Ambiente | Energiewende

„Wir wollen eine faire Diskussion“

Der Unternehmerverband ruft auf, alle Chancen zu nutzen. Die Ultner Initiative gegen das Pumpspeicherkraftwerk und auch die Faschingsrevue in Lana sehen das kritisch.
Arzkarstausee
Foto: Alperia/Facebook
  • Im Auftrag des Unternehmerverbandes Südtirol führte das Innsbrucker Institut für Marktforschung und Datenanalyse – IMAD eine Volksbefragung zum „Potenzial von erneuerbaren Energieformen in Südtirol“ durch. Im Vorfeld der Ergebnispräsentation positioniert sich der Unternehmerverband klar: Die Energiewende müsse pragmatisch und technologieoffen gedacht werden. „Zücken wir alle Mittel, die wir haben, um unsere Ziele zu erreichen“, betont Verbandspräsident Alexander Rieper kürzlich gegenüber SALTO. 

    Unweigerlich denkt man hier an die Technologie, die von Politik und Wirtschaft immer wieder aufgeworfen wird: die Pumpspeicherwerke. Ein umstrittenes Beispiel ist dabei das geplante Pumpspeicherwerk zwischen dem Zoggler und Arzkar Stausee in Ulten. Für den Eingriff in die Tallandschaft bietet die Alperia den Ultnern mit dem „Ultner Paket“ stark reduzierte Strompreise und sogar Gratis-Strom an. Allerdings bleiben die Ultner kritisch. Agnes Schwienbacher, Sprecherin der Bürgerinitiative Ultental PSKW, unterstreicht: „Das Tal hat seinen Teil geleistet und leistet ihn weiterhin mit den schon bestehenden Anlagen!“

  • Die Energiewende soll sich für alle auszahlen

    Alexander Rieper: „Das Ideal wäre, wenn ein gemeinsames Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber den Ultnerinnen und Ultnern entstünde.“ Foto: Seehauserfoto

    „Es liegt uns fern, Druck auszuüben“, so Alexander Rieper, aber wenn man über erneuerbare Energien spricht, komme man am Thema Ulten nicht vorbei. Die Aufgabe des Unternehmerverbands sei es, Möglichkeiten, Alternativen und Notwendigkeiten für Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen. „Das Ideal wäre, wenn ein gemeinsames Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber den Ultnerinnen und Ultnern entstünde. Der Beitrag, den sie an der Energieunabhängigkeit unseres Landes leisten, soll wahrgenommen werden und sich auch für sie auszahlen“, betont Rieper. 

    Der Verbandspräsident betont, dass es eine faire Diskussion braucht. Er legt dar: „Natürlich gilt es, die Sorgen, Ängste und Bedenken im Tal ernst zu nehmen. Wir wissen, dass die Staubecken in der Vergangenheit ohne Rücksicht auf Verluste gebaut wurden. Da ist vieles schiefgelaufen! Aber heute können wir zusammen versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden, die uns allen Gutes tut. Ansonsten kann es sein, dass wir uns – wenn auch aus verständlichen Gründen – eine Chance verbauen.“

  • „Das Tal hat seinen Teil geleistet“

    Agnes Schwienbacher: „Dass die Ultner sich massiv gegen ein neues Pumpspeicher-Großprojekt wehren, ist für jeden verständlich, der das Tal kennt!“ Foto: Agnes Schwienbacher

    Deutlich kritischer äußert sich die Bürgerinitiative „Ultental PSKW“. Sprecherin Agnes Schwienbacher verweist darauf, dass es in Ulten bereits mehr Stauseen gebe als in jeder anderen italienischen Gemeinde. Sie wirft das Argument auf, dass allein der Zoggler Stausee rund 142 Hektar Fläche beansprucht, und deutet auf den Schaden, der beim Bau Ende der 1950er Jahre entstanden ist: „Er befindet sich im Herzen des Tales, wo die schönsten Höfe und die fruchtbarsten Böden weichen mussten! Dass die Ultner sich massiv gegen ein neues Pumpspeicher-Großprojekt wehren, ist für jeden verständlich, der das Tal kennt!“

    Auch die Darstellung, ein neues Pumpspeicherwerk wäre weitgehend unterirdisch umsetzbar, bezeichnet Schwienbacher als Verharmlosung. Sie verweist auf hunderttausende Kubikmeter Materialaushub und großflächige Baustellen entlang der Seeufer und am Larcherberg, dem „vorletzten noch unberührten Berg des Ultentals“. Schon bei aktuellen Sanierungsarbeiten seien die Dimensionen der Eingriffe sichtbar, wobei sie auf den Bau neuer Stollen in St. Pankraz und die unterirdische Verlegung einer Druckrohrleitung in Kupplwies anspielt.

     

    „Wasser ist Leben, Pumpen ist Stress. Wassermarsch für die Natur, wir wollen keine Pumpen!“

     

    Zudem thematisiert sie die gefährdete Harmonie im Tal. „Wasserspiegel rauf, Wasserspiegel runter, Schlammufer, Unruhe. Weder die Natur, noch der Mensch können sich anpassen!“ Ähnlich wurde dies auch bei der Faschingsrevue Lana dargebracht. So rief die zurückrudernde Bühnengemeinschaft: „Wasser ist Leben, Pumpen ist Stress. Wassermarsch für die Natur, wir wollen keine Pumpen!“

  • Zweifel an Nutzen und Transparenz

    Die Bürgerinitiative stellt zudem die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit infrage. „Warum sind Pumpspeicherkraftwerke in Italien in den vergangenen Jahren nur wenig genutzt worden? Warum würden ähnliche Projekte andernorts – etwa im Tiroler Kaunertal – auf Widerstand stoßen oder nicht weiterverfolgt?“, so Schwienbacher. Zu den Fragen gesellt sich eine weitere nach der Transparenz vonseiten Alperias. Schwienbacher betont, dass Ultental PSKW keine Antwort auf die Fragen nach Nutzung, Gewinn und Stromherkunft für den Pumpvorgang hätten.

    Die Sprecherin der Initiative bleibt dabei: Das Ultental habe über Jahrzehnte einen erheblichen Beitrag zur Energieversorgung geleistet und „in Bezug auf Gratisstrom ist nur zu sagen, dass dieser den Ultnern für die bereits bestehenden Anlagen schon längst gebühren würde. Dazu braucht es kein weiteres Großprojekt!“

  • Der Zoggler Stausee: Das Becken musste wegen einem Leck ausgepumpt und soll heuer im Frühling wieder gefüllt werden. Foto: SALTO
  • Wie geht es weiter?

    Die Energiewende wird Entscheidungen erfordern. Rieper betont den Nutzen der Technologie: Pumpspeicher sind eine sichere, natürliche Möglichkeit, um Energie zu speichern sowie die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit im Land zu stärken. Wie zuvor dargelegt, müsse dieser Weg in Zukunft in einem fairen gesellschaftlichen Dialog beschritten werden. 

    Doch der Dialog scheint noch zu stocken. Innerhalb 2026 soll eine Volksbefragung der Bewohnerinnen und Bewohner stattfinden, um zu erheben, ob die Talbewohnerschaft dem Projekt des Baus eines neuen Pumpspeicherwerks zustimmt. Nach mehreren Verschiebungen ist der Zeitpunkt der Befragung bis dato unklar, zu viele Fragen seien noch offen, damit eine Abstimmung erfolgen könne. SALTO hat darüber berichtet.