„Sein Erbe weiterentwickeln“
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Mit dem Tod von Roland Riz verliert Südtirol nicht nur einen seiner bedeutendsten Politiker der Nachkriegszeit, sondern den juristischen Architekten unserer Autonomie. Wenn wir heute auf ein Land blicken, das friedlich zusammenlebt und über weitreichende Gesetzgebungs- und Verwaltungsbefugnisse verfügt, dann blicken wir auf das Lebenswerk dieses Mannes zurück. Roland Riz war über Jahrzehnte hinweg das autonomiepolitische und verfassungsrechtliche Gewissen unseres Landes und der Südtiroler Volkspartei sowie eine Stimme der Vernunft in den oft bewegten und turbulenten Verhältnissen der Südtiroler Nachkriegszeit.
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Zum Autor
Meinhard Durnwalder ist seit 2018 Senator in Rom. Der SVP-Politiker stammt aus dem Pustertal und ist der Neffe von Altlandeshauptman Luis Durnwalder. Mit Roland Riz verbindet Meinhard Durnwalder nicht nur die gemeinsame politische Partei und Linie, Durnwalder schrieb bei Riz auch seine Dissertertion und machte seine ersten beruflichen Schritte in der Rechtsanwaltskanzlei von Roland Riz.
Foto: Seehauserfoto -
Es ist schwer, in wenigen Zeilen ein Leben zu würdigen, das so umfassend war. Als junger Politiker, als Kammer-Abgeordneter, als Senator und als Parteiobmann hat er die entscheidenden Phasen der Geschichte unseres Landes und der Politik Südtirols nach den Unzeiten des Faschismus und den Wirren des zweiten Weltkriegs nicht nur begleitet, sondern maßgeblich mitgeprägt. Er war als Politiker und Verfassungsrechtler einer der Väter des Südtirol–Pakets und dabei jener, der die komplizierten politischen Forderungen in handfeste und zukunftssichere juristische Texte umwandelte. Eines seiner bedeutendsten Meisterstücke war zweifellos der Abschluss der Streitbeilegungserklärung im Jahr 1992, bei welcher er als Obmann der Südtiroler Volkspartei mit großem Verhandlungsgeschick und viel politischem Gespür einen historischen Meilenstein in der Geschichte unseres Landes setzte.
Sein Ansehen über die Parteigrenzen hinweg war ebenso groß wie der Respekt, der ihm im römischen Parlament stets entgegengebracht wurde.
Während andere die politischen Parolen lieferten, formulierte Roland Riz die Paragraphen, die Bestand hatten. Er verstand es wie kein Zweiter, in Rom hart in der Sache, aber verbindlich im Ton zu verhandeln. Sein Ansehen über die Parteigrenzen hinweg war ebenso groß wie der Respekt, der ihm im römischen Parlament stets entgegengebracht wurde. Diese Wertschätzung darf ich noch heute in vielen Gesprächen in Rom erleben. Roland Riz war kein Populist, er suchte nicht den schnellen Applaus. Roland Riz war ein Realpolitiker im besten Sinne. Er wusste, was rechtlich möglich war und wie weit man gehen konnte, ohne das Erreichte zu gefährden. Seine Weitsicht hat Südtirol den Weg der schrittweisen Festigung unserer Kompetenzen und somit zur heutigen Autonomie geebnet.
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Ich hatte das Privileg, Roland Riz auch als Professor für Verfassungs- und Autonomierecht an unserer Landesuniversität Innsbruck erleben zu dürfen, eine von mehreren seiner Professuren neben jenen an der Universität Modena, an der Universität Padova und der Päpstlichen Lateranuniversität. Die Klarheit seiner Gedanken auch bei komplexen Themen und seine Leidenschaft für das Recht haben dabei in mir bleibende Spuren hinterlassen. Er verstand es wie kein anderer juristische Fragen interessant und lebendig werden zu lassen und uns zu zeigen, dass Recht weit mehr als ein System von Regeln, nämlich Ausdruck menschlicher Würde und moralischer Haltung ist. Von ihm habe ich nicht nur Wissen, sondern vor allem Orientierung und Inspiration mitgenommen.
Genauigkeit, Hingabe und eine fast unerschöpfliche Ausdauer, wenn es darum ging, eine Lösung für jedes Problem zu finden.
Meine Dissertationsarbeit, die ich bei ihm schreiben durfte und die von ihm auch signiert wurde, hat bis heute einen Ehrenplatz in meinem Büro. Nach dem Studium durfte ich auch meine ersten beruflichen Schritte in seiner Rechtsanwaltskanzlei machen. Diese Zeit war für mich eine Schule fürs Leben, weit über die Jurisprudenz hinaus. Roland Riz war als Lehrmeister fordernd und präzise. Er lehrte mich als jungen Anwalt, dass das Recht ein Instrument ist, um Gerechtigkeit und Ordnung zu schaffen. In dieser Zeit lernte ich die Arbeitsweise kennen, die ihn auszeichnete: Genauigkeit, Hingabe und eine fast unerschöpfliche Ausdauer, wenn es darum ging, eine Lösung für jedes Problem zu finden. Diese Haltung hat mich bis heute geprägt.
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Als ich später als einer seiner Nachfolger das Mandat im Senat übernahm, waren es große Fußstapfen, in die ich trat. Es ist mir eine Ehre und Verpflichtung zugleich, die Arbeit an jener Stelle fortzusetzen, an der er so lange gewirkt hatte. Auch nachdem er sich in den vergangenen Jahren zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, riss unser Kontakt nicht ab. Es waren Begegnungen geprägt von gegenseitigem Respekt. Bis zuletzt blieb er ein aufmerksamer Beobachter des politischen Geschehens. Sein Rat war nie aufdringlich, aber immer fundiert und wohl durchdacht. Wenn man ihn fragte, blitzte bis in sein hohes Alter hinauf sofort jener scharfe Verstand auf, der ihn stets ausgezeichnet hatte.
Roland Riz hat sich um unser Land verdient gemacht, dieser Satz wurde schon zu seinen Lebzeiten oft gesagt, doch bei ihm wiegt er schwer. Er hinterlässt ein Erbe, das wir nicht nur verwalten, sondern in seinem Sinne weiterentwickeln müssen: Mit Sachverstand, mit Geduld und mit juristischer Festigkeit.
Wir verneigen uns vor einem Lebenswerk, das in den Geschichtsbüchern Südtirols einen festen Platz hat. Mein Mitgefühl gilt in diesen Stunden seiner Familie. Südtirol wird dem Vizebürgermeister der Stadt Bozen, dem Kammerabgeordneten, dem Senator, dem SVP-Obmann, dem Professor, dem Rechtsanwalt aber vor allem dem Menschen Roland Riz ein ehrendes Andenken bewahren.
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