Mediterrane Knospe mit Charakter
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Die Artischocke wirkt zunächst abweisend. Doch unter harten Hüllblättern und spitzen Enden liegt ein zarter, unreifer Blütenstand mit ausgeprägter Bitternote und nussigen Nuancen.
Gedünstet, geschmort oder roh verarbeitet zeigt sie ein eigenständiges Aromaprofil. Gerade diese Bitterkeit macht sie interessant. Sie braucht Fett, Salz und eine feine Säure als Gegenspieler.
Eine aktuelle Basf-Verbraucherbefragung in Italien zeigt: 21 Prozent wissen nicht, wie sie frische Artischocken zubereiten sollen. Dabei ist die Technik überschaubar, wenn du die Struktur des Gemüses verstehst.
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Warum Artischocken so beliebt sind
Im Winter dominieren Kohlsorten wie Grünkohl, Rotkohl, Rosenkohl und Wirsing – meist weich gekocht und süßlich. Die Artischocke setzt einen Kontrast: Ihre Bitternote und der leicht nussige Geschmack harmonieren besonders gut mit Olivenöl, Pasta oder geschmortem Fleisch. Sie gibt deinen Gerichten Tiefe und bringt mediterrane Noten auf den Teller. Gedünstet, gegrillt oder langsam im Ofen gegart bleibt sie strukturiert und klar im Aroma. Ob als Vorspeise, Beilage oder Mittelpunkt eines einfachen Gerichts – sie ist vielseitig einsetzbar.
Reich an Ballaststoffen, Antioxidantien und Vitamin C gilt sie als nährstoffreich. Zudem ist sie agronomisch interessant: Die mehrjährige Pflanze gedeiht selbst in trockenen Regionen und spart so wertvolle Ressourcen – ein Plus für eine ressourcenschonende Landwirtschaft. Ein Gemüse, das Geschmack, Nährwert und Anbauweise verbindet.
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Herkunft und historische Spuren
Die moderne Kulturtischocke (Cynara scolymus) geht auf eine Wildform zurück, die im Mittelmeerraum heimisch ist. Archäologische Funde deuten auf Kultivierung bereits im alten Ägypten hin. In Frankreich ist die Artischocke seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert; Caterina de' Medici soll sie um 1533 aus Italien an den französischen Hof gebracht haben, wo sie als Delikatesse galt. Bartolomeo Scappi beschreibt sie 1570 in seinem Kochbuch Opera als edles Gemüse für vornehme Tafeln. Bis heute bleibt sie in der mediterranen Küche tief verwurzelt, mit EU-geschützten Ursprungsbezeichnungen wie „Carciofo Spinoso di Sardegna“ (Sardinien) und „Alcachofa de Benicarló“ (Spanien), die im EU-Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.g.A.) eingetragen sind.
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Qualität erkennen und auswählen
Beim Einkauf zählt der erste Eindruck. Achte auf geschlossene, feste Hüllblätter und frische, unverfärbte Schnittstellen. Der Kopf sollte kompakt wirken und sich schwer anfühlen.
Drückst du die Blätter leicht zusammen und sie knacken trocken, ist die Artischocke frisch. Weit geöffnete oder weiche Blätter deuten auf längere Lagerung hin. Auch der Stiel darf nicht ausgetrocknet sein.
Für „Carciofo Spinoso di Sardegna DOP“ gilt ein festgelegtes Erntefenster von September bis Mai. Das erklärt, warum du gerade im Winter verlässlich gute Ware findest.
Es gibt stachelige und stachellose Sortengruppen. Die „spinosi“ erkennst du an ausgeprägten Spitzen, „inermi“ sind glatter und runder.
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Botanische Einordnung und Sortenvielfalt der Artischocke
Wer eine Artischocke betrachtet, hält einen unreifen Blütenstand in der Hand – ein Naturprodukt. Ihr zentrales „Heu“, bestehend aus jungen Blütenanlagen, wird entfernt, sobald es faserig wird. Heute existieren über 90 Kulturformen, darunter besonders geschützte italienische Varietäten wie DOP- und IGP-Sorten. Züchter arbeiten an drei Schlüsselaspekten: längere Erntefenster, höhere Widerstandskraft gegen Schädlinge und gleichmäßige Knospenqualität.
Im Anbau wird zwischen zwei Haupttypen unterschieden:
• Stachelige Sorten wie der Spinoso sardo (typisch für Sardinien) oder der Violetto (mit lila Schattierung und intensivem Aroma).
