Cultura | Bibliophile Fragen

„Im jeweiligen literarischen Kosmos“

Vera Zwerger Bonell stellt am 19. Februar ihren Roman „Das Blau ferner Räume“ bei den Bücherwelten vor. Und sie hat die „immer gleichen Fragen“ von SALTO beantwortet.
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Foto: Edition Raetia
  • SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

    Vera Zwerger Bonell: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende, mein Cousin hat es mir geliehen, anschließend haben wir uns darüber unterhalten, das war meine erste, bewusst geteilte Leseerfahrung. Seither gab es in jedem Lebensalter für mich solche beglückenden Momente des Austausches über ein Buch. Die Auseinandersetzung mit anderen Leserinnen kann den Lesegenuss noch intensivieren und weitere Dimensionen im jeweiligen literarischen Kosmos erschließen.  

    Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

    Mein eigener im neu erschienenen Roman…
     

    In den seltensten Fällen mache ich einen zweiten Anlauf. 

  • Neuerscheinung und Buchvorstellung: Herlinde ist eine der wenigen Frauen, die im Mailand der 1930er-Jahre die Kunstakademie besuchen. Von ihren Mitstudenten liebevoll Tiglio, die Linde, genannt, sucht sie ihren Weg zwischen gegensätzlichen Welten: der Großstadt und dem dörflichen Milieu ihrer Herkunft, der Malerei und dem Brotberuf. Als sich ihre erste Liebesbeziehung anbahnt, bricht der Krieg aus. Er verändert alles. Foto: Edition Raetia

    Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

    Ich deute „Sich einen Reim machen“ als verstehen, als dem Text nahekommen. Gelingt mir dies bei einem Buch nicht im ersten Drittel, lege ich es aus der Hand. In den seltensten Fällen mache ich einen zweiten Anlauf. 

    Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

    Man muss kein Außerirdischer sein, um Banalität augenzwinkernd zu akzeptieren. Das Wiedererkennen von landschaftlichen, sprachlichen und kulturellen Eigenheiten einer Region bewirket, dass die Nähe zum Schauplatz und die Distanz zur kriminellen Handlung sich die Waage halten, daraus entsteht für viele ein kuscheliger Gruseleffekt…

    Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

    Von Freundinnen und Freunden, auch von Leserunden oder Literaturpodcasts.

    Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

    Ratgeber aller Arten…

    Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

    Solche, die bereits in meinem Bücherregal stehen, dafür würde ich sogar Platz in meinem Urlaubskoffer schaffen, wo sonst traditionell nur der Reader mitkommt … 

    Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?

    Im Bereich der Prosa: „Mutternichts“ von Christine Vescoli: psychologisch dicht und von großem sprachlichem Können. Für die Lyrik die Gedichtbände von Roberta Dapunt, das sind für mich sprachliche Skulpturen von ernster, strenger Schönheit.

  • Erstpräsentation des Buches

     „Das Blau ferner Räume“ mit Vera Zwerger Bonell
    Waltherhaus, 19.02.2026, 18 Uhr
    Moderation: Gabriele Crepaz