Wir sind Olympia
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Nun ist die Fackel gestern also auch durch Eppan a.d.W. getragen worden, durch jene Landgemeinde, in welcher vor genau 130 Jahren zum ersten Mal olympischer Geist in den Süden Tirols unter die Leute gebracht wurde. SALTO hat zu diesem historisch vergessenen Wettkampf im Mai 1896, wenige Tage nach den ersten neuzeitlichen Sommerspielen in Athen, bereits in mikroskopischer Ausführlichkeit berichtet. Dass sich diese Spiele damals noch in Tyrol abspielten ist klar, dass Tyrol heute nicht South Tyrol ist ebenfalls. Jedenfalls belegt dies ein offiziell und einigermaßen witzig gelungener Marketing-Schachzug der gegenwärtigen Tirol-Werbung.
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Was ist Tyrol?
Verletzende Werbung?: Nur bei folgenden Problematiken: [a] Dünnhäutigkeit, [b] Mangelndes Selbstbewusstsein, [c] Kein Sinn für Humor. Foto: Tirol WerbungEinen luschtign Hinweis gibt es im Tyroler Werbe-Gag auch zur Unverständlichkeit des Südtiroler Dialekts. Wenn man sich in diesem Zusammenhang den wundervoll weich tönenden und mit sämtlichen Klangfarben und melodischen Nuancen versehenen Dialekt nördlich des Brenners zu Ohren führt, kann man nur herzhaft-augen-zwinkernd schmunzeln.
Auch wenn der Werbe-Sager gegen die südlichen Nachbarn scheinbar allerhand alte Wunden aufgerissen hat, ist die Werbeaktion allemal gelungen (wenn nun auch wieder gecancelt), jedenfalls ist/war sie nicht so verschleimt daherschleifend, wie der einst von den Südtiroler Marketing-Kollegen aus den Wolken geholte und peinlich zu Papier gebrachte Frühlings-Brief an Angela Merkel. 1:0 für Tyrol.
Licht und Schatten rund um ein gigantisches internationales Sportfest mitten in den Südtiroler Bergen.
Die Geschichte zu Tirol und Tiroler vs. Südtiroler Tourismusgepflogenheiten lässt an eine Begebenheit Anfang der 1970er-Jahre in den Sinn kommen, als die Schauspielerin Margarethe von Trotta unter der Regie ihres damaligen Ehemannes Volker Schlöndorff den Film mit dem sehr touristischen Titel Übernachtung in Tirol in Südtirol drehte. Nachdem der Film im Oktober 1974 im Fernsehen gezeigt wurde, trudelten vor allem aus Tirol zahlreiche Beschwerdebriefe in der ARD-Redaktion ein. Die Tourismusverantwortlichen in Nordtirol hatten beim Titel des Films eine gefällige und werbetechnisch einwandfreie Urlaubs-Schmonzette vermutet und nicht einen poetischen Autorenfilm, ohne Postkartenmotive und ohne Happy End.[Olympische Anmerkung am Rande] Außen vor bleibt in der Nord-Süd-Tirol-Debatte meistens Ost-Tirol. Dabei wurde dort erst vor zwei Tagen ausführlich zu Olympia in Antholz berichtet. Über Licht und Schatten rund um ein gigantisches internationales Sportfest mitten in den Südtiroler Bergen.
Fake oder Super-Fake?
Wahre Falschmeldung: Die "heute show"-Satire-Meldung mahnt und macht gleichzeitig nachdenklich zu aktuellen Entwicklungen. Foto: heute showWie mit Wahrheiten oder Halbwahrheiten umgegangen wird, wissen nicht nur Werbe-Fritzen, sondern auch die Macherinnen und Macher von satirischen Medien-Formaten, wie es beispielsweise die heute show im TV-Sender ZDF ist. Etwa mit der vor wenigen Tagen veröffentlichten Geschichte Der Berg schreit, einer Spezial-Sendung zu den Olympischen Spielen 2026. Aus derselben Ecke wurde gestern wieder etwas Hochpolitisches und erneut im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Italien gepostet. Eine echte Frechheit? Oder eine falsche Echtheit?
„Die US-Regierung“, heißt es da, wolle vermutlich die Kosten der ICE-Beamten, die zu den Olympischen Winterspielen geschickt werden, „als Fortbildung“ abrechnen. Mit einer historisch gut belegbaren Begründung ist diese pointierte Zuspitzung im Olympiagewand ein Favorit im Rennen der Kategorie: Guter Witz mit nachdenklich stimmendem Kontext.
Welt- und lokalpolitisches: Es sollte bei der heutigen Landespressekonferenz eigentlich nur um Olympia gehen. Überraschend wurde dann notgedrungen auch zur Aufweichung in der Disziplin "Bettenstopp" gesprochen. Es gab Rückendeckung für Walcher und Schuler gleichermaßen. Eine wahrlich sportliche Leistung. Foto: SALTO/HMWegbereiter und MitläuferDass Südtirols bekanntester Fackelläufer gleichzeitig Südtirols bekanntester Fackelmitläufer ist, wäre im Grunde durchaus egal, würde er nicht das honorige Amt als Vizelandeshauptmann bekleiden. Bezüglich seiner Fackelmarsch-Teilnahme mit faschistischen Größen durch Bozen warten immer noch viele Leute im Land auf eine ernstgemeinte Entschuldigung für sein Fehlverhalten. Sein „dabei sein“ war unüberlegt, und meilenweit entfernt vom olympischen Motto, bei welchem „Dabei sein“, alles ist.
Um Olympia – „Heute geht es nur um Olympia“ – ging es zunächst auch bei der heutigen Pressekonferenz im Palais Widmann in Bozen. Während Landeshauptmann Arno Kompatscher zu den deutschsprachigen Orts-Bezeichnungen während der Olympiawochen Stellung bezog, fabulierten Daniel Alfreider und der Ressortdirektor für Infrastrukturen und Mobilität, Martin Vallazza, über alle Wege und Erreichbarkeiten zu den Sportstätten.
Alle Wege (oder Streets of Minneapolis) der unbestritten nachhaltigsten Spiele seit Menschengedenken führen jedenfalls wohin? Nach Südtirol natürlich! Und nicht nach Rom, Milano oder Cortina.Articoli correlati
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„Jedenfalls belegt dies ein…
„Jedenfalls belegt dies ein offiziell und einigermaßen witzig gelungener Marketing-Schachzug der gegenwärtigen Tirol-Werbung.“
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