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Politik | Pro&Contra

Heuchlerische Brandmauer

Heu·che·lei: Verstellung; Vortäuschung nicht vorhandener Gefühle, Eigenschaften o. Ä.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Ziegelmauer
Foto: Pixabay
  • Wikipedia:

    Heuchelei (Hypokrisie) bezeichnet das Sich-Verstellen zum Vortäuschen nicht vorhandener Gefühle, Eigenschaften oder Ähnlichem. Das zugrundeliegende Verb heucheln stammt ursprünglich vom unterwürfigen ducken und kriechen (mittelhochdeutsch hūchen) des Hundes ab und wurde auf vorgespieltes, schmeichelndes Verhalten übertragen.“

    „Der Begriff „Brandmauer“ wird in der deutschen Politik als Metapher benutzt, um eine unüberwindbare Abgrenzung von etablierten Parteien gegenüber extremistischen oder radikalen politischen Kräften zu bezeichnen.“

    Die Verbindung der zwei Begriffe drängt sich mir auf, wenn der Fraktionssprecher der SVP Harald Stauder die Brandmauer einfordert. So geschehen in der Sendung Pro&Contra ab Minute 09:15, als er vom Moderator gefragt wird, wie man mit den rechtsextremen Parteien wie der AfD umgehen soll.

    „Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken“ kommt mir da noch in den Sinn, wäre es doch heimlich und nicht vor aller Öffentlichkeit… die Sauferei in der Landesregierung mit den rechtsextremen Kräften, dem italienischen Pendant zur AfD.

    Schwer beschädigt wird die Integrität und Glaubwürdigkeit der Volkspartei, widerspricht das Gesagte so sehr dem Gelebten. Holt man doch auf dieser Seite des Brenners die Postfaschisten in die Landesregierung und ruft auf der anderen zur Abgrenzung gegen die deutsche Rechte auf.

    Glaubt man selbst an die geäußerten Werte und lebt nicht in diesem Sinne, spricht man von Doppelmoral. Bezeichnet man Werte als richtig, obwohl man selbst nicht daran glaubt, von Heuchelei. Schier unmöglich scheint mir beim Verhalten der SVP die Differenzierung zwischen diesen zwei Attributen.

    Der Begriff „Brandmauer“ wird vielleicht zum Unwort des heurigen Jahres gewählt. Heuchlerisch kann die Mauer aber nicht sein, das bleibt den Menschen überlassen.

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nobody Mi., 26.02.2025 - 21:01

Von 10 auf 20 Prozent. Vielleicht wären alle Parteien gut beraten, bei ihrem Tun auch an die Wähler zu denken. Die deutsche und auch europäische Wirtschaft geht nach unten und die Eurokraten leben ihren Kontrollwahn aus ohne zu bedenken, dass genau diese Wirtschaft, die sie mit unsinnigen Bestimmungen piesacken, ihre Gehälter generiert.

Mi., 26.02.2025 - 21:01 Permalink
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Profil für Benutzer Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler Mi., 26.02.2025 - 21:18

Antwort auf von nobody

Diese geistreiche Wortmeldung ändert nichts an der Doppelmoral und der Heuchelei des Herrn Harald Stauder bzw. der gesamten SVP. Wenn Herr Stauder der Meinung ist, das lediglich der Erfolg zählt und dass man dafür Moral, Ethik und was es sonst noch solchen Tugenden geben sollte, einfach in die Mülltonne werfen kann, dann soll er das offen sagen. Dann wäre er mindestens kein Heuchler und es bliebe nur noch die Doppelmoral an ihm hängen.

Mi., 26.02.2025 - 21:18 Permalink
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Milo Tschurtsch Mi., 26.02.2025 - 22:15

Schon interessant wie einig sich Herr Stauder mit Frau Foppa in der Ausgrenzung bestimmter Wählerschichten ist ( 10 Millionen) ist wenn er auch versucht die Parteien und die Wähler nicht gleichzusetzen. Was übersetzt heißt : Ihr bedauernswerten Wahlschafe habt zwar millionenfach die AFD gewählt, das meint ihr aber nicht ernst, denn die Inhalte der Partei bzw. deren Gesinnung hat nicht wirklich mit euch etwas zu tun, ihr seid bloß auf Propaganda (millionenfach) hereingefallen. Ihr seid arme Getäuschte.
Denn für die Lösung eurer Probleme sind nur wir zuständig, also kommt ganz schnell zu uns zurück. Wir werden etwas für euch tun (fragt sich nur wieso sie es bisher versäumt haben).
Aber das Gesäusel ist umsonst, ein bestimmter Teil der Wähler traut den Sirenengesängen nicht mehr, da hilft kein auch kein "Nazi-framing" mehr.
Wobei die Heuchelei wie im Artikel beschrieben kaum auffälliger sein kann.

