„Die Revolution sind wir“
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Schon wieder Internationaler Frauentag? Im SALTO-Podcast In der Streitergasse sprechen die Historikerin Siglinde Clementi, die Wissenschaftlerin und Aktivistin Barbara Plagg sowie die Südtiroler Landesbäuerin Antonia Egger über den Erinnerungstag. Der weit mehr sein sollte. Aufgezeigt werden unterschiedliche Perspektiven auf Gleichstellung in Südtirol: historisch, aktivistisch und praxisnah aus der Landwirtschaft. Einigkeit besteht darin, dass Gleichstellung noch nicht erreicht ist.
„Ganz massiv war der 8. März wichtig in den Jahren des Feminismus. Da wurde er wirklich zelebriert, alle Jahre wieder.“
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Siglinde Clementi berichtet zu den Anfängen und den Wurzeln des Frauentags in der sozialistischen Frauenbewegung. Neben politischen Rechten waren Mutterschutz, Arbeitszeiten und soziale Absicherung zentrale Themen. Besonders in den 1970er-Jahren wurde der 8. März stark gefeiert – als politischer und solidarischer Kampftag. Wie wird er in der Jetztzeit begangen?
„Wir stehen auf den Schultern von Riesinnen.“
Barbara Plagg versteht den Frauentag ausdrücklich als politischen Kampftag, nicht als symbolischen „Blumen-Tag“. Sie kritisiert, dass feministische Anliegen zwar an wenigen Tagen im Jahr wohlwollend erwähnt würden, strukturelle Veränderungen blieben jedoch aus. Besonders deutlich würden Ungleichheiten bei der Geburt eines Kindes. -
Die Aktivistin und Autorin verweist auch auf Studien, die zeigen, dass jüngere Generationen teilweise wieder stärker zu traditionellen Rollenbildern tendieren. In Krisenzeiten wachse das Bedürfnis nach Sicherheit, was konservative Strukturen begünstige. Gleichzeitig beobachte sie eine Entsolidarisierung unter Frauen.
„Eigentlich wäre es schöner, wenn wir den Frauentag nicht mehr bräuchten.“
Antonia Egger beschreibt den Frauentag als Tag wie jeden anderen. Ihr Wunsch aber wäre, dass es ihn nicht mehr bräuchte. In der Landwirtschaft erlebe sie zwar häufig partnerschaftliche Zusammenarbeit, da Hofstrukturen Kooperation erfordern, dennoch erkenne auch sie strukturelle Hürden, etwa bei Elternzeit oder beruflicher Anerkennung. -
Die Landesbäuerin betont, dass Veränderungen oft auch vom Engagement der Frauen selbst abhängen würden, wenngleich zeitliche Belastungen – Familie, Betrieb, Ehrenamt – hoch seien.
„Eigentlich wäre es schöner, wenn wir den Frauentag nicht mehr bräuchten.“
Vorgestellt wird außerdem das Projekt Revolution to go. Es ist ein kleiner Leitfaden mit alltagsnahen Impulsen gegen Sexismus. -
Weil eben Sexismus so tief im Alltag verankert sei, müsse Veränderung ebenfalls im Alltag beginnen. Die Lösung liege nicht im Gegeneinander, sondern im gemeinsamen Umbau gesellschaftlicher Strukturen.
Warum hat Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit dem Wort Antifaschismus ein ähnliches Problem wie mit dem Wort Feminismus?
Der 8. März bleibt also kein bloßer Feiertag, sondern ein politischer Gradmesser – auch wenn die Situation dazu weltweit wie auch auf Provinzebene äußerst bedenklich ist. Der Internationale Frauentag macht sichtbar, was erreicht wurde und was noch zu tun bleibt. Feiern wie ihn! -
Es diskutieren in der Streitergasse:
Siglinde Clementi: Historikerin
Barbara Plagg: Wissenschaftlerin und Aktivistin
Antonia Egger: Landesbäuerin -
Zur Folge - all'episodio:
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