Musik | Alpine World Music

„Di erschtn 35 Johr sein umma“

35 Jahre Titlá: Südtirols bekannteste Folkgruppe feiert ihr großes Jubiläum. Ein Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte, die im Pustertaler Dialekt begann.
Titla, 35 Jahr-Jubliläum
Foto: Gottfried Kühebacher
  • Es ist ein Fixpunkt im Südtiroler Kulturkalender: Heute, am 16. März 2026, zelebrieren Titlá ihr 35-jähriges Bestehen im Rahmen des World-Music-Festivals in der Bozner Carambolage. Seit über dreieinhalb Jahrzehnten prägt das Quintett eine Klangästhetik, die weit über das Etikett der „Volksmusik“ hinausreicht. Die Geburtsstunde von Titlá war so unprätentiös wie ihr Sound: Ein einfaches „Titlá!“ (Nur zu!), zugerufen in einer Gaststube, wurde zum Namen einer Band, die heute als Aushängeschild unkonventioneller Folkmusik gilt. Peter Riffeser, Hermann Kühebacher, Toni Taschler, Eduardo Rolandelli und Peter Paul Hofmann haben über die Jahrzehnte ein Klangbild kultiviert, in dem irische und keltische Einflüsse sowie jiddische Skalen organisch mit der alpinen Tradition verschmelzen.

     

    „Sehr wichtig. Diese Gegensätze gehören bei uns einfach dazu“.

     

    Was die Kompositionen von Titlá auszeichnet, ist ihre dynamische Bandbreite. Die Stücke bewegen sich oft zwischen einer fast ruppigen, archaischen Kraft und Momenten von zerbrechlicher Intimität. Für Peter Paul Hofmann ist genau diese Spannung das Fundament der künstlerischen Integrität „Sehr wichtig. Diese Gegensätze gehören bei uns einfach dazu“, betont er. Ein Konzert lebe von der Energie, aber eben auch von den leisen Tönen. Erst diese „Mischung macht das Musikerleben wirklich lebendig“.

  • Titlá: Preparem d´un letto caldo.
    (c) Titlá

  • Hofmann, dessen Spiel auf dem Kontrabass, dem Schlagwerk und der Steirischen Harmonika die klangliche Spannweite der Band maßgeblich mitbestimmt, beschreibt das rhythmische Gefüge als einen hochsensiblen Prozess. „Der Kontrabass gibt meistens die Basis, das Schlagwerk bringt Bewegung hinein. Die Steirische Harmonika verbindet dann Rhythmus und Melodie“, erklärt er die Rollenverteilung. Dabei gehe es weniger um starre Arrangements als um ein permanentes Reagieren „Vieles entsteht im Zusammenspiel – wir hören aufeinander und schauen, was das Stück gerade braucht.“ Das eigentliche Herzstück des Sounds liegt jedoch in der ungewöhnlichen Orchestrierung. Es ist das dichte Geflecht aus Dudelsack, Mandoline, Tuba, Whistle, Akkordeon, Gitarre und Schwegel, das im Zusammenspiel mit den im Pustertaler Dialekt gesungenen Texten eine ganz eigene klangliche Identität schafft.

  • Peter Paul Hofmann, Eduardo Rolandelli, Peter Rifesser, Hermann Kühebacher, Toni Taschler: Foto: Georg Taschler
  • Trotz der experimentellen Offenheit bewahren Titlá eine tiefe Verbindung zu ihren Wurzeln. Hofmann sieht im Wissen um die Tradition die notwendige Basis für jede Form der Innovation „Ich glaube, man muss die Tradition zuerst einmal kennen. Wenn man weiß, woher die Musik kommt, kann man auch freier damit umgehen.“ Für die Band bleibt dabei ein Leitsatz zentral „Wichtig ist nur, dass die Wurzeln noch spürbar bleiben.“ Wenn heute Abend in der Carambolage die ersten Takte erklingen, wird deutlich, dass Titlá die Kunst beherrschen, musikalisches Erbe nicht zu konservieren, sondern es im Hier und Jetzt pulsieren zu lassen. Die ersten 35 Jahre sind vorbei – die musikalische Reise geht weiter.

  • Über Titlá

    Seit über 35 Jahren stehen Hermann Kühebacher, Eduardo Rolandelli, Peter Riffeser, Toni Taschler und Peter Paul Hofmann für eine kompromisslose Erneuerung der Volksmusik. Ihr Instrumentarium reicht von der Tuba bis zum Dudelsack und ermöglicht ein breites Spektrum zwischen alpinem Erbe und internationalem Folk. Mit wegweisenden Alben wie „Zin ungiwejn“ (1998), „Stur und tamisch“ (2001) oder „Paschtaschutta“ (2013) haben sie die Südtiroler Musiklandschaft nachhaltig geprägt. Ihr Schaffen ist ein Plädoyer für den Erhalt des dialektalen Kulturguts in einem modernen, weltoffenen Kontext. Weitere Informationen

    Das Konzert in der Carambolage ist leider ausverkauft.