Mi., 26.02.2025 - 22:15 Permalink
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Peter Gasser Do., 27.02.2025 - 06:39

Zitat: “Aber das Gesäusel ist umsonst, ein bestimmter Teil der Wähler traut den Sirenengesängen nicht mehr...”:

das ist gut; Sie verstehen analog dazu dann mit Sicherheit, dass der weit größere Teil der Bevölkerung, etwa 80%, dem Wolfsgeheule im Schafspelz der leicht braun bis übel riechenden Rechtsextremen nicht trauen.
Sie verstehen das dann auch, und akzeptieren, dass dies die große Mehrheit ist?

Do., 27.02.2025 - 06:39 Permalink
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Cicero Fr., 28.02.2025 - 07:53

Das Brandmauer Gefasel ist bald nicht mehr auszuhalten, ebenso das Gerede von demokratischen Parteien, welches suggeriert, dass die "Anderen" nicht demokratisch wären. Wahlen und die daraus resultierende Zusammensetzung von Parlamenten spiegeln den Wählerwillen wider. Wenn man sich diesem konsequent verschließt oder die abenteuerlichsten Verrenkungen unternimmt um gewisse Parteien von der Regierung fernzuhalten, dann kann man das durchaus machen, ist auch legitim, nur muss man mit den eventuellen Konsequenzen auch leben.

Fr., 28.02.2025 - 07:53 Permalink
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Herta Abram Fr., 28.02.2025 - 08:30

Antwort auf von Cicero

Cicero,
der Philosoph Walter Benjamin in seinem großartigen Aufsatz „Der destruktive Charakter“:
In ihm schreibt er: „Der destruktive Charakter ist jung und heiter. Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenes Alters aus dem Weg räumt; es heitert auf, weil jedes Wegschaffen dem Zerstörenden eine […] Reduktion […] des eigenen Zustandes bedeutet.“ Benjamin schreibt darüber, wie der destruktive Charakter die Welt im Hinblick auf ihre Zerstörungswürdigkeit überprüft und wie ihm für einen Augenblick der leere Raum, der Platz, wo das Ding gestanden, das Opfer gelebt hat, einen Zustand tiefster Harmonie verschafft: „Dem destruktiven Charakter schwebt kein Bild vor. Er hat wenig Bedürfnisse, und das wäre sein allergeringstes: zu wissen, was an Stelle des Zerstörten tritt.“
Dem destruktiven Charakter schwebt das Bild des Anderen nicht vor. Daher kennt er weder den Konflikt noch den Waffenstillstand. Der Konflikt anerkennt die Existenz des Anderen, der Waffenstillstand ebenso. Der destruktive Charakter hat das nicht notwendig. Er löscht den Anderen aus und findet darin einen kurzen Frieden.
Walter Benjamin hat den Aufsatz „Der destruktive Charakter“ übrigens in Berlin geschrieben, im Jahr 1931, zwischen den beiden Reichstagswahlen im September 1930 und im Juli 1932. Das nur zur historischen Einordnung.
lesenswert: https://www.falter.at/zeitung/20250204/gesindel-schmuckzeile
Wie aber erklärt man Kindern, wenn destruktive Charaktere - wie Trump, Putin, usw. - das Sagen haben?

Fr., 28.02.2025 - 08:30 Permalink
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Cicero Fr., 28.02.2025 - 10:47

Antwort auf von Herta Abram

Wie man Kindern erklärt, dass Trump und Putin das Sagen haben? Der eine ist ein autoritärer Ex-KGB Agent, der Ende der 90er von einem senilen Ex-Präsidenten inthronisiert wurde, die Chance erkannt hat und mit harter Hand eine De Facto Diktatur geschaffen hat und realistischerweise solange herrschen wird, wie es seine Gesundheit zulässt. Der andere ist ein genialer Demagoge, der es geschafft hat mit simplen, teils wahren, teils unwahren, in jedem Fall aber knallhart populistischen Aussagen die älteste Demokratie der Welt gleich zweimal zu überzeugen ihn zu wählen. Im zweiteren Fall gibt es zumindest die Hoffnung, das es nach 4 Jahren wieder einen Richtungswechsel gibt.

