Wenn Zölle zur Falle werden

-
Trump hat Maßnahmen zur Senkung der Steuern, zur Erhöhung der Zölle auf Importe sowie zur Reduzierung sozialer Leistungen angekündigt. Die Annahme, dass die Gesamtbilanz dieses Plans positiv für die Wirtschaft sein wird, erscheint jedoch zweifelhaft.
Es ist zu erwarten, dass die ersten beiden Maßnahmen für die Bürger mit direkten und indirekten Kosten verbunden sein werden, welche die steuerlichen Entlastungen übersteigen.Während die Verluste für die Familien meist Gewinne für Unternehmen und die Finanzwelt darstellen, könnten einige Nachteile auch die Wirtschaft treffen, wenn auch in unterschiedlichem Maße.
Die Meinung zahlreicher Ökonomen besagt, dass Zölle der Wirtschaft schaden, da sie den effizienten Einsatz nationaler Ressourcen behindern. Aus rein wirtschaftlicher Perspektive ist es ratsam, dass jedes Land seine Ressourcen dort einsetzt, wo es am effizientesten ist, und den Rest importiert.
Langfristig sind die Vorteile des Handels zwischen Ländern, angefangen beim Technologietransfer bis hin zur Spezialisierung, evident.
Die Einführung von Zöllen und anderen Importbeschränkungen ist lediglich dann zu rechtfertigen, wenn aufstrebende Länder ihre Industrien schützen wollen, bis sie mit dem internationalen Wettbewerb mithalten können, oder für strategisch wichtige Sektoren auf nationaler Ebene.
Dies gilt ebenfalls als Maßnahme zur Gegenwehr gegen staatliche Beihilfen sowie Lohndumping in Ländern, die Güter exportieren. Diese Argumentation lässt sich sicherlich auf die Handelsbeziehungen mit China anwenden.Seit der Pandemie des Corona-Virus sind jedoch vermehrt Bestrebungen zu beobachten, zu einer protektionistischen Politik zurückzukehren. Die Hauptmotivation für den neu aufflackernden Protektionismus ist in der Regel das Handelsbilanzdefizit. Selbstverständlich ist es im Interesse jedes Landes, langfristig ein Gleichgewicht in seiner Außenwirtschaftsbilanz zu erreichen.
Dies sollte durch ein ausgewogenes Verhältnis von Überschüssen gegenüber einigen Ländern und Defiziten gegenüber anderen erreicht werden. Die Forderung, die einzelnen bilateralen Salden auszugleichen, würde jedoch in der Konsequenz eine autarke Wirtschaftsordnung und eine allgemeine Verarmung zur Folge haben, würde sie von allen Ländern angewandt werden.
Des Weiteren ist zu konstatieren, dass Handelskriege mitunter auch zu militärischen Konflikten geführt haben. Gerade, um derartige Risiken zu vermeiden, wurden Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO) gegründet.
Deren Ziel ist die Förderung und verbindliche Etablierung zwischenstaatlicher und multilateraler Abkommen zwischen den verschiedenen Ländern. Des Weiteren sollte sie bei Streitigkeiten als Vermittlerin auftreten.Selbst eine einseitige Erhebung von Zöllen durch die USA auf Importe und das Ausbleiben einer Reaktion der anderen Länder würde intern eine Erhöhung der Preise der von den Zöllen oder Importbeschränkungen betroffenen Produkte zur Folge haben.
Auch wenn es den nationalen Unternehmen gelingt, die Importe zu ersetzen, werden sie dies aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu niedrigeren Preisen tun als die gleichen Produkte aus dem Ausland. Dies ist auf die geringere Konkurrenz zurückzuführen, die durch die Zölle erzeugt wird, sowie auf eine weniger effiziente Zuordnung der internen Ressourcen, meist bis zum Erreichen der Zollkosten.Eine weitere potenzielle Konsequenz ist, dass die Belastung für Familien noch höher ausfallen könnte, wenn Preiserhöhungen entlang der gesamten Produktionskette weitergegeben werden. In einer globalisierten Wirtschaft sind nahezu alle Produkte das Resultat einer Kette von Importen und Exporten sowie interner Produktionen.
Jede Belastung oder Beschränkung der Importe wirkt sich folglich auf die Kosten der Endprodukte aus.
In der Konsequenz besteht das Risiko einer selbstschädigenden Politik, welche die gesamte Wirtschaft betrifft und einen internationalen Handelskrieg heraufbeschwören dürfte.
Eine Dämpfung des Konsums der von den Zöllen betroffenen Produkte durch die höheren Preise könnte zwar zu einer leichten Senkung der Verbraucherpreise führen. Dies gilt auch, falls die Exportländer einen Teil der neuen Belastungen übernehmen, um ihre Marktanteile zu sichern.
Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass keine Gegenmaßnahmen in Form von Zöllen auf amerikanische Waren ergriffen werden. Eine allgemein ansteigende Inflation könnte die Folge sein und ein sinkender Welthandel.Es besteht ebenfalls das Risiko, dass für die amerikanischen Familien die Wahlversprechen über Preissenkungen aufgrund der Kürzungen im Sozialwesen nicht erfüllt werden. Eine Reduktion der Subventionen für Krankenkassen und Pensionsfonds führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Prämienerhöhung durch die jeweiligen Institutionen, welche den gestrichenen staatlichen Zuschüssen entspricht.
In einem freien Markt besteht für Unternehmen keine Veranlassung, die gleichen Leistungen zu ermäßigten Preisen weiter anzubieten, wenn ihnen die vorherigen Profite entgehen.Um den Nachteil durch die Kürzungen im Sozialwesen zu vermeiden, wäre die Gewährung von Steuergutschriften in Höhe der eingesparten Mittel für den Staatshaushalt eine geeignete Maßnahme.
In der Tat beinhaltet das Programm von Trump Steuergutschriften für Gesundheitsausgaben, welche teilweise die bestehenden Einsparungen kompensieren. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Nachteile überwiegen und die möglichen Verluste für die Familien wiederum dem Versicherungssektor zugutekommen.
Dies lässt sich anhand des Anstiegs der Börsenkurse dieser Unternehmen nach der Wahl vermuten. Die Auswirkungen all dieser Maßnahmen auf die US-amerikanische Wirtschaft sind derzeit nicht abzusehen.
Eine Reduzierung der Kaufkraft der Familien dürfte das Wirtschaftswachstum fast sicherlich hemmen. In diesem Kontext sind zudem die potenziellen Auswirkungen der amerikanischen Zollpolitik auf die übrige Welt zu berücksichtigen.Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die angekündigten Zölle und Kürzungen im Sozialwesen die Kaufkraft der amerikanischen Familien stärker einschränken werden, als dies durch Steuererleichterungen kompensiert werden kann.
Selbstredend würde eine Steuersenkung für viele Bürger zwar attraktiver sein als ein Anstieg der öffentlichen Vorsorge, nicht zuletzt, da Kürzungen und daraus resultierende Vorteile unterschiedlichen Gruppen zugutekommen.
Diese Einschätzung beruht auch auf der Annahme, dass die Bürger der Vereinigten Staaten eine andere Sichtweise auf die Dinge haben als die Bürger Europas.
Allerdings müssten die Steuererleichterungen signifikant sein, um die Wirtschaft der Vereinigten Staaten tatsächlich anzukurbeln. In Wirklichkeit ist zu erwarten, dass sich die Bilanz des US-Haushalts verschlechtern und das Wachstum bremsen wird, statt es zu stärken. Sollte der neue Zollkrieg einen globalen Handelskrieg auslösen, könnte die Situation noch zusätzlich eskalieren.Alfred Ebner
Trump setzt das Beil in das…
Trump setzt das Beil in das eigene Knie.
Europa sollte nicht…
Europa sollte nicht scheinheilig sein. Lasst die USA doch Zölle erlassen. Niemand verbietet es uns, andere Märkte als Handelspartner zu suchen. Wir haben doch alle Trümpfe selbst in der Hand. Was glaubt ihr wie schnell sich das mit den Zöllen gegen die EU relativiert, wenn wir einfach wieder mehr mit den Russen und Chinesen handeln? Leider fehlt uns Europäern diesbezüglich ein gesundes Maß an Opportunismus.
Was Trumps Handelspolitik angeht:
Die Logik dahinter ist es, die Kaufkraft der Amerikaner durch Einkommenssteuersenkungen zu steigern und gleichzeitig die amerikanische Wirtschaft zu fördern, da amerikanische Produkte durch die Zollpolitik Wettbewerbsvorteile gegenüber ausländischer Erzeugnisse hätten. Trump will ja zusätzlich auch die Unternehmenssteuern in den USA auf das weltweit niedrigste Niveau senken und so Wertschöpfung ins Land holen. Wenn es so für Firmen interessanter wird, Niederlassungen in den USA zu eröffnen und zumindest die letzten Produktionsschritte/Montage dort zu machen, führt das zu Kapitalfluss vom Rest der Welt in die USA und wie wir von den Kapitalismuskritikern ja immer hören, erzeugen Kapitalansammlungen Vorteile.
Dass diese Rechnung für den US-Bürger nicht unbedingt aufgehen muss, weil durch die massiven Entlassungen von Staatsbediensteten das Lohnniveau sinken wird und durch die Zölle Produkte nicht unbedingt billiger werden, wird der Kaufkraftgewinn durch die Lohnsteuersenkungen wohl beim Bürger selbst nicht so stark spürbar sein.
Als Liberaler bin ich natürlich ein Freund vom Freihandel und daher sehe ich diese Zölle kritisch. Trotzdem bin ich gespannt, wie sich diese Politik dann in der realen Wirtschaft auswirkt, denn wie wir alle wissen, sind Theorie und Praxis nicht dasselbe.
