Politik | Landeshaushalt 2022

Landeshaushalt 2022: Bildung und Pflege

Straßen- und Seilbahnbau haben goldene Zeiten, Lehrer:innen und Pflegepersonal müssen darben.
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Das Paket ist geschnürt. Der Landeshaushalt 2022 ist beschlossen, die Schwerpunkte der SVP-Lega-Politik sind deutlich erkennbar. Rund 6,5 Milliarden Euro ist der Haushalt schwer, Steuergelder, die im Wesentlichen von Arbeiter:innen, Angestellten und kleinen Unternehmen stammen.

Von den 6,5 Milliarden Euro werden rund 5,3 Milliarden für laufende Ausgaben wie Gesundheit, Bildung, Soziales, Familien, öffentlicher Nahverkehr, Instandhaltung und viele andere kleinere Aufgabenbereiche benötigt. Rund 1,2 Milliarden Euro sind hingegen für Investitionen vorgesehen, womit unter anderem Tunnels, Umfahrungen, Seilbahnen, Geförderter Wohnungsbau sowie Beiträge an Wirtschafts- und Tourismusbetriebe finanziert werden.

Der Betrag von 1,2 Milliarden Euro wird als Investitionsquote bezeichnet. Wirtschaftsverbände lamentieren jedes Jahr, dass die Investitionen zu niedrig und die laufenden Ausgaben zu hoch seien. Deshalb lohnt sich ein Blick nach Europa: die Südtiroler Investitionsquote liegt heuer mit rund 18% vom Haushalt weit über dem EU-27-Schnitt und deutlich vor Staaten wie Belgien, Deutschland oder Österreich. Südtirols Landesregierung investiert somit wesentlich mehr Geld in Straßen, Seilbahnen und verteilt großzügig Wirtschaftssubventionen, während Länder wie Deutschland und Österreich jährlich kräftig in das Bildungs-, Pflege- und Verwaltungspersonal investieren.

In Südtirol ticken die Uhren anders. Die Töpfe für die Kollektivvertragsverhandlungen 2022 sind entweder leer oder schwach dotiert: für die Pflegekräfte ist kein Geld vorgesehen, für das Landespersonal praktisch auch nichts. Für 10.000 Lehrer:innen der Grund-, Mittel- und Oberschulen wurden 10 Millionen Euro eingeschrieben, damit wird gerade einmal die Inflation des Jahres 2021 ausgeglichen. Um aber den drohenden Bildungsnotstand abzuwenden, ist dieser Betrag ein Witz.

Das wird auch anhand von Vergleichen deutlich: Die neue Seilbahn vom Tausend-Seelen-Dorf Tiers auf die Frommeralm hat kürzlich von der Landesregierung über 11 Millionen Euro öffentliche Beträge erhalten. Eine Seilbahn übrigens, die von Umwelt- und Naturschutzgruppen vehement abgelehnt wird.

Wie man an diesem Beispiel sieht, Gelder wären vorhanden. Es wird mächtig investiert, Straßen- und Seilbahnbau haben goldene Zeiten. Allein das Bildungs-, Pflege- und Verwaltungspersonal muss weiterhin darben. Wenn die Landesregierung nicht bald ihre rigiden Sparmaßnahmen den öffentlich Bediensteten gegenüber aufgibt, steuert Südtirol auf einen allgemeinen Personalnotstand zu, der die Bereiche Bildung, Pflege und Verwaltung hart treffen wird. Die Zeche zahlt die Gesellschaft.