Die Freiheit, die ihr meint
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Liebe Anhänger der Süd-Tiroler Freiheit,
ich hab da mal ein paar Fragen. Ganz ernsthaft – ich schreibe euch nicht, um zu frotzeln oder zu schulmeistern. Aber da gibt es ein paar Dinge, die gehen mir einfach nicht in den Kopf. Vielleicht könnt ihr helfen?
Zuallererst muss ich euch was zeigen: „Die Ideale, auf denen die Bewegung insgesamt fußt, sind Freiheit, Demokratie, Patriotismus ( = Geschichts‑, Traditions‑ und Identitätsbewusstsein), christliche Werte, Rechtsempfinden, ehrliches und gleichberechtigtes Miteinander, Antifaschismus, Antirassismus, die Würde des Menschen sowie die Ablehnung jeglicher autoritärer Ideologien.“
Kommt euch bekannt vor? Ja, das stammt aus eurer Satzung. Genau wie das auch:
„Das Wirken der “SÜD-TIROLER FREIHEIT – Freies Bündnis für Tirol„ orientiert sich an den Grundsätzen der Menschenrechte.“ Und das: „Insbesondere gelten die Gleichbehandlung und die Förderung von Frauen, der Jugend, der Menschen mit Behinderung sowie das Verbot jeglicher Diskriminierung.“Das klingt doch alles recht vernünftig. Man kann zu eurer Idee vom Freistaat und der Loslösung von Italien stehen wie man will, euch sei sie unbenommen, aber was da geschrieben steht von der Wahrung der Menschenrechte und gegen Diskriminierung: Also das ehrt euch, dass ihr das so betont.
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Betont habt. Weil, was ist denn da passiert in den letzten Jahren? Anscheinend haben einige eurer aktuellen Exponenten diese Satzung ja noch nie zu Gesicht bekommen oder das „Anti“ schlicht und einfach überlesen. Eine Eva Klotz hat sich meines Wissens nie abfällig, ja gar gehässig über Ausländer oder Menschen, die nicht ins Männlein/Weiblein/hetero-Schema passen, geäußert. Aber gewiss, Frau Klotz ist auch eine Dame.
Euer aktuelles Aushängeschild hingegen lässt keine Gelegenheit aus, Stimmung gegen Ausländer zu machen. Er meine bloß die kriminellen, behauptet Sven Knoll zwar, aber wenn es ihm nur um die Sicherheit geht, weshalb wettert er dann nicht generell gegen Kriminelle? Egal, ob in- oder ausländisch? Wieso stellt er alle Zuwanderer unter Generalverdacht, indem er immer und immer wieder die Herkunft betont? Ist das der oben genannte Antirassismus?
Und was bringt eine Melanie Mair, Vorsitzende eurer jungen Bewegung, dazu, zu fordern, Südtirol DÜRFE NICHT bunter und diverser werden? Als Reaktion darauf, dass die SH-Vorsitzende sich diesbezüglich für mehr Offenheit in unserer Gesellschaft ausgesprochen hat? Ja findet ihr das wirklich alle okay? Südtirol darf nicht bunter und diverser werden? Wovor zum Geier fürchtet ihr euch? Toleranz?
Gay okay, aber nur wenn die Lederhose ins Bierzelt passt?
Ich kann nicht glauben, dass ihr alle einfarbig und hetero seid. Freistaat wollen und queer queer sein lassen, schließt sich das denn gegenseitig aus? Lässt das euer Weltbild nicht zu? Habt ihre keine Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, ja Kinder, die andere Lebensentwürfe als die traditionelle Mann-Frau-zwei Kinder-Konstellation verfolgen? Habt ihr keine schwulen, lesbischen, nonbinären, genderfluiden, transsexuellen Mitglieder, ja vielleicht sogar in den oberen Rängen? Gibt’s das bei euch einfach nicht, sodass man kategorisch ausrufen kann, es dürfe nicht mehr werden? Oder müssen die sich einfach verstecken? So tun, als ob? Ins Ausland ziehen, damit sie dort sie selbst sein können? Wie traurig ist das denn.
Die Freiheit wohl im Namen tragen, sie aber anderen Menschen verwehren wollen – mit einem billigen „Ideologie“-Vorwurf. Ist das nicht auch Freiheit, dass man leben kann, wie man will, solange man niemanden damit verletzt? Weil diese suspekten Bunten keine Dirndln oder Trachtenjanker tragen – ist es das, was den Unterschied macht? Gay okay, aber nur wenn die Lederhose ins Bierzelt passt? Ich bin mir ziemlich sicher: Es wird kein Hetero plötzlich schwul werden, wenn Südtirol aufgeschlossener wird. Es wird aber viele Menschen glücklicher machen. Ist das schlimm für euch, wenn Menschen glücklich sind? Weil eure Währung längst die Ausgrenzung, die Angst, der Hass, die Hetze geworden sind? Schafft ihr es vielleicht einfach nicht mehr, Menschen für eure eigentliche Idee zu begeistern?
