Società | Handyverzicht

Zurück in die Realität

Ein Gymnasium im Offline-Modus: 91 Teilnehmer wagten den Handyverzicht. Auf SALTO berichteten sie von neuer Zeit fürs Lesen, Kochen und echte Begegnungen. [Video]
Handyverzicht Zurück zur Realität Sowi Brixen
Foto: Mauro Podini
  • Wie verändert sich der Alltag, wenn das allgegenwärtige Smartphone plötzlich aus der Hosentasche verschwindet? Dieser radikalen Frage stellten sich insgesamt 91 Teilnehmer des SOWI Brixen. Das Experiment „beyond screens“ war dabei keine reine Schüler-Angelegenheit: Neben den Jugendlichen wagten auch einige Lehrpersonen, Eltern und sogar der Schuldirektor den konsequenten Selbstversuch, um die Erfahrung unmittelbar mit der Schulgemeinschaft zu teilen. Angeführt wurde das Projekt von Professorin Bettina Delueg, die gemeinsam mit den anderen Teilnehmern den digitalen Fastenmonat bestritt. Während der Projektphase gewährten uns die Jugendlichen zudem exklusive Einblicke in ihr neues, analoges Leben: In persönlichen Artikeln hier auf SALTO schilderten sie ihre ersten Eindrücke, die ungewohnte Ruhe und die Herausforderung, plötzlich wieder „unerreichbar“ zu sein.

  • Das Sozialwissenschaftliche Gymnasium in Brixen war 23 Tage lang im Offline-Modus.
    (c) Mauro Podini, SALTO

  • Wissenschaftliche Begleitung

    Das Projekt wird auch wissenschaftlich begleitet: Hannah Sulzenbacher, Absolventin des SOWI Brixen und heutige Medienwissenschafts-Studentin an der Universität Klagenfurt, nutzt das Experiment als Fallbeispiel für ihre Forschung. Im Rahmen des Seminars „Wie werden wir zu mündigen UserInnen?“ analysiert sie den Handyverzicht anhand theoretischer Positionen von Denkern wie Michel Foucault, Jürgen Habermas und Byung-Chul Han. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der „Selbstfürsorge im digitalen Raum“. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden voraussichtlich bei einer Podiumsdiskussion im Mai vorgestellt.

  • Doch der Verzicht war weit mehr als nur ein Schreibprojekt. Ohne den ständigen Griff zum Display öffneten sich Räume für Dinge, die im digitalen Rauschen oft untergehen: Die Teilnehmer entdeckten das Lesen und Basteln wieder, verbrachten intensive Zeit mit Freunden und Familie, trieben Sport, machten Musik oder standen gemeinsam am Herd. Dabei war die „Funkstille“ keineswegs für alle ein Spaziergang. Viele hatten schwer an der Umstellung und dem sozialen Druck der Nichterreichbarkeit zu knabbern; einige brachen das Experiment vorzeitig ab. Umso beachtlicher ist die Bilanz am Ende: Stolze 80 Teilnehmer bewiesen enorme Disziplin und hielten die gesamte Zeit ohne Smartphone durch.

    Beim abschließenden Treffen der Gruppe waren die Erleichterung, aber auch der Stolz über das Erreichte spürbar. Salto hat die Schüler, Eltern und Lehrpersonen mit der Kamera begleitet, um einzufangen, was diese Zeit bei den Beteiligten bewirkt hat.