Società | Universitätsrat

Das universitäre Rückgrat

Brain Drain, Fachkräftemangel und zu wenig Studierendenunterkünfte: Die Universität Bozen steht vor großen Herausforderungen. Nun liegt es am neuen Universitätsrat und dessen Präsidenten Federico Giudiceandrea, die Probleme anzugehen.
Neuer Universitätsrat
Foto: unibz
  • „Ein starker Universitätsrat ist für alle Entscheidungsträger an der unibz das Rückgrat, um Veränderung zu ermöglichen“, so Alex Weissensteiner, Rektor der Universität Bozen, nach der konstituierenden Sitzung des neuen Universitätsrats. Die Universität lebe in einer Zeit der Veränderung und deswegen stelle sich nicht die Frage, ob die Universität sich anpassen muss, sondern wie und wann, meint Weissensteiner.

  • Der neue Uniratspräsident

    Dem neuen Gremium obliegt es nun, die Uni Bozen auch in bewegter See verantwortungsvoll auf Kurs zu halten. Zum metaphorischen Kapitän des Universitätsschiffes wurde der Unternehmer Federico Giudiceandrea in der heutigen ersten Sitzung des Gremiums gewählt. Für die kommenden vier Jahre wird er als Präsident dem Universitätsrat vorsitzen. 

    Als seine vorrangigen Ziele bezeichnet Giudiceandrea „die weitere Stärkung der wissenschaftlichen Exzellenz, die Förderung junger Forschender, die Intensivierung des Dialogs mit Wirtschaft und Kultur sowie die Aufwertung unseres mehrsprachigen und interkulturellen Profils“. Eine weitere zentrale Baustelle für Federico Giudiceandrea ist die lebensbegleitende Bildung. Wie auch anderswo stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Fachkräfte kontinuierlich weiterzubilden – etwa im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Universität Bozen könne dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

  • In neuer Funktion: Der Brixner Unternehmer Federico Giudiceandrea, Gründer und Präsident von Microtec, steht nun dem Universitätsrat der Universität Bozen vor. Foto: unibz
  • Als „Rückenschluss zwischen Wissenschaft, Ökonomie und Industrie“ bezeichnete Uni-Rektor Weissensteiner die neue Besetzung des Universitätsgremiums. Auch Federico Giudiceandrea hebt seine guten Wirtschaftskontakte als besonders vorteilhaft für seine neue Funktion hervor: Bereits als Präsident des Unternehmerverbandes habe er die Entwicklung des NOI Techparks unterstützt, um die Südtiroler Industrie zu stärken. „Es gibt schon heute sehr viele Kooperationen mit den lokalen Unternehmen, was auch dem Brain Drain entgegenwirken soll. Dass ich jetzt als Unirats-Präsident nominiert wurde, ist ein Zeichen dafür, dass man weiter in diese Richtung arbeiten möchte“, meint Giudiceandrea. „Die Fakultäten der Universität Bozen sind alle angewandte Forschungsfelder: Die Schwerpunkte liegen auf Wirtschaft, Ausbildung und Landwirtschaft. Wir sollten uns auch weiterhin darauf fokussieren, denn ich glaube, dass eine Universität hohen wissenschaftlichen Anspruch, Innovationskraft und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden sollte“, schließt der neue Präsident des Universitätsrats.

  • Was ist der Universitätsrat?

    Der Universitätsrat der Freien Universität Bozen setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen, die für eine Amtszeit von vier Jahren bestellt werden. Dem Gremium gehören der Rektor sowie vier von der Autonomen Provinz Bozen ernannte Mitglieder aus Wissenschaft, Kultur, Technik, Wirtschaft, Gesundheits- und Sozialwesen oder aus dem öffentlichen Leben an. Hinzu kommen ein vom Akademischen Senat entsandtes Mitglied, eine Vertretung der Studierenden sowie der Generaldirektor der Universität mit beratender Stimme. Der Universitätsrat wählt aus seiner Mitte den Präsidenten oder die Präsidentin sowie den Vizepräsidenten oder die Vizepräsidentin (zwingend aus unterschiedlichen Sprachgruppen). Dem neu eingesetztes Gremium gehören Federico Giudiceandrea, Irene Cennamo, André Comploi, Karl Zeller, Elisa Bortolotti, Alex Weissensteiner, Giovanni Mastrobuoni und Günther Mathà an.

