Gesellschaft | Sprachnachweise

Notaufnahme leidet unter Personalmangel

Im Bozner Krankenhaus bringt die Kündigung von drei Ärzten die Notaufnahme in Bedrängnis. Zeit umzudenken, findet Elio Dellantonio vom PD.
Notaufnahme Bozen
Foto: LPA / Ivo Corrà
  • Die Bozner Notaufnahme ist im Krisenmodus: die RAI berichtet über Personalmangel und lange Wartezeiten. „Wir tun unser Möglichstes und auch das Personal ist sehr gefordert“, erklärte Primarin Elena Carion gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. 

    Da sowohl ärztliches als auch nicht ärztliches Personal fehle, könnten Stoßzeiten wie die Weihnachtsfeiertage schlecht abgedeckt werden – und die Wartezeiten ziehen sich in die Länge. Beim ärztlichen Personal sind von 28 Stellen sechs seit kurzem unbesetzt. Wie aus Kreisen des Krankenhauses zu erfahren ist, sollen drei Notärzte ihren Vertrag in den letzten Wochen überraschend gekündigt haben. 

    Dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb (Sabes) vor Weihnachten das Arbeitsverhältnis mit mehreren Ärzten wegen gefälschten Zweisprachigkeitsnachweisen aufgelöst hat, könnte dabei auch nur Zufall sein. „Aufgrund der Privacy-Bestimmungen können wir keine Informationen weitergeben, in welchen Abteilungen die Personen mit ungültigem Zweisprachigkeitsnachweis beschäftigt waren“, erklärt der Sabes auf Nachfrage.

  • Sprachkompetenz sorgt für Konflikte

    In der Bozner Notaufnahme sind außerdem mehrere von 22 Ärztinnen und Ärzten befristet angestellt. Denn nur wer die Zweisprachigkeit nachweisen kann, erhält im Sabes einen unbefristeten Arbeitsvertrag. „Die Situation in der Bozner Notaufnahme ist besorgniserregend, rund ein Drittel des ärztlichen Personals ist nur provisorisch angestellt“, erklärt Elio Dellantonio, Mitglied der Arbeitsgruppe zu Sanität im Partito Democratico (PD). 

  • Elio Dellantonio: „Wir kennen das Personalproblem seit Jahren.“ Foto: PD Alto Adige Südtirol

    „Dass bereits mehrere Ärzte wegen gefälschten Sparchnachweisen gehen mussten, bringt Unruhe und Angst in die Abteilung. Wir wissen seit Jahren, dass die Erste Hilfe überlaufen ist, und trotzdem konnte der Sabes das Personalproblem nicht lösen und die Fluktuation der Angestellten ist weiterhin hoch“, so Dellantonio. „Es ist deshalb angebracht, zu fragen, ob wir weiterhin so hohe Aufnahmehindernisse wie die geforderte Zweisprachigkeit beibehalten wollen.“ 

    Diametral anders lautet die Forderung des Abgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Hannes Rabensteiner: Diese Woche brachte er im Landtag einen Beschlussantrag ein, um einen Sprachbeauftragten zur Kontrolle der Zweisprachigkeit im öffentlichen Dienst einzuführen. Denn zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung zeigten, dass die vorgeschriebene Zweisprachigkeit nicht überall gewährleistet sei. Im Plenum bewertete Dellantonios Parteikollege Sandro Repetto den Vorschlag als „pure Ideologie“. Der Antrag von Rabensteiner wurde mit 7 Ja-, 24 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen abgelehnt.