Politik | Eiertreter*in

Wir sollten mehr Kochhütte wagen

Ich bin fassungslos angesichts des Kesseltreibens wegen einer Kochhütte. Anscheinend sieht niemand den visionären Plan, den der Urbanistik-Peter mit seinem Immobiliendeal verfolgt.
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Verfallene Almhütte
Foto: Duman Shaker auf Unsplash
  • Gott! Was für ein Gewese. Jetzt kriegt euch mal wieder ein. So ein Zeter und Mordio wegen einer Kochhütte. Wer noch nie eine Ehe für eine Wohnbauförderung geschlossen hat, einen unbewohnbaren Dachboden bewohnt, das halbe Grödner Hotel hinter einer Gipswand versteckt hat, werfe den ersten Stein. In einem Land wo Höfe für eine Villa im Stangeobst geschlossen werden, die weichenden Erben in Wengen mit einer Mikrowohnbauzone ausbezahlt und 5-Sterne-Hotels wegen der Lage, der Lage, der Lage, mitten ins Grüne von Mellaun betoniert werden, sind Kochhütten um 370.000 Euro Peanuts. Habt euch nicht so. Bei uns werden zugeschüttete Bausünden an Seilbahnstationen mit 11 Millionen Steuergeld bezuschusst.

  • Konflikt

    Viel schlimmer ist der mögliche Titanenkampf, wenn 2028 eine neue Landesregierung gebildet werden muss. Da geht’s um die Zukunft ganz Südtirols. Nein, nein, nein. Ich spreche nicht davon, wer den Titel „Betonierer des Landes“ tragen darf: Der Beton-Peter oder der Beton-Daniel? Sondern wer übernimmt das Ressort für Kochhütten? Beide Landesräte haben ja einschlägige Erfahrung in der Materie, auch wenn die Danielsche Kubaturverschiebung schon etwas zurückliegt. Also wer soll sich um die Verschiebung/Unterkellerung von Hütten/Stadl/Schupfen nach 2028 kümmern?
    Meine Präferenz tendiert eher zum Peter. Nicht nur wegen der Eleganz, mit der diese Immobilienoperation beispielgebend durchgeführt wurde. Der Peter wird ja ganz heiß als LH-Nachfolger gehandelt und da bekäme die Ansiedlung des Ressorts Kochhütte ein ganz anderes politisches Gewicht. Beim Daniel bestünde die Gefahr, dass die Kochhütte neben untertunnelten Umfahrungen, erhöhten Kreisverkehren und 15-Minuten-sparenden-Eisenbahnbrücken ein Mauerblümchendasein fristen könnte - schon alleine deshalb, weil so eine Unterkellerung mit einer Maltamaschinfüllung zu bewerkstelligen ist. 
    Ganz anders beim Peter. Wenn die Amtszeit von Landesfürst Luis I. unter dem Stern der Vereinshäuser, Feuerwehrpaläste und Felsenkeller firmierte, die drei Legislaturen vom beleidigten Arno, als die Jahre der privaten Seilbahnen in Tiers/Schnals/Lana in die Geschichtsbücher eingehen werden, ja dann könnte die Landeshauptmannschaft des geadelten „Peter von Brixen“  im Zeichen der Kochhütte stehen: Jedem Südtiroler, jeder Südtirolerin eine Kochhütte. Sie nennen einen Tigermücken-verseuchten Garten ihr Eigentum, ein Carport, eine Dachterrasse? Dann sollte einer Kochhütte nichts im Wege stehen. Wer nur einen Balkon hat, könnte seine Kochhütte aus Photovoltaik-Paneelen bauen und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Balkonkraftwerkskochhütte.
    Die Förderung seitens des Landes wäre natürlich von der EVEE abhängig, und die Größe an die Quadratmeterfläche des Gartens gebunden (ohne Hochbeete), denn bei uns hat alles seine Ordnung und die Raumumordnung eine Bestimmung für jede Variante. Für meine 20 Quadratmeter WOBI-Grün käme deshalb nur ein Gartenhäuschen für eine Segnes und einen Rechen in Frage. Sie wissen schon, die drei Bretter Holz zum Selberbauen vom Baumarkt. Nach dem Motto: Für WOBI nur OBI.

