und hat vor fünf Jahren das Kunststück vollbracht, so etwas wie einen doppelten Erstling vorzulegen: Die aus Lyrik, Prosa und anderen Kurztexten bestehende Anthologie „In die klare Luft springen“ (als Teil von „Die Glühbirne“, Edition Raetia, ZOOM-ED) und den ebenso gemischten Band mit Lyrik und Erzählungen „Das Blatt mit den Lösungen“ (Verlag A. Weger). Daraufhin hat unser Kollege Martin Hanni im November 2020 ein Interview mit ihr geführt, das hier zu finden ist. Wer mehr Interesse am derzeit scheinbar ruhenden Kollektiv hat, der findet auf Barfuss ein Gespräch mit ihren Kollektiv-Kolleginnen Nadia Unterfrauner und Carmen Ramoser, das Julia Tappeiner geführt hat. Nadia Rungger ist seitdem kaum zur Ruhe gekommen und mittlerweile fixer Bestandteil der Literatur und Kulturszene im Land.
Von klarer Luft zu WindIsabel Folie: Lebt und arbeitet als freie Texterin in Wien, wohin es die gebürtige Völserin beim Studium verschlagen hat.e Foto: Isabel Folie„In meiner Mitte Kohle, in meinen Armen der Wind“ so der evokative Titel der Sammlung von lyrischer Kurzprosa, mit welcher die 1989 in Völs am Schlern geborene selbstbekennende Feministin die Jury der 2. Ausgabe von ZOOM-ED überzeugen konnte. Bei der Ausarbeitung ihrer Texte half Folie der erfahrene Kollege Kurt Lanthaler, den sie sich unter den möglichen Mentoren ausgesucht hat. „Die einzige Form der Intervention war, das Fragenstellen“, ist von Lahnthaler in der Annäherung des Kollegen Hanni von 2021 über die via E-mail erfolgte Kommunikation mit der Autorin zu lesen. Ob sich Isabel Folie nach wie vor zwischen Lyrik und lyrischer Kurzprosa wohlfühlt, kann man sie morgen Abend in der Carambolage fragen.
Tendenz Richtung ProsaMi annoiavo molto: Vor kurzem hat auch Matteo Jamunno nachgelegt und im September des Vorjahres eine Sammlung von Kurzgeschichten zusammengestellt, die auf seinen ZOOM-ED Roman folgt. Foto: Matteo Jamunno FacebookZu sehr wollen wir uns zu den übrigen beiden Autoren - Martin Troger („Ein Einzelzimmer bitte“, 2022) und Matteo „Yomer“ Jamunno („Nel Gnome del Padre“, 2023) – sowie zur letztjährigen Siegerautorin Lena Wild („Vorbereiten auf den Zufall“, 2024) nicht ausnehmen. Auch sie sind morgen Abend anzutreffen und werden aus ihren Büchern lesen, sowie von der Erfahrung sprechen, einen Erstling – oder im Fall Jamunnos eine opera prima – in die Welt zu setzen. Als Fan neuer Stimmen in der provinziellen und auch weiter greifenden Literaturlandschaft haben wir ZOOM-ED 3 bis 5 für SALTO gelesen und besprochen. Der jeweilige Text ist oben verlinkt. Auch wenn wir persönlich in den letzten Jahren lyrische Elemente vermisst haben, da dreimal Prosa zum Zug kam, so können wir mit Sicherheit sagen, dass es sich, trotz kleinerer Ecken und Kanten da und dort, immer um spannende Texte handelte, die in keinem Fall im übertragenen Sinne prosaisch waren. Wir gratulieren SAAV und Raetia von Herzen fürs Jubiläum ihrer kleinen aber feinen Literaturschiene.