• Stachellose Varianten wie der Romanesco, dessen glatter, runder Kopf ihn handhabungsfreundlich macht – perfekt für schnelle Gerichte. -
Klassische und regionale Zubereitungen
Ganze Artischocken gelingen unkompliziert. In Neapel nennt man die gekochte, Blatt für Blatt in Olivenöl getunkte Variante „scaurata“. Roh, fein gehobelt mit Zitrone, Olivenöl und Hartkäse, wirkt sie klar und frisch.
In der römisch-jüdischen Küche wird sie ausgebacken, bis sie sich fächerförmig öffnet und knusprig bräunt. Aus Rom stammt auch „al mattone“: mit Knoblauch und Mentuccia gefüllt, in der Pfanne beschwert gegart, zuletzt unter starker Hitze vollendet.
Bereits Pellegrino Artusi beschrieb im 19. Jahrhundert die panierte Variante: mehlieren, durch Ei ziehen, in heißem Fett ausbacken.
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Klassische Artischocken-Zubereitungen – einfach erklärt
Vorbereitung (für alle Rezepte)
So bereitest du Artischocken richtig vor:- Äußere Blätter entfernen: Breche die harten, dunklen Blätter ab, bis nur noch die hellen, zarten übrig sind.
- Spitzen abschneiden: Kürze die stacheligen Spitzen der Blätter mit einer Schere oder einem Messer um etwa 1 cm.
- Stiel vorbereiten: Schneide den Stiel auf 2 cm Länge und schäle ihn – er ist essbar.
- „Heu“ entfernen: Halbieren und das faserige Innere („Heu“) mit einem Löffel vorsichtig aushöhlen.
- Vor Bräunung schützen: Sofort in Zitronenwasser (1 EL Zitronensaft auf 1 Liter Wasser) legen.
1. „Scaurata“ – Neapels einfache Köstlichkeit
Zutaten: 4 Artischocken, 1 Zitrone, 200 ml Olivenöl, Salz.
So geht’s:
- Artischocken wie oben vorbereiten.
- In einen Topf mit kochendem Salzwasser (1 TL Salz pro Liter) geben.
- 20–25 Minuten bei mittlerer Hitze kochen, bis sich die Blätter leicht lösen lassen.
- Abgießen und abtropfen lassen.
- Blatt für Blatt abziehen und das fleischige Ende in eine Schale mit Olivenöl und etwas Zitronensaft tauchen.
Tipp: Das Herz separat servieren – es ist der leckerste Teil!
2. Frittiert – Knusprige Blüte
Zutaten: 4 Artischocken, 1 Zitrone, 500 ml Oliven- oder Sonnenblumenöl, Salz.
So geht’s:
- Artischocken vorbereiten und in Zitronenwasser legen.
- Öl in einem hohen Topf auf 180°C erhitzen (Test: Ein Holzstäbchen sollte Blasen werfen).
- Artischocken mit den Blättern nach oben ins heiße Öl geben.
- 3–4 Minuten frittieren, bis die Blätter goldbraun sind und sich wie eine Blüte öffnen.
- Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit Meersalz bestreuen.
3. Paniert – Knusprig und goldbraun
Zutaten:: 4 Artischocken, 1 Zitrone, 100 g Mehl, 2 Eier, 100 g Paniermehl, 1 TL Zitronenschale, Olivenöl, Salz.
So geht’s:
- Artischocken vorbereiten und vierteln.
- Nacheinander in Mehl, verquirltem Ei und Paniermehl mit Zitronenschale wenden.
- In 180°C heißem Öl 2–3 Minuten goldbraun frittieren.
- Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit Salz würzen.
Tipp: Für eine leichtere Variante die panierten Artischocken im Ofen bei 200°C 15 Minuten backen (mit etwas Olivenöl beträufelt).
Bei mir wachsen Artischocken…
Bei mir wachsen Artischocken im Garten, obwohl Brixen nicht zum Mittelmeerraum zählt.
Antwort auf Bei mir wachsen Artischocken… von Hartmuth Staffler
In unserem Garten wachsen…
In unserem Garten wachsen Marillen, obwohl der Vinschgau nicht zu Asien zählt.
Es leben im Vinschgau sogar…
Es leben im Vinschgau sogar Yaks, warum sollte es dort keine Marillen geben?