  • Zusätzliches Studierendenheim

    Bei der Problematik rund um den knappen studentischen Wohnraum greift der Universität Bozen die Landesregierung unter die Arme: Das Land wird laut Landeshauptmann Arno Komptascher ein neues Studierendenheim mit über 100 Plätzen am NOI Techpark finanzieren. Das Wohngebäude soll laut Generaldirekor Günther Mathà parallel zu den Umbauarbeiten für die zukünftigen Labors und die Fakultät für Agrarwissenschaften innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren entstehen. Apropos Politik: Der SVP-nahe Anwalt Karl Zeller ist ebenfalls neu im Universitätsrat und soll insbesondere in rechtlichen Fragen autonomiepolitischer Natur zur Seite stehen.

  • Wichtiges Anliegen: Auch Bildungslandesrat Philipp Achammer war bei der Pressekonferenz zugegen. Foto: SALTO
  • Dreisprachigkeit, Lehrerausbildung - und Quote?

    Neue Vizepräsidentin des Universitätsgremiums ist die Bildungswissenschaftlerin Irene Cennamo. Die gebürtige Boznerin forscht als habilitierte Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Klagenfurt. Cennamo hebt die Mehrsprachigkeit als große Parallele zwischen ihrer Wahlheimat Kärnten und Südtirol hervor: „Als mehrsprachige Universität in einem Grenzraum kommt der unibz eine besondere Brückenfunktion zwischen Kulturen, Disziplinen und gesellschaftlichen Bereichen zu. Diese Stärke gilt es weiter auszubauen und die Universität gemeinsam lösungsorientiert in die Zukunft zu führen“. 

    Auch Bildungslandesrat Philipp Achammer unterstreicht die Dreisprachigkeit der unibz als Alleinstellungsmerkmal. Ihm liegt insbesondere die Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen am Herzen. Beim Thema Lehrerausbildung sind sich politische und universitäre Vertreterinnen und Vertreter ohnehin einig: „Als dreisprachige Region ist es schwer, Lehrerinnen und Lehrer aus dem Ausland zu holen, weswegen die Ausbildung vor Ort von umso größerer Bedeutung ist“, sagt Giudiceandrea. Aus diesem Grund sei, laut Achammer, die Besetzung von Irene Cennamo ein positives Signal, da sie bereits auf viel Erfahrung im bildungswissenschaftlichen Bereich zurückgreifen könne.

  • Expertin für Bildungswissenschaft: Irene Cennamo ist die neue Vizepräsidentin des Universitätsrats der unibz. Sie ist Professorin an der Universität Klagenfurt. Foto: unibz
  • Was bei der Besetzung des Universitätsrats auffällt: Irene Cennamo ist eine von zwei Frauen im Gremium (studentische Vertreterin ist Elisa Bortolotti), die restlichen sechs Mitglieder sind allesamt männlich. „Natürlich braucht es sichtbare weibliche Vorbilder, aber ich glaube, die aktuelle Zusammensetzung des Universitätsrats passt, weil es eben auch um die Expertise geht, die wir alle mitbringen“, meint Cennamo. Sie unterstreicht die Bedeutung der Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, „man sollte aber auch umgekehrt denken: Es braucht mehr Männer etwa in den Bildungswissenschaften sowie in Pflege- und Sozialberufen. Frauen hingegen sollten verstärkt ermutigt werden, in männerdominierten Bereichen, wie zum Beispiel den sogenannten MINT-Fächern, zu studieren“, sagt Cennamo.  

    Ein bisschen männlicher wird der Universitätsrat aber in jedem Fall, denn der neue Präsident Federico Giudiceandrea ist Nachfolger von Ulrike Tappeiner. Tappeiner ist Professorin am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck, leitet das Institut für Alpine Umwelt an der Eurac und war seit 2018 Präsidentin der unibz.