Chronik | Bergunglücke

Zwei Lawinen, zwei Schicksale

Am Wochenende kam es zu zwei Lawinenabgängen mit Verschütteten. Auf der Seiser Alm verliert eine Frau ihr Leben, in Ulten wird ein Mann nach 50 Minuten lebend geborgen.
Rosszähne
Foto: Othmar Seehauser

Der Berg hält nicht für alle dasselbe Schicksal bereit. Das wurde am Wochenende erneut deutlich. Während im Ultental ein Skitourengeher nach 50 Minuten lebend aus einer Lawine geborgen worden konnte, kam die Hilfe für eine verschüttete Schneeschuhwandererin auf der Seiser Alm rasch. Aber doch zu spät.

Beide Unglücke ereigneten sich gegen die Mittagszeit. Gegen 13.15 Uhr ging am Samstag (14. Dezember) am Hasenohr im Flatschbergtal eine Lawine nieder. Dabei wurde ein Skitourengeher aus dem Trentino verschüttet, der in einer Dreiergruppe unterwegs war. Umgehend setzten die beiden Kameraden den Notruf ab und machten sich auf die Suche nach dem Verschütteten. Doch erst um 14.07 Uhr konnten ihn die alarmierten Ultner Bergretter bergen – unterkühlt, aber lebend. Dass der Tourengeher fast eine Stunde unter der Schneedecke überleben konnte, ist der Tatsache zu verdanken, dass sein Kopf nur knapp unterhalb der Schneeoberfläche lag und so Sauerstoff zu dem von den Schneemassen eingeklemmten Mann gelangte. Hätte man ihn nicht rechtzeitig geortet, wäre er erfroren. “Der Verschüttete hat Riesenglück gehabt”, bestätigen die Bergretter. Bereits am Samstag Abend konnte der Mann das Meraner Krankenhaus, in das er geflogen worden war, wieder verlassen.

Zum zweiten tragischen Bergunglück kam es am Sonntag (15. Dezember) gegen 12.15 Uhr. Zwei Frauen waren unterhalb der Rosszähne auf der Seiser Alm, in einer steilen Rinne der Rosszahnscharte unterwegs. Dabei trat die Frau, die mit ihren Schneeschuhen hinter ihrer Freundin mit Tourenskiern wanderte, eine Lawine los. Die Skitourengeherin alarmierte umgehend die Rettungskräfte und machte sich auf die Suche nach ihrer Freundin. Die konnte sie bereits nach wenigen Minuten orten, auch weil die Verschüttete ihren Lawinen-Pieps dabei und eingeschalten hatte. Die Freundin war imstande, den Kopf freizumachen. Eine Viertelstunde später waren die ersten Retter auf der Lawine und haben die Frau ausgegraben”, berichtet Bergretter Hubert Mayrl auf RAI Südtirol. “Aber leider war es schon zu spät.” Bei der Toten handelt es sich um die 62-jährige gebürtige Bruneckerin Marlene Vorhauser. Sie war geprüfte Wanderleiterin und ebenso wie ihre Freundin bestens ausgerüstet unterwegs.

Am Wochenende herrschte in ganz Südtirol mäßige Lawinengefahr der Stufe 2. Der Lawinenwarndienst warnt derzeit vor leicht auslösbaren Triebschneeansammlungen, die aufgrund des starken bis stürmischen Windes vor allem oberhalb der Waldgrenze entstehen können: “Die Gefahrenstellen liegen in Kammlagen sowie in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten. Die Triebschneeansammlungen müssen vor allem an steilen Schattenhängen vorsichtig beurteilt werden. Lawinen sind meist mittelgroß. Anzahl und Grösse der Gefahrenstellen nehmen mit der Höhe zu. Schneesport abseits gesicherter Pisten erfordert Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr.”