Politik | Meran

Spielplatz oder Schule?

Das Stadtviertel Untermais braucht ein neues Schulgebäude für zeitgemäßen Unterricht. Der Bauplan sieht dafür die Stilllegung eines beliebten Spielplatzes vor.
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Foto: (Foto: salto.bz)

„Welchen Stellenwert hat Bildung für uns in Obermais“, fragt Michaela Dorfmann, Direktorin des Schulsprengels von Untermais in Meran, die anwesenden Bürger:innen der Jahreshauptversammlung des betroffenen Stadtviertelkomitees. Der Tagesordnungspunkt „Schulkomplex Untermais“, der zwei Mittelschulen (eine deutsch-, eine italienischsprachig) mit rund 750 Schüler:innen umfassen soll, ist der wohl heikelste bei der Jahreshauptversammlung.

Die Gemeinde plant, die deutsche Mittelschule Rossegger und die italienische Mittelschule Negrelli in den neuen Schulcampus zu verlegen. Derzeit befindet sich die Schule Negrelli noch in demselben Gebäude wie die deutsche Grundschule Erckert, in Zukunft soll dort die italienische Grundschule Pascoli untergebracht werden.

 

 

Interessenskonflikt im Stadtviertel

 

Nun geht es um die Frage, wie verschiedene Bedürfnisse der Bevölkerung auf der für das Schulzentrum vorgesehenen Fläche von über 23.000 Quadratmetern zufriedengestellt werden können. Denn auf einem Teil dieser Fläche steht der 2011 renovierte Spielplatz Maria Trost, der mit seinen großen, schattenspendenden Bäumen und verschiedenen Spielgeräten ein attraktiver Begegnungsort für Jung und Alt ist.

 

 

Laut dem Plan des Siegerprojekts der EU-weiten Ausschreibung für den Schulkomplex Untermais soll dieser Spielplatz mit Baubeginn stillgelegt werden. „Der Bau eines neuen Schulkomplexes ist seit langem notwendig, die Gebäude sind teilweise eine Zumutung für die Schüler:innen“, sagt der Meraner SVP-Vizestadtobmann Reinhard Bauer bei der Jahresversammlung des Stadtviertelkomitees Untermais.

 

Der Bauplan ist grundsätzlich knapp bemessen. Es ist fraglich, ob es überhaupt eine Aula Magna gibt - Michaela Dorfmann

 

Allerdings müsse die Priorität beim Gebäude und den Grünflächen auch auf Nachhaltigkeit liegen. „Außerdem besteht das Recht der Familien auf öffentliches Grün, wofür ich mich auch einsetzen möchte. Wir müssen deshalb jetzt einen Kompromiss finden, der alle Interessen fair behandelt“, so Bauer.

 

Petition gestartet

 

Sowohl Petra Laner, Präsidentin des Stadtviertelkomitees Untermais, als auch die kürzlich gegründete Umweltschutzorganisation AmUm sprechen sich klar für den Erhalt des Spielplatzes Maria Trost aus. AmUm stellt bei der Jahreshauptversammlung außerdem eine Petition vor, um diese Grünfläche in Meran zu retten – einige Stunden später haben mehr als 180 Menschen unterschrieben. AmUm-Präsidentin Carla Molinari wirft der Gemeinde vor, die Bevölkerung im Planungsprozess des Schulzentrums zu wenig miteinbezogen zu haben. „Es braucht einen neuen Schulkomplex, aber nicht an dieser Stelle“, sagt sie.

 

 

Neben den Stellungnahmen von Laner und AmUm spricht auch die Direktorin des Schulsprengels Untermais, Michaela Dorfmann, aus der Perspektive der Bildungsbeauftragten. Die Gemeinde habe nun mit den Schulen eine gute Zusammenarbeit gefunden. Allerdings sei das Schulzentrum weit davon entfernt, ein idealer Ort des Lernens zu werden. „Der Bauplan ist grundsätzlich knapp bemessen. Es ist fraglich, ob es überhaupt eine Aula Magna gibt“, sagt die Direktorin des Schulsprengels Untermais. Würde statt dem Spielplatz Maria Trost auf dem Areal eine öffentlich zugängliche Alternative geboten werden, fehlt möglicherweise der Platz für eine Aula Magna oder eine öffentlich zugängliche Bibliothek.

 

Verzögerter Baustart

 

Die Stadtregierung will an der Realisierung des Bauprojektes in Untermais festhalten, ursprünglich war der Baubeginn für Herbst 2022 geplant. Ende 2014 vereinbarten bereits der ehemalige Bürgermeister Günther Januth und der ehemalige Stadtrat Luis Gurschler mit dem Zisterzienserstift Stams, dass für das Schulzentrum ein fast 10.000 Quadratmeter großes Grundstück im Besitz des Stiftes verwendet werden kann.

Laut der Stadträtin Emanuela Albieri sollen die Bauarbeiten für das Schulzentrum erst im Sommer 2024 beginnen, da zuvor der Bauplan finalisiert und eine Baufirma beauftragt werden muss. Auch wenn die Gemeinde das Projekt als solches nicht verwerfen will, seien bestimmte Details noch offen.