Politik | fake news

Wer verbreitet hier „Fake News“?

Die Frage, wer denn nun „Fake News“ verbreitet, stellt sich nach Nutzung der "umfassenden Informationen" des Landes Südtirol und des Südtiroler Sanitätsbetriebs.
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le garanzie delle iniezioni
Foto: bo

Am 28.2.2021 las ich in der Neuen Südtiroler Tageszeitung: „Vorsicht vor Fake News“ – Die Neue Südtiroler Tageszeitung (https://www.tageszeitung.it/2021/02/28/vorsicht-vor-fake-news/). Dort stand: „Erneut verunsichert eine Reihe irreführender Informationen in sozialen Netzwerken viele Menschen.“ Und LH Arno Kompatscher meinte in diesem Artikel in einem Interview „Sie gefährden den Zusammenhalt und das Vertrauen, die gerade jetzt zur Überwindung der Krise nötig wären.“
Weiters war dort zu lesen: „Das Land Südtirol und der Südtiroler Sanitätsbetrieb bieten auf ihren Internetseiten umfassende Informationen zum Thema Coronavirus und Coronaschutzimpfung an. Auch beim Bürgertelefon unter der Grünen Nummer 800 751 751 erhält man von 8.00 Uhr bis 20.00 gesicherte Informationen bzw. kann Fragen deponieren, damit diese geklärt werden.“
Ich hatte das Angebot angenommen und rief überall an, mehrfach:
- bei der Grünen Nummer, der Covidstelle,
- beim Mikrobiologischen Labor und
- bei den Leiter*innen des Hygiene-Amtes.
Dabei waren sie nicht immer erreichbar, ich wurde weiterverwiesen – oft auch fälschlich.
Der erste Anruf erfolgte am 24.2., der letzte am 11.3.2011. Und was rauskam, lässt die Frage, wer denn nun „Fake News“ verbreitet, legitim erscheinen:

Wie erhalte ich eine Maskenbefreiung?

Auch bei der Frage zur Maskenbefreiung ist das, was ich als Antwort bekam, wohl weit entfernt von einer „gesicherten Information“:
- Wenn man die Maske nicht vertrüge, könne man sich vom Hausarzt ein Befreiungs-Zeugnis ausstellen lassen. Gründe für die Befreiung können eine Krankheit oder Allergie sein, aber auch nur, dass man nicht gut unter der Maske atmen kann oder sonst Beschwerden hat, also dass man die Maske nicht verträgt. Was genau auf dem ärztlichen Zeugnis stehen muss, sei weit gefasst, das stehe nirgends genau. Es sei Entscheidung vom Arzt, was er hinauf schreibt.
- Man könne sich vom Hausarzt ein Befreiungs-Zeugnis ausstellen lassen. Bei mental bedingter Unverträglichkeit sei es die Entscheidung vom Arzt, an einen Psychologen zu verweisen.
- Es sei wichtig, dass der Arzt aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst komme. Bescheinigungen von privaten oder ausländischen Ärzten seien nicht gültig, und als Gründe kämen Pathologien infrage, die es kontraindizieren, oder eine psychiatrische Störung. Atembeschwerden seien nicht ausreichend.
- Die Masken seien sehr gut verträglich und würden keine Schäden und keine großen Risiken verursachen.

FFP2-Masken: welche und wo sind sie zu verwenden?

Auf diese Frage erhielt ich unterschiedliche und höchst verwirrende, sonderbare Aussagen:
- Die FFP2-Masken bekäme man überall zu kaufen, in Supermärkten, Apotheken, Tabak-Trafiken. - Sie müssen nicht vom Arzt angepasst werden.
- Sie müssen auch nicht auf deren Wirksamkeit getestet werden.
- Eine Tragezeit-Beschränkung, wie im Arbeitsrecht vorgesehen, scheint beim Hygienedienst unbekannt zu sein.
- Man höre von einer Beschränkung von 6-8h, aber für genauere Info müsste man den eigenen Hausarzt fragen.
- Es sei keine Pause vorgesehen, weil man sonst doppelt so viel Personal bräuchte.
- FFP2-Masken müssten in allen geschlossenen Räumen verwendet werden.
- Es gäbe für Lehrer eine Ausnahme, falls die Schule die FFP2-Masken nicht zur Verfügung stelle.
- Es sei nicht sicher, ob das Lehrpersonal eine FFP2-Maske tragen müsse.
- Die Pflicht für FFP2-Masken gälte an allen öffentlichen Arbeitsplätzen, aber im öffentlichen Gesundheitswesen nur in bestimmten Abteilungen (Covid-Stationen, Notaufnahmen, immungeschwächte Stationen). Bei einem gemeinsam benutzten Büro der Sanität brauche es keine FFP2-Maske, sonst aber schon.
- Die FFP2-Maske schütze nicht nur die anderen vor einer Ansteckung, sondern auch den Träger selber, und dies sogar vor den Mutationen.

Information zu den Covid-Mutationen

Zu den Covid-Mutationen gab es genauso sonderbare und widersprüchliche Auskünfte:
- Zum Herausfinden der Mutationen brauche es normale Schnelltests, die dann nach Österreich geschickt werden würden.
- Zum Herausfinden der Mutationen brauche es PCR-Tests, die dann nach Rom geschickt werden würden.
Wie diese von den Tests, egal welcher Natur, herausgefiltert werden, um abgeschickt zu werden, das konnte niemand beantworten…
- Diese Mutationen seien zwar ansteckender, aber die Symptome seien die gleichen wie beim normalen Covid19.
- Es gibt keine Informationen zu den Covid-Mutationen, dafür müsse man die Sanitätseinheit kontaktieren.
Daraufhin frage ich – neben der südafrikanischen Covid-Mutation – nach der „israelischen“ eine die ich im Moment des Telefonats frei erfunden hatte.
- Momentan gäbe es keine Fälle mit der israelischen Covid-Mutation und Gottseidank nur wenige mit der südafrikanischen Covid-Mutation. (Diese Info erhielt ich gleich zweimal!)

Wer verbreitet hier Fake News? Wie wissenschaftlich, wie kompetent sind die zuständigen Stellen und Informationsschalter des Landes?

Ich lade dazu ein, dass mal jemand einen Versuch macht, um „gesicherte Informationen“ zur Impfung zu erhalten. Was da wohl herauskommt?

Noch eine Info zum Schluss: Alle meine Anrufe habe ich aufgenommen und transkribiert.