Kultur | Tirol
Tiroler Sprachenwirrwarr
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Foto: Mg
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Bei ins redet ma nit, wia ma’s in da Schual glernt hot, sondern wia’s g’wachsn isch. Dr Dialekt kimmt aus’m Tal, aus’m Höf und aus’m longn Winter, wo ma mehr mit’n Nochbarn gred hot als mit da Welt. Wörtr sein kurz, oft abghackt, und vü Laute verschluckt ma, weil eh olle wissn, wos gmoant isch. Für Leit von außen klingt des oft hart oder wirr, oba für ins isch’s kloar und genau. Dr Dialekt sogt, wer ma isch, wo ma herkimmt und wos ma erlebt hot. A Sidtiroler muass si nit verbiegen, um verstanden zu wern – er redet, wia er isch. Und wenn oaner nit olls versteht, donn isch des koan Fehler, sondern a Zeichen, dass Sprach´ mehr isch als nua Wörter - Sprach´ isch Hoamat.
Es lebe der Ahrntaler…
Es lebe der Ahrntaler Dialekt, hoch soll er leben!
Da ist was Wahres dran. Und…
Da ist was Wahres dran. Und es ist wirklich nicht so wichtig, ob andere den Dialekt verstehen. Müssen sie nicht.
Wichtig ist aber, dass es abseits des Dialekts eine Hochsprache gibt, und die sollten auch die Dialektsprecher erlernen. Damit sie von Auswärtigen verstanden werden.
Übrigens rührt auch der „disagio“ der italienischsprachigen Südtiroler beispielsweise daher, dass der Dialekt eine sprachliche Barriere für sie darstellt.
Ich kann auch den Hype nicht verstehen, dass lokale Radiosender immer wieder dialektale Ausdrücke verwenden oder die Redakteure sprachlich eine dialektale Färbung aufweisen sollten. Und Radiowerbungen nur in Dialekt sind nicht nur ärgerlich, sondern auch unprofessionell.
Ein Blick in die Geschichte…
Ein Blick in die Geschichte kann nicht schaden. In Südtirol hat es unter Österreich, so wie in der gesamten Monarchie, eine meist auf die Städte konzentrierte Bildungsbürgerschicht gegeben, die in Standarddeutsch (mit sympathischen österreichischen Akz3nt) kommuniziert hat. De Landbevölkerung hat in ihrem jeweiligen, von Tal zu Tal oft vollkommen verschiedenen Dialekt kommuniziert, was auch sinnvoll war, weil die jeweiligen Dialekte auch spezielle Geräte und Arbeitsweisen benennen konnten, die es in de Standardsprache nicht gab. Der Faschismus hat nicht nur das Bildungswesen in Südtirol um 100 Jahre zurückgeworfen, sondern auch die deutsche Sprache im öffentlichen Raum vollkommen verboten. Die Folge war ein Rückzug der deutschen Sprache in Form der Dialekte in die verschiedenen Täler. Dabei ist es bis heute weitgehend geblieben. Wenn sich die italienischen Nationalisten heute darüber beklagen, dass sie unseren Dialekt nicht verstehen, dann müssen sie sich an die eigene Brust klopfen. Sie haben die deutsche Standardsprache mit Gewalt und leider auch mit Erfolg aus Südtirol vertrieben.