Biomethan: sinnvoll, aber begrenzt
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Der Klima Club Südtirol begrüßt das Engagement von Südtirol Gas im Bereich Biomethan. Biomethan kann für bestimmte industrielle Anwendungen, bei denen hohe Temperaturen erforderlich sind und eine direkte Elektrifizierung derzeit technisch nicht sinnvoll ist, ein Bestandteil der Energiewende sein.
Gleichzeitig ist Klarheit notwendig: Biomethan ist keine Rechtfertigung für ein Festhalten an fossilen Heizsystemen im Gebäudebereich. Die Zeit der Methangas-Heizungen geht dem Ende zu. Auch in Südtirol.
Steinzeitliche Wärmeversorgung vs. Elektrozeitalter
Schon der Mensch der Steinzeit wärmte sich direkt an der Flamme. Heute, mehrere tausend Jahre später, stehen uns hochentwickelte Technologien zur Verfügung, mit denen Wärme ohne fossile Brennstoffe, effizient und klimafreundlich bereitgestellt werden können. Wärmepumpen, Solarthermie und elektrische Systeme sind keine Zukunftsvision mehr – sie sind seit Jahrzehnten Stand der Technik.
Dass dennoch weiterhin Gas und Heizöl verbrannt werden, ist kein technologisches Problem, sondern ein strukturelles und ein politisches Versäumnis.
Wir leben längst im Elektrozeitalter. Strom ist vielseitig, effizient transportierbar und vollständig erneuerbar erzeugbar. Gas hingegen bleibt ein Energieträger, der auf Verbrennung, Verluste und komplexe Infrastrukturen angewiesen ist.
Biomethan: sinnvoll – aber gezielt
Im Bereich der Biogasanlagen besteht in Südtirol weiterhin Potenzial. Dieses wurde vor einigen Jahren erhoben und dürfte sich seither nicht grundlegend verändert haben. Das technisch nutzbare Potenzial wird auf rund 31 Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr geschätzt. Insgesamt könnten damit aber nur max. 10% des gesamten derzeit in Südtirol eingesetzten Erdgases ersetzt werden. An diesem Beispiel wird ersichtlich, dass Biomethan eine wichtige Rolle spielt, aber nicht geeignet ist, um das derzeit benötigte Erdgas für Heizzwecke zu ersetzen.
In der Wissenschaft und in Fachkreisen herrscht Konsens darüber, dass das kapillare Erdgasnetz zukünftig nicht mehr gebraucht wird. Es herrscht Konsens darüber, dass es für Industriezentren ein sogenanntes „Kernnetz“ geben wird, um Industriezweige mit gasförmigen Brennstoffen zu versorgen, bei denen eine Elektrifizierung nicht möglich ist. Das kann in Teilen z. B. auch Biomethangas, Wasserstoff oder Derivate dessen sein. Was außerdem sehr wichtig ist zu erwähnen: ab 01.01.2028 tritt der Europäische Zertifikathandel auch für Heizung und Verkehr in Kraft. Aus diesem Grund wird sich Heizen mit Methangas ab diesem Zeitpunkt automatisch verteuern.
Auch aus sozialer Perspektive sollten deshalb alle, die es können, so schnell wie möglich aus der Gasversorgung aussteigen. Das Land stellt Förderungen (bis zu 80%) zur Verfügung, um den Ausstieg aus dem Gas zu unterstützen. Ein positives Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen der Bioenergie Genossenschaft in St. Lorenzen und Dolomites Milk in Vintl zur Lieferung von Biomethan, unter Beteiligung von Alperia und Südtirolgas. Biomethan ist zu wertvoll, um es in ineffizienten Heizsystemen zu verbrennen. Es gehört dort eingesetzt, wo es wirklich gebraucht wird: in industriellen Prozessen, für die es aktuell kaum Alternativen gibt oder als Langzeitspeicher für die Produktion von Strom, in Zeiten, in denen es zu wenig Wind- und Solarstrom gibt.
Der Wille zur Wärmewende ist da
Die Mehrheit der Südtirolerinnen und Südtiroler hat erkannt, dass eine Wärmewende notwendig ist – ökologisch, ökonomisch und sozial. Als wohlhabende Region tragen wir eine besondere Verantwortung, diesen Wandel aktiv zu gestalten und nicht weiter aufzuschieben.
Dass dieser Wandel dennoch gebremst wird, liegt nicht am fehlenden gesellschaftlichen Rückhalt, sondern daran, dass einige weiterhin am fossilen Geschäftsmodell festhalten. Es darf nicht länger darum gehen, bestehende Einnahmequellen einzelner Akteure zu sichern, sondern darum, eine lebenswerte Zukunft für alle zu gewährleisten.
Klare Position des Klima Club Südtirol
- Ja, zur Reduktion des Energieverbrauchs durch Gebäudedämmung und durch den Einsatz von effizienten Heizsystemen.
- Ja, zu Biomethan für schwer elektrifizierbare Industrieprozesse.
- Ja, zu Wärmepumpen, Solarenergie und Effizienz als Standardlösungen.
- Ja, zu Förderungen, die messbare Reduktionen fossiler Energie belohnen.
- Ja, zum Erhalt eines „Kernnetzes“ und der Versorgung großer Industrieanlagen mit klimaneutralen Brennstoffen.
- Ja, zur Stilllegung des kapillaren Gasnetzes und Senkung der damit einhergehenden Kosten.
- Nein, zu neuen Gasheizungen und zum Festhalten an fossiler Wärme im Gebäudebereich.
Der Klima Club Südtirol ist überzeugt: Eine sozial gerechte und breit mitgetragene Wärmewende ist möglich. Dafür braucht es jedoch den Mut, alte Denkweisen hinter sich zu lassen und das fossile Zeitalter zu beenden.
Diesem Befund des Klimaclubs…
Diesem Befund des Klimaclubs zum Potenzial von Biomethan und zur am Ende bezogenen Position kann man nur zustimmen. Was soll man allerdings das e-fuel einschätzen, das immer wieder auch für die Gebäudewärme ins Spiel gebracht wird? Gibt es nicht auch bei uns Bemühungen, das Gasleitungsnetz „H2-ready“ aufzustellen, um sogar in Zukunft Wasserstoff einzuspeisen? Die Gemeinden scheinen übrigens in der Sache ein doppeltes Spiel zu spielen. SüdtirolGas, getragen zu 51% von der gemeindeeigenen Selfin, setzt sich einerseits für fossilarmes Biogas ein; zum anderen fällt SüdtirolGas dem Land in den Rücken, wenn es in Erfüllung der EU-Normen eine Mindestquote für erneuerbare Energie bei der Gebäudeheizung einführen will. Und hat damit vor Gericht sogar Erfolg, wie heute in den Medien zu lesen. Die Gemeinden haben auch kein Problem damit, den Klimaschutz mit ihrem Drängen auf tausende weiterer Gästebetten indirekt zu unterlaufen. Oder wird die ganze zusätzliche Hotelkubatur mit Wellnessanlagen nur mit Biomethan beheizt?