Ein Weiter-so ist keine Option
Die Landesregierung hat die Klausur hinter sich, wie sie mit einer eigenen Pressemitteilung kundtut. Dabei scheint der Landeshauptmann doch seine Meinung im Vergleich zu seinem Interview am Freitag in der Tageszeitung geändert zu haben. In der Folge werde ich Auszüge aus dem Interview, der neue Presseaußendung und einigen Kommentaren auf Tageszeitung-Online gegenüber stellen.
Die Dolomiten zitiert heute den Landeshauptmann mit der Aussage „Ein Weiter-so ist keine Option“. Im Interview hatte er noch gesagt „Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht und Rückschritt, sondern Fortschritt und höhere Lebensqualität.“ Dazu ein Kommentator „Entweder Kompatscher hat selbst nicht verstanden, was nachhaltig bedeutet, oder er will die Menschen bewusst nur täuschen! Und das meiste sind auch nur Ankündigungen!“ Und noch weiter: „Wenn man Kompatscher mit einem Arzt vergleicht, dann wäre er ein Schulmediziner, der nur die Symptome behandelt, und nicht ein ganzheitlich denkender Arzt, der nicht nur das Symptom sieht, sondern den ganzen Menschen als komplexes Wesen und seine Behandlung wäre dann nachhaltig!“
Inzwischen scheint ihm klargeworden zu sein, „…dass wir unser Lebens-, Wirtschafts-und Konsum-Modell überdenken und neu ausrichten müssen. Ein ‚Weiter so‘ ist keine Option.“ Aha, die Verantwortung wird auf die einfachen Leute abgewälzt, wobei die Wirtschaft der größte Verschmutzer ist. Ein weiterer Kommentarauszug: „Sicher sind die einzelnen Verbraucher nicht die schlimmsten Umweltverschmutzer, aber an die Energie-Riesen, großen Industrie-Konzerne, Luftfahrts-Unternehmen, die Redereien, usw. traut sich niemand heran. Im Gegenteil, diese gängeln die Politik, welche das einfache Volk glauben machen, dass jeder Einzelne das Klima retten muss. Immer noch wird Import und Export, ebenso Flugreisen, propagiert, ohne Rücksicht auf die Natur und das Klima!“
Südtirols Klima-Neutralität scheint Kompatschers Ziel zu sein. Das schien ihm erreichbar und dann könnte Südtirol als Klima-neutrale und nachhaltige Ferienregion vermarktet werden! Also doch dann wieder mehr. Und der Verkehr? „Dabei schließt er den Durchzugsverkehr einfach aus, nach dem Motto “Da sind uns die Hände gebunden„. “Ja und erwähnenswert ist auch, dass Kompatscher meint, es genüge, in Südtirol Klima-neutral zu sein, als könnten wir uns das Klima auch autonom regeln!„ – “Bei diesen günstigen Voraussetzungen – viel Wasserkraft„ ist es bei der Energieerzeugung leicht, Klima-neutral zu sein!“
Aber in der Wirtschaft wird nichts verändert? Z. B. in der Landwirtschaft? Mehr Kreislaufwirtschaft, wie der Klima-Forscher Marc Zebisch vorschlägt. (Das produzieren, was wir brauchen, und weniger von dem, was exportiert werden muss: also weniger Import und Export!) Konkret spricht aber noch niemand davon, nein Export und Import sollen gesteigert werden! Und wahrscheinlich auch gefördert!? Reduzierung der Milchproduktion (nur für den regionalen Markt), das würde auch die Methangas-Ausscheidung beim Wiederkauen und bei den Ausscheidungen reduzieren. Methangas ist etwa 20 x Klima-schädlicher als CO2! Außerdem sollte mehr Weidehaltung praktiziert werden – auch bei Schweinen – das würde noch nebenbei den Methangasausstoß reduzieren und die Qualität der Produkte steigern. Und anstatt Äpfel Getreide und andere Feldfrüchte für den Eigenverbrauch. Das wären dann wirkliche Qualitätsprodukte, klimaneutral und nachhaltig. Und das alles muss man nicht auch noch vermarkten!
Zum Schluss noch eine Bemerkung: Das erste Mal scheint auch der Umweltlandesrat eine Rolle zu spielen! „Giuliano Vettorato verwies darauf, dass Südtirol schon auf hohem Niveau startet: “Darauf müssen wir nun aufbauen.„ Ebenso wichtig wie neue Maßnahmen sei auch die Kommunikation derselben: “Wir müssen erklären, was wir bereits erreicht haben, was wir derzeit schon dafür tun und was wir noch tun wollen. Nur so gelingt es, jede Bürgerin und jeden Bürger mit auf den gemeinsamen Weg zu nehmen." Leider ist er in der Einstellung auf derselben Ebene wie Kompatscher: Wir müssen die da unten motivieren! Er will es einfach nicht kapieren, dass wir da herunten nicht viel machen können im Vergleich zu den mächtigen Konzernen und weniger mächtigen Politikern da oben, die entsprechende einschneidende Maßnahmen beschließen und umsetzen sollten!
Noch ein Verweis auf einen Beitrag im neuen Magazin „Der Spiegel“. Er lautet „Saubere Zukunft“. Darin wird von der Stadt Lahti in Finnland berichtet, die schon 2025 Klima-neutral sein will. Sie ist etwa so groß wie Bozen mit der Vorstadt Leifers. Sie hat eine Geschichte mit viel Industrie, der aber durch die Wende in Russland der Hauptmarkt wegbrach. Sie positioniert sich immer mehr als Wintersport- und Ferienregion und hat von der Krise etwas sehr Positives gemacht. Bozen könnte sich etwas abschauen!
Reis - der Reisanbau ist der
Reis - auch der Reisanbau ist ein großer Methan-Sünder...
Gut, dass Sie das klar
Gut, dass Sie das klar stellen, Herr Lechner! Als Laie weiß man nur das Grundsätzliche, aber die Zahlen und Dimensionen kann ich nicht erfassen.
Aber trotzdem, jeder soll das tun, was er kann. Aber vorzüglich müssten die Politik und die Wirtschaft große Veränderungen entscheiden. Und zum Argument, das häufig gebracht wird: Zuerst sollen die großen Verschmutzer, z. B. China anfangen, denen antworte ich: Wir in Europa habe mit der Verschmutzung angefangen, die anderen sind nur sukzessive nachgezogen: zuerst Nordamerika, und im letzte Jahrhundert dann China, Indien und die anderen Schwellenländer. Und sie werden uns auch sukzessive bei der Verringerung der Verschmutzung folgen. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen!
Antwort auf Gut, dass Sie das klar von Sepp.Bacher
Richtig.
Richtig.
Beginnen wir in Europa damit, statt jeden Tag, nur jeden 2. Tag einen Airbus fertigzustellen; begrenzen wir die Menge an erzeugten Fahrzeugen, deren Gewicht, deren PS und deren Höchstgeschwindigkeit...
und Ähnliches?
Antwort auf Gut, dass Sie das klar von Sepp.Bacher
Ich denke, die Politik sollte
Ich denke, die Politik sollte zuallererst mit gutem Beispiel vorangehen. Und da ist es fehl am Platze, dass Herr Kompatscher sich als Nachhaltigkeits-Papst aufspielt, aber auf die Frage, ob er gänzlich auf ein Flugzeug verzichte könne, dies verneint, da dies anscheinend in seinem Beruf nicht möglich wäre.
Wie so oft, wäre es manchmal einfach besser zu schweigen.