Musica | Blues-Award

Südtiroler Blues für Memphis-Award

Hubert Dorigatti ist für den Blues Music Award nominiert. Ein Gespräch über ehrliche Klänge, seine Absage an KI-Perfektion und den Weg vom Pustertal nach Memphis.
Hubert Dorigatti Blues Award
Foto: Philip Oberhuber
  • Ein gebürtiger Brunecker schickt sich an, die Hall of Fame des Blues zu betreten. Hubert Dorigatti ist mit seinem aktuellen Album „Poor Boy“ für den Blues Music Award nominiert – den weltweit wichtigsten Preis des Genres. Am 7. Mai reist er zur Verleihung nach Memphis. 

     

    „Es ist eine große Ehre für mich.“

     

    Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Die Nominierung war für mich ein riesiges Überraschungsmoment“, gesteht Hubert Dorigatti. „Damit hatte ich niemals gerechnet, da Europäer dafür selten nominiert werden. Es ist eine große Ehre für mich.“ In der Kategorie „International Blues Album“ steht er nun neben Größen wie Brandon Isaak auf der Liste. Für den Musiker ist das Erreichen der Endrunde bereits ein Sieg „Die Erwartungen wurden bereits übertroffen. Alles, was jetzt noch kommt, ist mehr als sensationell.“

  • Die Nominierung war für mich ein riesiges Überraschungsmoment.: Foto: Hubert Dorigatti
  • Dorigattis Weg nach Memphis war keine gerade Linie. Geboren 1975 in Bruneck, legte er bereits mit 16 Jahren die Trompete beiseite und widmete sich ganz der Gitarre. Es folgte ein Jazzstudium an den Konservatorien von Wien und Trient, woraufhin er verschiedenste musikalische Stationen durchwanderte – von komplexen Jazz-Projekten bis hin zu rockigen Produktionen wie den „Nashville Sessions“. Heute lebt der Vater von drei Kindern mit seiner Partnerin und seinem Sohn Max in St. Vigil in Enneberg. Doch trotz der idyllischen Bergkulisse blieb der Blues stets sein treuester Weggefährte.

     

    „Mir geht es um das Menschliche, um das Herz. Ich wollte nichts schön tunen oder verbessern.“

     

    Mit „Poor Boy“ vollzieht er nun eine bewusste Kehrtwende zu seinen musikalischen Wurzeln - zurück zu Ungefiltertem, wenn man so will. „Ich wollte tatsächlich zur ursprünglichen Idee des Blues zurückkehren: ehrliche und natürliche Klänge, weg von der Perfektion“, erklärt der Musiker. Dieser Purismus ist auch eine Antwort auf die technologische Entwicklung unserer Zeit. „Schließlich kann die KI-Perfektion mittlerweile problemlos erreichen“, so Dorigatti. „Mir geht es um das Menschliche, um das Herz. Ich wollte nichts schön tunen oder verbessern.“ Er habe bewusst auf „Geplänkel“ verzichtet, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren – „from the heart“. Dass viele Songs lediglich mit Gitarre und Blues-Harp auskommen, ist Programm: Der Verzicht auf komplexe Arrangements lässt den authentischen Ausdruck stärker zur Geltung kommen.

  • Hubert Dorigatti und Charlie Musselwhite - Poor boy

  • Dass Dorigatti seinen Stil gefunden hat, belegte bereits der Gewinn der IBC Blues Challenge im Jahr 2017 als bester italienischer Bluesmusiker. Auf seinem neuen Album vereint er nun sieben der weltweit besten Mundharmonika-Spieler. Die Organisation beschreibt er als überraschend „relaxed“: „Studio-Termin ausmachen und schon ging’s los. Mit den Künstlern aus den USA lief das remote – ich habe ihnen die Files geschickt und sie haben dazu gespielt.“ Besonders die Kooperation mit der Legende Charlie Musselwhite sticht heraus, der im Titelsong nicht nur spielt, sondern auch stimmlich zu hören ist. „Charlie hat überhaupt keine Starallüren“, so Dorigatti. Der Kontakt ist geblieben, man schreibt sich regelmäßig E-Mails. Bei der Gala in Memphis am 7. Mai könnte es sogar zum gemeinsamen Auftritt kommen, worauf sich der Südtiroler besonders freut.

  • Zur Person

    Hubert Dorigatti, Jahrgang 1975, stammt aus Bruneck und legte nach seinem Jazzstudium an den Konservatorien in Wien und Trient den Grundstein für seine internationale Karriere. Heute lebt der Musiker mit seiner Partnerin und seinem Sohn Max in St. Vigil in Enneberg. Seinen Status als einer der profiliertesten Blues-Künstler festigte er 2017 mit dem Gewinn der renommierten IBC Blues Challenge als bester Bluesmusiker Italiens. Ein aktueller Meilenstein ist die Nominierung für den Blues Music Award 2026 in der Kategorie „International Blues Album“. 

    Mountain Blues - Hubert Dorigatti

  • Wer den Musiker im Rennen um den Blues Music Award unterstützen möchte, kann auf www.blues.org für ihn voten „Ich würde mich sehr freuen, wenn einige für mich stimmen! Einfach Mitglied werden und abstimmen.“ Das Ticket nach Memphis ist gebucht und Hubert Dorigatti ist der lebende Beweis dafür, dass die Berge ein mindestens genauso gutes Zuhause für den Blues abgeben wie das Mississippi-Delta.