Politik | Gemeinden

Andreas Schatzer muss gehen

Der neue Gemeindenverbandspräsident Dominik Oberstaller gewinnt mit großer Mehrheit: Nach 12 Jahren übernimmt ein junger Pustertaler und warnt vor zu viel Ideologie.
Andreas Schatzer, Dominik Oberstaller
Foto: Seehauserfoto
  • Die Abstimmung fiel mit 66 Stimmen für Dominik Oberstaller und 41 Stimmenr Andreas Schatzer im Festsaal der Gemeinde Bozen eindeutig aus. Der 34-jährige Bürgermeister in Welsberg-Taisten übernimmt die Präsidentschaft des Gemeindenverbands nach einer zwölfjährigen Amtszeit von Schatzer, 65 Jahre alt und Bürgermeister in Vahrn. Die beiden SVP-Mitglieder lieferten sich in den letzten Tagen einem überraschenden Duell. 

    „Ich bin sehr erfreut, das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen erhalten zu haben, und möchte dem scheidenden Präsidenten Andreas Schatzer ein großes Kompliment und Vergelt’s Gott für die Knochenarbeit der letzten Jahre machen. Es ist keine einfache Rolle“, sagt Oberstaller. 

  • Dominik Oberstaller: „In manchen Gemeinden gibt es Übertourismus, in anderen ist leider fast gar nix los. Hier liegt die Schwierigkeit darin, sie alle unter einen Hut zu bringen.“ Foto: Seehauserfoto
  • Schatzer zeigt sich über das Wahlergebnis enttäuscht und lässt seine gewohnte Zurückhaltung fallen. „Ich habe bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Gegensatz zu meinem Konkurrenten nicht mobilisiert. Es ist nicht mein Stil, Leute anzurufen. Ich wollte mit guter Arbeit überzeugen, das hat leider nicht gereicht“, erklärt der scheidende Gemeindenverbandspräsident. 

     

    „Ich habe grundsätzlich keine große Freude mit ideologischen Einordnungen.“

     

    In den nächsten Wochen muss die Gemeindenfinanzierung für die nächsten zehn Jahre aufgestellt werden, erstmals werden auch Mittel der Ortstaxe aus dem Tourismus verwendet. „Es ist gut, dass die Finanzkraft der einzelnen Gemeinden anhand unterschiedlichster Faktoren ermittelt wird, um einen Ausgleich und Solidarität zwischen den Gemeinden zu schaffen“, sagt Oberstaller. „In manchen Gemeinden gibt es Übertourismus, in anderen ist leider fast gar nix los. Hier liegt die Schwierigkeit darin, sie alle unter einen Hut zu bringen.“ 

    Außerdem steht die Digitalisierung und die Erarbeitung der Gemeindentwicklungsprogramme laut dem neuen Raumordnungsgesetz an. „Der Klimaschutz und die Nachhaltigkeit müssen ein größeres Thema für die Gemeinden werden“, sagt Schatzer und wünscht seinem Nachfolger eine erfolgreiche Arbeit. 

  • Wo steht Dominik Oberstaller?

    Während Schatzer in den letzten Jahren eine gemäßigte Linie der politischen Mitte verfolgte, hat Oberstaller in Parteikreisen den Ruf, mit rechten Positionen zu sympathisieren. „Das ist eine Tendenz unserer heutigen Gesellschaft. Mit kleineren oder größeren Sprüchen punktet man heute offenbar mehr als mit guter Arbeit“, sagt Schatzer. 

    Der neue gewählte Gemeindenverbandspräsident weist diesen Vorwurf zurück. „In der Gemeindepolitik geht es nicht um links oder rechts, sondern darum etwas weiterzubringen. Ich habe grundsätzlich keine große Freude mit ideologischen Einordnungen, als Präsident sehe ich mich als Sprecher der 116 Südtiroler Gemeinden.“ Wichtig sei dabei die interne Kommunikation zwischen den Gemeinden, die digitale Transformation, auch in ländlichen, kleineren Ortschaften, und eventuelle Zusatzdienste vor Ort.