Ihr seht, die Fragen sind viele. Vielleicht habt ihr sie euch selbst noch nicht so gestellt. Lasst mich wissen, wenn ihr Antworten habt, die mit eurer Satzung vereinbar sind. Andernfalls schreibt die bitte einfach endlich um.
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Danke Alexandra Kienzl für diesen Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht und alle Fragen wiedergibt, welche ich mir seit einiger Zeit bzgl. der Süd-Tiroler Freiheit stelle, ja stellen muss!
Ich konnte nicht alle Positionen von Eva Klotz teilen, aber was ihre Nachfolger:innen heute veranstalten, beschmutzt zweifellos (und bestenfalls nur) ihr politisches Erbe; Schlimmstenfalls führen sie die Partei und somit einen Teil der Gesellschaft direkt in das extremistische, nationalistische und radikale Eck einer AfD 2.0. - und sie sind schon auf gutem Weg.
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Natürlich ist es möglich, die Themen Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Identität emanzipativ und postethnisch zu behandeln (vgl. www.btennerbasisdemokratie.eu).
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https://www.brennerbasisdemokratie.eu/
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Antwort auf Die Kritik an der STF ist… von Cicero
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Ja, der Eindruck, dass der Machterhalt für die Parteien zum Zweck an sich geworden ist,und die eigentliche Politik in den Hintergrund gerückt ist oder im Hinterzimmer gemacht wird, spielt Rechtsaußen in die Hände...Siehe Südtirol, Salzburg, Niederösterreich usw.
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Ich denke man muss Melanie Mairs Satz „Südtirol dürfe nicht bunter und diverser werden.“ nicht eigenständig betrachten, weil er in einem engen Zusammenhang und direten Bezug zur Aussage der SH-Vorsitzenden steht, „Südtirol müsse bunter und diverser werden.“
Beide Aussagen sind im Grunde daneben, weil Südtirol eh schon bunt und divers ist und Buntheit und Diversität für sich betrachtet weder eine gute noch eine schlechte Eigenschaft ist.
Daher ist die Diskussion eigentlich sinnlos.
Andererseits zeigen die massiven Reaktionen, dass das ein Thema zu sein scheint, das sehr viele Menschen bewegt und triggert.
Antwort auf Ich denke man muss Melanie… von Oliver Hopfgartner
Die Vorsitzende der sh hat…
Die Vorsitzende der sh hat nicht gefordert, dass Südtirol bunter werden „müsse“.
Sie hat gesagt, dass viele junge Menschen nach dem Studium nicht nach Südtirol zurück kommen weil hier hohe Lebenshaltungskosten und hohe Wohnungspreise, bei gleichzeitig niedrigen Löhnen herrschen und es einigen hier zu wenig bunt sei.
Antwort auf Die Vorsitzende der sh hat… von Ludwig Thoma
Anzi, es „auch“ Leute gebe…
Anzi, es „auch“ Leute gebe denen es zu wenig bunt sei. Die Hauptgründe also andere sind.
Antwort auf Anzi, es „auch“ Leute gebe… von Ludwig Thoma
>>weil er in einem engen…
>>weil er in einem engen Zusammenhang und direten Bezug zur Aussage der SH-Vorsitzenden steht, „Südtirol müsse bunter und diverser werden.“<<
Bedaure, das ist falsch zitiert. Korrekt ist: Frau Bahri hat den Satz „Süd-Tirol *darf ruhig* bunter und diverser werden“ gesagt. (Nicht: „muss“)
Und wer sich die Mühe macht, den verlinkten Post von Frau Mair tatsächlich anzuklicken und dort zu lesen, wird nüchtern feststellen, dass Frau Mair das auch korrekt zitiert:
„Süd-Tirol darf ruhig bunter und diverser werden“
Und dazu in ihrer eigenen Überschrift einfach kontert:
„Südtirol *darf nicht* bunter und diverser werden.“
Das eine, „darf ruhig“, ist ein Angebot, das andere, „darf nicht“, ist ein Verbot.
Naheliegendes Marketing, zumal in den eigenen Reihen viele diesen Satz gerne lesen.
Antwort auf >>weil er in einem engen… von Christoph Moar
Danke für den Hinweis des…
Danke für den Hinweis des Originaltextes.
An meiner Grundaussage ändert das allerdings nicht viel. Ich denke wie gesagt, dass man das alles nicht überbewerten sollte, denn im Kontext betrachtet wird klar, wie die Formulierung zu Stande gekommen ist.
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