Antwort auf Europa sollte nicht… von Oliver Hopfgartner
Zitat: “ ... wenn wir…
Zitat: “ ... wenn wir einfach wieder mehr mit den Russen ... handeln; ... fehlt uns Europäern diesbezüglich ein gesundes Maß an Opportunismus”:
täglich bombardiert Putin Wohngebiete in Europa und Sie wollen... ist dieser brutale Zynismus jetzt zufällig oder gewollt?
Zum Glück geht mit Ihr “gesundes Maß an Opportunismus” ab, das meiner Meinung nach doch eher ‘krank’ (redewendig als Gegenteil von ‘gesund’) erscheint.
.
Zitat 2: “Die Logik dahinter ist es...”: diese Logik funktioniert nur, wenn alle das Spiel des Primus mitmachen: was aber, wenn alle “make me great again” spielen?
Zudem: die Außenhandelsbilanz der Güter zwischen EU und USA zugunsten der EU beträgt nur wenig mehr als die Außenhandelsbilanz der Dienstleistungen zugunsten der USA: also macht jetzt die EU bei den Dienstleistungen dasselbe gegenüber den USA - muss gemäß Trump nur logisch sein und befürwortet werden.
Trump irrt in Vielem:
ein Beispiel: die Masse der Europäer zum Beispiel kann gar nicht die übergroßen und spritsaufenden amerikanischen Autos kaufen - würden Sie?
ein anderes: Trump ruiniert grad Boeing zugunsten von Airbus - das schadet den USA weit mehr als es bringt;
ein anderes: wer kann jetzt noch hochsensible updatebedürftige amerikanische Wehrtechnik kaufen?
... die Beispiele ließen sich endlos fortführen... Amerika alone ist zum Scheitern verurteilt, zum Glück?
Antwort auf Zitat: “ ... wenn wir… von Peter Gasser
Nachtrag Zitat Trump: “Dies…
Nachtrag Zitat Trump: “Dies ist eine großartige Zeit, um reich zu werden«, verkündete Trump vom Golfplatz aus auf seinem Social-Media-Portal Truth. »Haltet durch, wir können nicht verlieren!”:
Trump kann kein win-win, ein Kompromiss, der für beide gut geht, ist für Trumps Charakter nicht gut: Trump fühlt sich nur gut, wenn der Vertrags- oder Handelspartner der Verlierer und er, Trump, Sieger ist.
Aber kann es NUR Sieger geben?
... oder schleichen sich hier Rassismus und Kolonialismus ein, nach dem Motto: ich, Trump, ich, die weiße, religiös-reaktionäre USA habe das Anrecht, auf Kosten der Verlierer (alle anderen) für mich Vorteile, Siege zu befehlen?
Geht das HEUTE noch? Untertanen statt Bürger?
Antwort auf Zitat: “ ... wenn wir… von Peter Gasser
Auch Netanjahu bombardiert…
Auch Netanjahu bombardiert täglich Wohngebiete. Da ist scheinbar alles OK. Ist das "zufällig oder gewollt"?
Antwort auf Europa sollte nicht… von Oliver Hopfgartner
In der ersten Amtszeit von…
In der ersten Amtszeit von Trump wurde Unternehmensteuern gesenkt. Die Unternehmen haben nicht etwa die Preise gesenkt, sondern Aktien zurück gekauft. Als "Liberaler", sollten Ihnen angesichts dessen doch die Haare zu Berge stehen.
Trump hat für das arme…
Trump hat für das arme afrikanische Land Lesotho Zölle von 50 Prozent verhängt. Weil sich Lesotho teure Luxusgüter aus den USA nicht leisten konnte, aber vom Import seiner elf Textilfabriken in die USA lebte, hat sich natürlich ein Exportüberschuss (mit absolut gesehen eher bescheidenen Zahlen) ergeben. Jetzt kann Lesotho, bei einem Zoll von 50 Prozent, nicht mehr in die USA exportieren, was für das kleine, arme Land eine wirtschaftliche Katastrophe bedeutet. Entwicklungshilfe und Gesundheitshilfe wurden drastisch reduziert. Das ist ein Todesurteil für viele Menschen in Lesotho. Die USA werden dadurch nicht größer, sondern nur verabscheuungswürdiger.
Trump hat für das arme…
Trump hat für das arme afrikanische Land Lesotho Zölle von 50 Prozent verhängt. Weil sich Lesotho teure Luxusgüter aus den USA nicht leisten konnte, aber vom Import seiner elf Textilfabriken in die USA lebte, hat sich natürlich ein Exportüberschuss (mit absolut gesehen eher bescheidenen Zahlen) ergeben. Jetzt kann Lesotho, bei einem Zoll von 50 Prozent, nicht mehr in die USA exportieren, was für das kleine, arme Land eine wirtschaftliche Katastrophe bedeutet. US-Entwicklungshilfe und Gesundheitshilfe wurden drastisch reduziert. Das ist ein Todesurteil für viele Menschen in Lesotho. Die USA werden dadurch nicht größer, sondern nur verabscheuungswürdiger.