Gesellschaft | Heimreise

„Hoffnung gibt es immer“

Ein Gespräch mit dem international tätigen Designer und Professor an der Universität Bozen, Nitzan Cohen, über sein Herkunftsland Israel und seinen Blick darauf.
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Foto: Andy Odierno
  • Nitzan Cohen, geboren 1973, wuchs in einem Kibbutz auf. Vor wenigen Wochen hat er den Ort seiner Kindheit wieder aufgesucht. Im Gespräch mit SALTO beschreibt er Israel als ein Land permanenter Intensität, in dem Konflikte über Jahrzehnte zum Alltag gehören. Kritisch äußert er sich zur aktuellen politischen Situation: Die Rechtsstaatlichkeit werde systematisch ausgehöhlt, demokratische Institutionen geschwächt und Kritik zunehmend kriminalisiert. 

    Die Regierung unter Benjamin Netanjahu stehe für Korruption, Machtmissbrauch und eine aggressive „Justizreform“, gegen die vor dem Krieg massive Proteste stattgefunden hätten. Der Krieg habe diese Entwicklung nur kurz unterbrochen, inzwischen setze sie sich beschleunigt fort. Das Land sei extrem polarisiert, Dialog kaum mehr möglich.

  • Nitzan Cohen im Gespräch mit SALTO: „Entmenschlichung ist gefährlich und historisch gut bekannt.“

  • Cohen kritisiert außerdem scharf das Schwarz-Weiß-Denken im internationalen Diskurs, das Menschen dazu zwinge, „für“ oder „gegen“ eine Seite zu sein. Diese Entmenschlichung sei gefährlich und historisch gut bekannt. Cohen bekennt sich klar zu Freiheit und Frieden für Palästina, lehnt jedoch jede Rechtfertigung von Mord, Terror oder systemischer Gewalt ab. Hoffnung sieht er dennoch: Geschichte zeige, dass autoritäre Entwicklungen nicht dauerhaft seien – vorausgesetzt, Gesellschaften bleiben wachsam, aktiv und lassen sich nicht instrumentalisieren.

    Am Ende kommt Nitzan Cohen auf den bedeutenden Pädagogen Janusz Korczak zu sprechen, der 1942 im Vernichtungslager Treblinka verstarb. Für Korczak waren Fragen stets wesentlicher als Antworten.