Fr., 28.02.2025 - 10:47 Permalink
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Peter Gasser Fr., 28.02.2025 - 09:13

Antwort auf von Cicero

Zitat: “ ... um gewisse Parteien von der Regierung fernzuhalten...”m
dieser Satz suggeriert, hier werde eine Partei mit festgelegten Regulativen “von der Regierung ferngehalten”: das ist nirgends zu finden, dazu gibt es keinen Beleg.
In der BRD hat es schon Wahlergebnisse von Parteien mir 30%, auch 40%, ja gar mehr als 40% gegeben, und diese kamen nicht in die Regierung, wird das ausgeblendet?
Zudem gibt es zum aktuellen Fall der AFD Umfragen, wonach sogar 40% der AFD-Wähler (bei der CDU sind es in Bezug auf die AFD über 80% die dies nicht wollen) nicht wollen, dass die AFD in die Regierung kommt! Wird halt ausgeblendet (dass dann nur noch diese üblichen 10% bleiben - und diese sollen den “Wählerwillen” repräsentieren, was auch immer das sein soll?

Fr., 28.02.2025 - 09:13 Permalink
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Cicero Fr., 28.02.2025 - 10:38

Antwort auf von Peter Gasser

Stimmt alles was Sie schreiben. Wer 50+1 in einem Parlament zusammenbekommt hat das sagen und ist demokratisch mehr als legitimiert, egal ob es eine absolute Mehrheit einer Partei ist oder eine Koaltion aus fünf Parteien.

Ich stelle mir eine grundsätzlichere Frage. Wie lang kann es gut gehen, wenn eine CDU in Deutschland sich maximal verbiegen muss, um mit SPD oder irgendwann vielleicht auch mit SPD und Grünen einen Konsens zu finden der eine Regierung tragen kann. Vielleicht dreht der Zeitgeist wieder auf links und eine sozialdemokratische CDU alà Merkel regiert relativ problemlos mit Mitte-links Partnern, passiert das aber nicht, dann viel Vergnügen mit den nächsten Wahlergebnissen der AFD.

Fr., 28.02.2025 - 10:38 Permalink
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Milo Tschurtsch Fr., 28.02.2025 - 13:05

Antwort auf von Cicero

Genau darauf setzt der kluge Kickl in Österreich.
Er hat auf ein Kanzleramt verzichtet (obwohl das viele lukrative Posten für seine Parteigenossen bedeutet hätte) in einer Koalition in der die ÖVP ihm die Ministerien diktieren wollte und offensichtlich nie ernsthaft daran interessiert war eine FPÖ-ÖVP Koalition zu schmieden und er somit zur sehr einer eingeschränkter Handlungsfähigkeit und schlussendlich zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken wäre.
Stattdessen lässt er die "Einheitspartei" der anderen koalieren und schaut zu wie sie sich zunehmend verbiegen müssen um den (mehr werdenden) Partnern gerecht zu werden.
Bleibt der Zeitgeist auf Rechts hat er das nächste Mal Chancen, dass sich die Brandmauer erübrigt, dreht der Zeitgeist wieder auf Links ist er mir seiner Partei eh wieder im Abseits.
Das kommt dann auf die Wähler an, ob sie mit den Leistungen der Regierung zufrieden gestellt werden können oder nicht.
Inzwischen kann er in der Opposition den Finger in die Wunden legen, bzw. nicht erfüllbare Wünsche seiner Wähler und auch die der Wähler der anderen Parteien aufzeigen, sowie (da er die anzahlmäßige Stärke hat) Untersuchungsausschüsse zu Themen seiner Wähler im Parlament einbringen usw.
Mir scheint klug längerfristig gesehen klug gehandelt.

Fr., 28.02.2025 - 13:05 Permalink
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Manfred Gasser Fr., 28.02.2025 - 14:27

Antwort auf von Milo Tschurtsch

"Inzwischen kann er in der Opposition den Finger in die Wunden legen, bzw. nicht erfüllbare Wünsche seiner Wähler und auch die der Wähler der anderen Parteien aufzeigen...."
Aufzeigen kann er in der Opposition immer, auch nicht Erfüllbares. Aber kann er das dann erfüllen, wenn es nicht erfüllbare Wünsche sind?

Fr., 28.02.2025 - 14:27 Permalink
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opa1950 Fr., 28.02.2025 - 09:19

Man muss sich schon fragen ob die SVP die richtige Partei ist in der Stauder verkehrt ? Eher wohl nicht. Aber mit einer anderen Partei wäre er wohl nie gewählt worden.

Fr., 28.02.2025 - 09:19 Permalink