Politik | Auszeichnung

Was für eine Ehre?

Das Ehrenzeichen des Landes Tirol wird heute an den Künstler Gotthard Bonell verliehen. Wer sich den Antiehrenpreis verdient? Die Schützen und die Politik von Rechtsaußen
Andreas Hofer
Foto: Othmar Seehauser
  • „Nicht mehr und nicht weniger als wohl in jedem anderen Bürger dieses Landes“, meint der Maler Gotthard Bonell auf die Frage, wie viel Tirol in ihm – ob im Künstler oder im Privatmenschen – stecke. Die zweithöchste Auszeichnung des Landes Tirol geht an diesem 20. Februar, Andreas Hofers Todestag, an drei Persönlichkeiten aus Südtirol: an die Universitätspräsidentin Ulrike Tappeiner, den Familienseelsorger Toni Fiung und eben auch an den begnadeten Maler aus Truden.

  • Freude und Ehre

    Selbstporträt: Foto: Foto Furlan

    „Natürlich freue ich mich über diese Ehrung“, meldete sich Bonell gestern aus seinem tief verschneiten Heimatdorf, „allerdings habe ich sie nicht erwartet und weiß wohl, dass viele andere sie auch verdient hätten.“ Der Künstler, der sich vor allem mit Landschaftsbildern und Porträts einen Namen gemacht hat, vermutet, „dass der Grund der Verleihung nicht auf seine künstlerische Arbeit zurückzuführen ist, sondern vor allem auf meine Tätigkeit und meinen Einsatz auf verschiedenen kulturellen Ebenen.“ Stolz ist er im Rückblick vor allem darauf, dass er im Kulturbereich einiges anstoßen und ehrenamtlich betreuen konnte. „Und“, so fügt der Junggebliebene lässig hinzu, „man weiß, dass man nicht mehr jung ist.“

  • Zeitzeichen

    Nun ist der geografische Begriff Tirol – abgesehen von der Verleihung des heutigen Ehrenzeichens – nicht erst seit dem Rüffel des Tiroler Landeshauptmanns Anton Mattle in Richtung Tirol-Werbung nach dem Südtirol-Seitenhieb wieder in den Medien. Seit Olympia wollen vor allem trittbrettfahrende Schützen aus Südtirol Aufmerksamkeit erhaschen und stecken jede Menge teures Geld in die grafisch platte Plakataktion Grüß Gott in Tirol

    Nachdem die Medien den Weckruf einer Minderheit von Patri(di)oten nicht ignorieren, sondern relativ unhinterfragt publizieren, erwachen auch die beiden Politiker und „Geschichtskenner“ Christian Bianchi und Marco Galateo aus der rechten Ecke und kontern mit nationalistischen Tönen. Zur immer gleichen Sauce meldet sich daraufhin sogar der SVP-Mann fürs Grobe und Rechte Harald Stauder. Allerdings nicht, um – wie es laut Knigge Anstand sein sollte – die Wogen sorgsam zu glätten, sondern um noch etwas Öl ins Feuer zu gießen. Tschschsch.

    Das mehr als peinliche Geplänkel der italienischen und deutschsprachigen Rechten ist nichts anderes als ein Jammerspiel, das einige Medien gerne aufnehmen, widerspiegeln und am Ende noch einen Schützen XY zum Umgang mit faschistischen Symbolen an einer Brücke in Bruneck befragen, der bereits beim ersten Satz seiner dürftigen Wortspende verlautbaren lässt, dass er das Wort Kontextualisierung wohl weder kennt noch buchstabieren kann.

  • Europäisch denken

    „Ich mag das Land, mag seine Menschen in ihrer Vielfalt“, meint der heute geehrte Künstler Gotthard Bonell. Er spricht vom Abbau der Grenzen, von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und vom Überwinden von Grenzen in den Köpfen. „Tirol und ‚Tirolertum‘“, sagt er, „oder was bestimmte Menschen darunter verstehen möchten“, das habe nie einen direkten Einfluss auf seine künstlerische Tätigkeit gehabt, denn Kunst habe mit dem „Menschsein in seiner ganzen Vielfalt zu tun“ und könne und dürfe sich nicht „von geografischen und politischen Grenzen einengen lassen.“ Außerdem sei Kunst in seinen Augen „eine eigene Sprache, die in erster Linie frei sein muss von politischem und patriotischem Gefühlsgetue.“
     

    Patriotismus ist ein Wort, das mir nicht geheuer ist
    [Gotthard Bonell]

  • Gotthard Bonell: „Natürlich freue ich mich über diese Ehrung“ Foto: Privat

    Und wo geht ihm Patriotismus und Spalterei definitiv zu weit, will SALTO abschließend wissen. Wo ist Stopp? „Patriotismus ist ein Wort, das mir nicht geheuer ist“, meint der Maler. „Stopp sage ich, wenn man Menschen durch ein falsches Heimat- und Identitätsverständnis auseinanderdividieren möchte. Stopp sage ich, wenn Machtgehabe bestimmter Parteien und Politiker demokratische Werte zerstören wollen.“ Sein Wunsch ist ein Land, „in dem man frei seine Eigenart, seine Sprache, seine Meinung und seine Identität leben kann. Eingebunden in ein großes, demokratisches Europa.“

    Wären da nicht immer die ewiggestrigen Männer und Frauen von Rechtsaußen …