Cultura | Bibliophile Fragen

“Ziemlich viele, meistens Bestseller”

Cristina Vezzaro ist kommende Woche im Rahmen einer literarischen Übersetzung bei den Bücherwelten zu Gast. Und sie hat die “immer gleichen Fragen” von SALTO beantwortet.
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Foto: Cristina Giuliano
  • SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

    Cristina Vezzaro: Die Abenteuer des braven Soldats Schwejk, von Jaroslav Hašek: mit 12 wäre ich nie auf dieses Buch gekommen, wäre es nicht für die wunderbare Lehrerin Ornella Tommasi gewesen, eine Journalistin aus Rom, die damals in der Mittelschule am Bozner Konservatorium unterrichtete. 12-jährigen kann man viel zutrauen. Jahre später las ein Freund von mir seinen SchülerInnen ein von mir übersetztes Buch, Sherko Fatahs Im Grenzland. Mutig, dachte ich, aber es war genau dasselbe und genau richtig: die Welt ist groß, lernt man dann mit 12, und viel ist los, man braucht das nur zu erkunden.

    Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

    „Ich spüre es schon, das Vermissen. Es kommt hinter meinem Rücken hoch. Ich weiss: Man kann sich auf alles einstellen. Also gehe ich nochmal hinaus in den langsamen Rhythmus der Strassen, zu Vogelbeerbaum und Meer.“ Das ist der letzte Satz von Antje Rávik Strubels Blaue Frau, das ich ins Italienische übersetzt habe. Beim Übersetzen spürte ich auch schon das Vermissen, manche Bücher sind schwer zu verlassen.
     

    Krimis sind generell ziemlich banal, was auch nicht heißen soll, daß man sie nicht lesen darf.

  • Cristina Vezzaro im Einsatz: Im Rahmen der zweisprachigen Veranstaltung mit Maddalena Fingerle wird die Übersetzerin neben der Autorin am kommenden Freitag bei den Bücherwelten am Podium sitzen. Im Bild: Vezzaro im September 2025 auf SummerTrans IX in der Eurac. Ihr Vortrag trug den Titel: “Intelligence - you are so artificial”. Foto: Eurac

    Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

    Meistens Bücher, die überall und von allen gelobt und zelebriert werden, irgendwie finde ich die dann immer doof, oder zumindest enttäuschend oder sogar langweilig. 

    Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

    Krimis sind generell ziemlich banal, was auch nicht heißen soll, daß man sie nicht lesen darf. Ihnen fehlt aber das, was ich am meistens an einem Buch liebe: eine sprachliche Recherche. Und die Geschichten hat man ja letztendlich alle schon gelesen. Also wenn ein Außerirdischer ein Buch von der Erde lesen sollte, dann bitte zumindest Literatur!

    Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

    Jenen von ÜbersetzerInnen oder SchriftstellerInnen.

    Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

    Ziemlich viele, meistens Bestseller. Fantasy und Romance sowieso.

  • Die Übersetzerin

    Die Boznerin Cristina Vezzaro hat Übersetzung an der Uni Genf (Schweiz) studiert und übersetzt seit Jahrzehnten deutsche, französische und englische Literatur ins Italienische für verschiedene Verlage.


     

    Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

    Als PDF lese ich meistens die Bücher, die ich dann italienischen Verlagen pitche, das ist also für mich eher Arbeit. Der Spaß fängt dann mit der Übersetzung an, was allerdings auch an einem PC stattfindet. Ansonsten liebe ich es, ein richtiges Buch in meinen Händen zu halten und das Rauschen des Blätterns zu hören, zum Beispiel von AutorInnen wie A.M. Homes oder Alice Munro (auch in der italienischen Übersetzung von Susanna Basso).

    Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?

    Das letzte, das ich von einer Autorin aus Südtirol übersetzt habe, Christine Vescolis Mutternichts (eventuell auch auf Italienisch: Nulla materno, Edizioni Alphabeta Verlag), und das nächste, das von einer in Südtirol ansässigen Autorin in meiner italienischen Übersetzung und in deutscher Übersetzung demnächst herauskommen wird, Rosalyn D’Mellos Milking Time (Edizioni Alphabeta Verlag). Beide sind extrem interessante Autorinnen, Vescoli so poetisch und tief, D’Mello so tief und poetisch.

  • Lesung und Gespräch

    Nach ihrem vielfach gelobten Debüt „Lingua madre / Muttersprache“ legte die Bozner Autorin Maddalena Fingerle ihr zweites Werk vor. Mit feinem Gespür für Sprache, Identität und Wandel erkundet sie „in Pudore / Mit deinen Augen“ die fragile Grenze zwischen Selbstbild und Spiegelbild. 
    Am Freitag, 13. Februar, um 18 Uhr, im Oberen Foyer im Waltherhaus in Bozen.