  • Vision

    Das Schöne an dieser Initiative ist, dass sie total demokratisch aufgestellt wäre. Für einmal Lohnerhöhung und Inflationsausgleich nicht nur für Volkstreter sondern Kochhütten für alle, also fast: Als das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) im März 2024 erstmals die Wohnungssituation in Südtirol anhand der Gemeindeimmobiliensteuer (GIS)-Daten untersucht hat, kam es zum etwas verquast formulierten Schluss: „In fast allen Fällen (88,5%) verfügen die Steuerpflichtigen über das Eigentumsrecht an ihren Wohnungen“, will sagen: Fast neunzig Prozent der Doigen, sind Herr oder Frau der eigenen vier Wände. Ergo: Kochhütten everywhere! Der wirkliche Clou kommt dann aber erst. Die Hütte muss ja verschoben werden. Also ich würde meine zum Sepp verschieben, der Sepp zur Mitzi und die Mitzi zurück zu mir. Na, Moment! Der Sepp hat für 900 Euro im Jahr ein paar Quadratmeter Schrebergarten in Afing gemietet. Der will meine Kochhütte sicher dorthin verschoben haben. [Thinking Face Emoji not available]. Die Hütte bekomme ich nie und nimmer in meine Knutschkugel. Nicht mal, wenn ich die Fleckn aus dem Schiebedach ragen lasse. Merda! Das muss man 2x schreiben: Merda! Die Kochhütte könnte nämlich gleichzeitig unsere Wohnungsknappheit mit einem Schlag lösen. Das Vorzeigemodell auf der Lüsner Alm soll ja 3,5 Räume und 44 Quadratmeter haben. Perfekt zugeschnitten für eine fünfköpfige, marokkanische Familie in Kurtinig. Extrapoliert man diesen Gedanken weiter, könnte in der zu mir verschobenen Hütte der Mitzi ein Single ohne Familiennachzug wohnen. Kapito? Vorausgesetzt er schafft es aufrecht stehend zu schlafen. Für fließend Kaltwasser würde ich sogar den Gartenschlauch dorthin umlenken. Parola di Goggel Totsch.

  • Mission

    Zusammengefasst: Es ist weder verwerflich, noch moralisch anrüchig, wenn sich der Nicht-Bauer über eine bauernschlaue Immobilienoperation eine Kochhütte kauft. Das ist total vorausschauend. Also auch dahingehend, für wie dumm man die Südtiroler Wähler verkaufen kann. Ob nach der Mikrowohnbauzone vom Manni aus dem schönen Gadertal, schon so was wie ein Gewöhnungseffekt zu beobachten ist? Beim Manni hat’s ja mit der Wiederwahl nicht so geklappt. Möglicherweise ist man beim Peter schon abgehärteter? Ist der Ruf erst… Ich schweife ab.

    Da kommt mir ein Gedanke. Vielleicht sehen wir das alles falsch und das politische Harakiri unseres Raumunordners ist in Wirklichkeit ein Hilferuf? Der Peter - nomen est omen - Opfer des Peter-Prinzips? Die These des kanadisch-US-amerikanischer Professors Laurence J. Peter sagt Ihnen nichts? „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“ Demzufolge hätte der ehemalige Bürgermeister mit der Beförderung zum Landesrat seine ganz persönliche Stufe der Unfähigkeit erreicht. Dafür gibt es Zeichen. Wenn man sich so umhört, soll der Peter ja ein reiner Schönwetterlandesrat sein, der sich sofort wegduckt, wenn Scheiße im Anflug ist. Da sei er dann für niemanden mehr erreichbar. Da stellt sich mir die Frage: Haben die sogenannten Maurer Drei Wiesen in Lüsen Handyempfang?
    Damit würde sich der Kreis schließen: Nach eineinhalb Jahren im Amt hat der Landesrat seine Defizite wohl selbst erkannt und sucht nun krampfhaft nach einem Skandal, damit man ihn in den Pfaffenmief der Bischofsstadt zurückschickt?

    Um ehrlich zu sein, mag ich das alles nicht glauben. Ebensowenig wie den Vorwurf, früher hätte die Mutterpartei Bauernschläue dazu verwendet die Römer über den Tisch zu ziehen, die jetzige Politikergeneration verwende sie ausschließlich zum eigenen Nutzen. Der Peter denkt als einziger an uns alle - an unser aller Kochhütten. Und hört auf mit irgendwelchen Rücktrittsforderungen. Spätestens seit der, dessen Name ich niemals nenne, es vorgezogen hat, sich als Landsrat rauswerfen zu lassen, statt gesichtswahrend seinen Hut zu nehmen, dürfte klar sein, dass die Rücktrittskultur in diesem Land ausgesessen wird. Eure moralische Entrüstung könnt ihr Euch stecken. Neidhammel seid ihr, nichts weiter. Da gebe ich dem Fraktionsvorsitzenden von „Wir Bürger“, aus dem schönen Kastelruth hundertpro recht. Ihr habt weder die Fantasie, die Chuzpe und schon gar nicht die Knete für ein Wochenenddomizil mit Aussicht. Erinnert euch an die weisen Worte vom Silvius (Gott hab ihn selig): Lei nit rogeln! Die noch weiseren Worte vom Goggel Totsch: Fresse halten! Ich will keine weiteren Artikel im Revolverblatt, kein Nachfragen seitens der linksversifften Grünen, keine Rücktrittsforderungen, keine Querschüsse wegen des digitalen Flori. 
    Ich will nach 2028 so ein Kochhüttending in meinem Garten stehen haben, um dann spätestens 2029 den Kubaturbonus für die energetische Sanierung in Anspruch nehmen zu können. Zusammen mit dem neu zu bauenden Wintergarten und der Erweiterung des Kellers unter der gesamten Gartenfläche (zählt bekanntlich nicht zur Kubatur).
    Vorbei an den Schnarchnasen im WOBI wohne ich dann mit meinen zwei Laggl ab 2030 doppelt so komfortabel. Dann auf 88 Quadratmeter, statt wie jetzt 44.