Gesellschaft | Verdienstorden

Lästige Ehrung

Der Heimatbund und die Südtiroler Freiheit machen gegen den Südtiroler Verdienstorden mobil. Man ehre die „Totengräber Südtirols“.
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Foto: LPA
Orden sind eigentlich fixer Bestandteil ihrer Weltanschauung. Doch nur dann, wenn sie die Richtigen bekommen.
So kann man die Reaktion der volkstumspolitischen Rechten auf die Verleihung der Verdienstorden des Landes Südtirol beschreiben.
Am Mittwoch dieser Woche werden auf Schloss Tirol Hans Heinrich Hansen, Angehöriger der deutschen Minderheit in Dänemark, FUEN-Präsident und Initiator der Minority Safepack Initiative, die römische Autorin Francesca Melandri und Helmut Tichy von der Südtiroler Landesregierung mit dem Großen Verdienstorden des Landes Südtirol ausgezeichnet.
Helmut Tichy (Jahrgang 1958) ist einer der ranghöchsten Diplomaten Österreichs. Als Leiter des Völkerrechtsbüros ist Tichy erste Ansprechperson auf Beamtenebene, wenn es um die Lösung völkerrechtlicher Fragen betreffend Südtirol geht. „Helmut Tichy ist mit seinen umfassenden Fachkenntnissen im Völkerrecht und zusätzlich auch im Europarecht ein unverzichtbarer Berater und rechtspolitisch gewichtiger Unterstützer des Landes Südtirol. Dank seines Einsatzes konnten für Südtirols Autonomie wichtige Weichen gestellt werden“. begründet Landeshauptmann Arno Kompatscher die Ehrung.
 

Totengräber der Selbstbestimmung

 
Diese Ehrung erfolgt ausschließlich aus wahltaktischen Gründen, um die unterwürfige Politik der SVP gegenüber Rom zu bestätigen und das Selbstbestimmungsrecht ad Acta legen zu können“, kritisiert der Obmann des Südtiroler Heimatbund Roland Lang diese Ehrung.
Dem Heimatbund ist dabei vor allem Tichys Ablehnung der Selbstbestimmung ein Dorn im Auge. Anlässlich der Gedenkveranstaltung „70 Jahre Pariser Vertrag“ im November 2016 in Bozen hatte der österreichische Diplomat erklärt, dass Südtirol sein Selbstbestimmungsrecht bereits „in der Form weitgehender Autonomie“ ausübe.
Die jetzige Ehrung dient wohl eher dazu, die SVP-Politik der ständigen Erfüllung der Wünsche Roms zu legitimieren“, meint Roland Lang.
Auch dem Landtagsabgeordnete der Südtiroler Freiheit Bernhard Zimmerhofer gefällt die Ordensverleihung nicht. „Ein eigener Süd-Tiroler Verdienstorden ist völlig überflüssig“, meint Zimmerhofer.
 
Das Gesetz für einen eigenen Südtiroler Verdienstorden sei ursprünglich auf Betreiben von Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder eingeführt worden, um auch jenen Italienern eine Möglichkeit der Auszeichnung zu geben, die nicht in Südtirol ansässig sind. Weil aber auch Italiener mit dem gemeinsamen Verdienstorden des Landes Tirol geehrt werden, sei diese Ehrung überflüssig.
Dieser eigene Süd-Tiroler Verdienstorden ein reiner Parteiorden der SVP und untergräbt gleichzeitig die Tiroler Zusammengehörigkeit, indem das Trennende gefördert wird“, ärgert sich Zimmerhofer. Außerdem würde dieser Verdienstorden ad absurdum geführt, wenn sich sämtliche Träger beim Bruch des Mailänder Abkommens oder bei den verschiedenen Angriffen auf die Sonderautonomien im staatlichen RAI-Fernsehen, durch Passivität ausgezeichnet haben.
Zimmerhofer hatte bereits im im April 2014 einen Antrag im Landtag zur Abschaffung des Verdienstordens des Landes Südtirol einbebracht, der mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde.
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Karl Trojer Mo., 03.09.2018 - 11:59

So stellt sich die Frage wer den wohl eher "Totengräber" für Südtirols Zukunft sind : jene die machbare Lösungen wie die Autonomie Südtirols stützen und ausbauen, oder jene, die mit nicht realisierbaren Phantasien Südtirol vor der Autonomie retten wollen und eine europa-fremde Kleinstaaterei propagieren ?

Mo., 03.09.2018 - 11:59 Permalink