Der Bettenstopp-Flop
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Ausgangspunkt der Ausgabe Nr. 75 des Podcast-Formats In der Streitergasse ist die erneut aufgeflammte politische Debatte über eine mögliche Aufweichung der bestehenden Regelungen zur Begrenzung touristischer Betten. Auffällig ist, dass zentrale Akteure der Debatte wie Landesrat Luis Walcher, Vertreter der Südtiroler Volkspartei sowie der Präsident des Hotelier- und Gastwirteverbandes Klaus Berger eine Teilnahme an der Diskussion abgelehnt haben.
Es geht nicht nur um Tourismuspolitik, sondern vor allem um Glaubwürdigkeit in der Politik, Nachhaltigkeit, Olympia, Raumplanung und soziale Schieflagen.
Zu Gast sind die Rechtsanwältin und Vorsitzende des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz Elisabeth Ladinser, die Landtagsabgeordnete der Grünen Madeleine Rohrer und die Architektin und Expertin für nachhaltige Raumplanung Marlene Roner. Sie war Protagonistin in der vor wenigen Tagen veröffentlichten TV-Dokumentation Der Berg schreit, eine Spezialausgabe der satirischen Sendereihe heute show -
Madeleine Rohrer betont, dass der Bettenstopp nie ein echter Stopp gewesen sei, da zahlreiche Ausnahmen existierten. Dennoch sei er ein wichtiges Instrument zur Begrenzung des Tourismuswachstums. Sie kritisiert, dass die Diskussion nicht offen im Landtag, sondern informell innerhalb der Landesregierung, der SVP und der Tourismusverbände geführt werde. Entscheidungen würden faktisch hinter verschlossenen Türen getroffen.
Große, abgeschottete Resorts und Chalet-Dörfer würden weder Ortszentren beleben noch der lokalen Bevölkerung zugutekommen.
Marlene Roner betrachtet die neuerdings (nicht) geführte Bettenstopp-Debatte mit großer Sorge für Südtirol und den gesamten Alpenraum. Sie warnt vor einer Logik des ständigen Wachstums, die zu mehr Hotels, mehr Verkehr, mehr Bodenverbrauch und letztlich zu Übertourismus führt. Besonders kritisch sieht sie die Rolle von Bodenspekulation und Investitionsdruck im Bausektor. -
Elisabeth Ladinser unterstreicht aus naturschutzfachlicher Perspektive, dass „Stopp“ auch tatsächlich Stopp bedeuten müsse. Angesichts von Rekordzahlen bei den Übernachtungen sei eine weitere Ausweitung des Tourismus nicht verantwortbar. Sie verweist auf massive Auswirkungen auf Wasserverbrauch, Energiebedarf, Verkehr und Arbeitskräfte.
Es braucht klare Grenzen, politische Transparenz und eine grundlegende Neuorientierung zu einem zukunftsfähigen, menschengerechten Tourismusmodell.
Ein zentrales Thema ist die Frage nach „Qualitätstourismus“. Alle drei Gesprächspartnerinnen stellen infrage, ob dieser wirklich mit Luxus, großen Hotelanlagen und Wellnessinfrastruktur gleichzusetzen ist. Stattdessen plädieren sie für einen Tourismus, der auf Sanierung historischer Bausubstanz, regionale Wertschöpfung, Achtsamkeit, Klimaschutz und soziale Verträglichkeit setzt. -
Am Ende der Podcast-Ausgabe geht es auch um Olympia. Ist die Großveranstaltung Fluch oder Segen für die jeweiligen Austragungsorte? Anhand von Beispielen aus Turin 2006 wird vor dauerhaften Bauruinen und Fehlentwicklungen gewarnt.
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Der Berg schreit. Marlene Roner ist neben Reinhold Messner und anderen Testimonials Protagonistin des TV-Satire-Formats "heute show"-Spezial. [Trailer](c) ZDF
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Es diskutieren in der Streitergasse:
Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz
Madeleine Rohrer, Landtagsabgeordnete
Marlene Roner, Architekterin und Expertin für nachhaltige Raumplanung
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Zur Folge - all'episodio:
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Gesamte Serie - la serie completa:
In der Streitergasse - Die aktuelle Debatte auf SALTO
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SALTO change im Januar
Im Januar dreht sich bei SALTO change alles um die Frage, wie Menschen Räume nutzen, gestalten und wahrnehmen – und welche gesellschaftlichen Folgen daraus entstehen. Dabei werden Themen wie Landschaftsschutz, Tradition, Tourismus und Stadtentwicklung behandelt.
Wir berichten über aktuelle Konflikte in Südtirol, etwa touristische Übernutzung, Entwicklungen in Brixen und Bozen sowie Fragen zu öffentlichem Raum, Wohnen und Ortsidentität. Ergänzt wird dies durch Beispiele gelungener Umnutzung und Initiativen wie „HouseEurope“, die für nachhaltiges Bauen eintreten.
Den Abschluss bildet eine SALTO Talk im Bozner Kulturwohnzimmer Carambolage. Dabei geht es um die Zukunft der Stadt Bozen und die Frage, wie lebenswerter Stadtraum für alle gestaltet werden kann.
SALTO change Partner des Monats ist der Heimatpflegeverband Südtirol, der sich intensiv mit Raumqualitäten und -nutzung beschäftigt und eine der bedeutendsten Organisationen der Südtiroler Zivilgesellschaft ist.
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Verstopfte Straßen + Städte, fehlende schlecht entlohnte Mitarbeiter, Trinkwasser ...?, Müll-Berge, tot-gelaufene Sehenswürdigkeiten
... + das Alles für gerade mikrige 12 % Wirtschafts-Leistung,
die allen SÜDTIROLERN 20 % höhere Lebens-Haltungs-Kosten aufzwingt ...!!!
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Es sollten klar die Gebiete definiert werden, in denen es bereits Overtourism gibt. In diesen braucht es m.E. kein zusätzliches Bett mehr. Dann gibt es Gebiete, die noch ein paar Betten vertrügen, ohne dass daraus gleich ein zweites Gröden wird. 12 000 erschreckt natürlich und man (ich z.B.) wüsste ganz gerne, wo diese Betten hinkommen sollten.
Nur - immer nur verhindern ist nicht wirksam. Es braucht die Diskussion, Für und Wider und den Kompromiss. Ich schreibe es nur ungern: Der Tourismus ist wichtig für unser Land, deshalb hat die Politik das Beste daraus zu machen. Und v.a.: Nicht nur nörgeln sondern Alternativen aufzeigen.