Gesellschaft | "Ehrenbürger"

Brixens faschistischer Ehrenbürger

Während die Stadt Trient Benito Mussolini als Ehrenbürger behält ist Gennaro Sora immer noch Ehernbürger der Stadt Brixen.
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  • Den Balken im eigenen Auge nicht sehen...

    Wie bekannt, hat der Trientner Gemeinderat jüngst mehrheitlich dafür gestimmt, Benito Mussolini weiterhin als Ehernbürger der Stadt beizubehalten. In verschiedenen politischen Reaktionen in Südtirol wurde dieser traurige Umstand kritisiert. Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher hat diesen Beschluss klar verurteilt. Die Nachrichtenagentur ANSA  zitiert ihn mit den Worten: „La mia posizione è chiara: Voler mantenere un criminale come cittadino onorario è inspiegabile, imperdonabile, inaccettabile e sciocco“.

    Was wenige wissen, ist der Umstand, dass die Stadt Brixen den Faschisten und Kriegsverbrecher Gennaro Sora als Ehrenbürger führt. Diese wurde ihm 1928 vom damaligen Podestá anlässlich seines Einsatzes bei einer Nordpolexpedition von Umberto Nobile verliehen. Gennaro Sora steht aber auch im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen im damaligen Abessinien und dabei insbesondere mit dem Massaker von „Caia Zeret“ im Jahr 1939.

    Im Art. 10 des Brixner Gemeinderatsbeschlusses Nr. 54 vom 28.5.2008 steht: „Die Aberkennung einer verliehenen Ehrung kann nur aus besonders schwerwiegenden Gründen durch den Gemeinderat erfolgen.“

    Eine Fachperson für Geschichte könnte eine Einschätzung ausarbeiten, ob hier ein solcher Fall vorliegt.

    Abgesehen von dieser problematischen Ehrenbürgerschaft gibt es in Südtirol leider immer noch zahlreiche Straßennamen, Namen von Kasernen und Schutzhütten, die einen Bezug zum faschistischen Regime haben und/oder im Zusammenhang mit dem „Abessinienkrieg“ und/oder „Lybienkrieg“ stehen.

    Ich möchte nicht polemisch sein, sondern nur das Augenmerk auf diese unangenehmen Altlasten lenken, derer man sich durch Aufarbeitung entledigen könnte.