Vipern, Camper und zwei Tunnel
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Die Hornviper wird noch größere Probleme bekommen als einen Streit um ihr Biotop. Dabei geht es um Dinge, die in den Berg kommen, und vor allem aus ihm heraus.
Denn zwei Tunnel bewegen das Dorf. Der eine, jener der Umfahrungsstraße, wurde Mitte Dezember durchbrochen, in dieser Angelegenheit ist Erleichterung für die verkehrsgeplagten Branzoller absehbar. Der viel größere Tunnel aber wirft seine Schatten voraus: der Brennerbasistunnel.
Die Zulaufstrecke Süd soll in Branzoll ein Portal bekommen. Südlich des Dorfes, auf Höhe der Firma Atzwanger. Offizielles Projekt gibt es noch keines. Eine für den November angesetzte Informationsveranstaltung zum BBT wurde abgesagt, sie soll im neuen Jahr nachgeholt werden. Doch selbst wenn es keine Details gibt, die Baustelle wird gigantisch und wird das Dorf auf Jahre prägen. Unter der Hand machen jedenfalls schon allerlei Pläne die Runde, einige scheinen besser zu wissen, welche Häuser und Kulturgründe weichen müssen, als andere.
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Rückschau und Ausblick
Doch erst mal zur Bürgerversammlung in Branzoll, die kurz vor Weihnachten stattgefunden hat. Bürgermeisterin Giorgia Mongillo (Democratici sul Territorio Bronzolo – Branzoll) und Vize Margot Pizzini (SVP) blickten auf 2025 zurück, das nicht nur von den Bauarbeiten für die Untertunnelung des Dorfes geprägt war. Es ging auch um das Gemeindeentwicklungsprogramm, die Arbeiten der Wildbachverbauung und den Pedibus. Die Gemeinde hat das alte Zollhaus am Etschhafen gekauft und will ein Flößermuseum daraus machen. In der Vorausschau auf das neue Jahr ging es um das neue Tenniszentrum und die neue Zufahrt zum Friedhof. Die Arbeiten am Kindergarten haben begonnen, die Ausschreibung der neuen Kindertagesstätte läuft. Die heutige Staatsstraße wird zukünftig Gemeindestraße, ein Mobilitätskonzept muss ausgearbeitet werden.
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Der Elefant im Raum
Als der offizielle Teil der Versammlung endet, beginnt der interessante. Denn nicht allen genügte die schöne Präsentation.
Also zurück zum BBT, über den es sich aber schwer redet, wenn man nichts handfestes in Händen hält. Bürgermeisterin Mongillo versicherte, man sei an der Sache dran und es werde Ausgleichsmaßnahmen geben: „Und wir bekommen einen Techniker, der uns in dieser Sache berät und begleitet.“ Allerdings wird dieser Techniker von der Beobachtungsstelle für den BBT finanziert, weil sich in der Gemeinde niemand für diese Aufgabe fand – wie sehr wird er dann auf der Seite der Gemeinde stehen? Einer der Anwesenden warnt schon mal vor der Gefahr für Grundwasser und die Luft, werde doch der meist wehende Südwind den Porphyrstaub direkt in den Ort blasen.
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Der Hornviper ihr Biotop
Heimatpflegerin Bruna Corteletti erinnert an einige andere Konfliktpunkte. Der Landschaftsplan wurde 2024 überarbeitet und sollte im Dezember 2024 vom Gemeinderat genehmigt werden. Auf Antrag von zwei Mitgliedern der Mehrheit wurde der Punkt vertagt, um die Frage des Biotops der Hornviper zu klären. „Am 8. Juli 2025 hat die Landesregierung dann den Landschaftsplan genehmigt und das Biotop gestrichen!“, sagt Heimatpflegerin Corteletti. Der Gemeinderat habe den Landschaftsplan nie genehmigt und stattdessen die Verantwortung – gewollt oder nicht – dem Land übertragen. Bürgermeisterin Mongillo entgegnete, das Land habe wie vorgesehen entschieden, die Gemeinde werde ja nur angehört. Sie versichert, das Biotop für die Hornviper, die an den Porphyrhängen oberhalb des Dorfes lebt, sei nicht angetastet worden.
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Der Camperparkplatz
Am heißesten aber wird über den geplanten Camperparkplatz diskutiert. Schon mehrmals hat das Projekt das Dorf bewegt, und noch immer schwelt das Thema. Nachdem der einstige Antragsteller nicht mehr Teil des Gemeindeausschusses ist, wird es neu eingebracht.
Die Bürgermeisterin sagt, die Gemeindekommission für Raum und Landschaft habe einen Fehler korrigiert und ein positives Gutachten zum Camperparkplatz gegeben – was aber noch nicht heiße, dass der auch gebaut werde. „Es besteht Ensembleschutz und es müsste eine Umwidmung der Parzelle gemacht werden“, sagt Mongillo. „Die Kommission sagt, man kann. Aber es gibt kein Projekt.“ Der Gemeindeausschuss entscheide, ob es ein öffentliches Interesse daran gebe und ob das Projekt weiterverfolgt werden solle. „Wenn ja, beginnt das Verwaltungsverfahren, dann werden Anmerkungen gesammelt und am Ende entscheidet der Gemeinderat.“ Auf jeden Fall werde es kein Campingplatz, sondern ein Camperparkplatz mit einer Standzeit von maximal 72 Stunden, also drei Tagen
Wie geht es weiter?Das beruhigt aber nicht alle der gut 40 Anwesenden („wenn der Amtsweg mal beginnt, wissen wir ja, wie es ausgeht“), also wurde noch eine Weile über den Camperparkplatz im historischen Dorfzentrum debattiert, über das Ortsbild und den entstehenden Verkehr. „Jetzt werden wir endlich die Staatsstraße los, die mitten durch Branzoll führt, und jetzt holen wir uns neuen Verkehr ins Dorf?“, fragt einer der Anwesenden. Denn etwas nördlich vom geplanten Camperparkplatz zweigt die Aldeinerstraße von der dann ehemaligen Staatsstraße ab, die zu den Tennisplätzen führt. Die sollen erweitert werden, aber nur von fünf auf sechs Plätze, wie die Bürgermeisterin versichert. Auf jeden Fall ist der Verkehr der Tennisspieler und Camper wohl nicht mit den Auto- und LKW-Kolonnen vergleichbar, die sich heute durch den Ort schlängeln. Trotzdem sprach einer der Anwesenden nicht nur im Scherz von Bronxolo, meinte damit aber mehr ein paar Halbstarke mit ihren Motorrädern.
Wie lange hält der Weihnachtsfriede?Irgendwann kehrt aber auch in Branzoll Ruhe ein und so entließ Bürgermeisterin Giorgia Mongillo die Anwesenden mit einem „bis zum nächstes Jahr“ in die kalte Nacht. Wir werden sehen, wie lange der Weihnachtsfrieden vorhält, wenn der Brennerbasistunnel wieder seinen Kopf durch die Branzoller Rathaustür steckt.
Und die Motorradgang posierte auch nur eine Kreuzung weiter auf ihren Maschinen.
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