Bio Allianz ist geschmiedet
-
Wie kann eine Landwirtschaft der Zukunft aussehen, die ökologisch tragfähig, wirtschaftlich stabil und gesellschaftlich anerkannt ist? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Bioland Seminars 2026, das am Ritten führende Vertreterinnen und Vertreter des Biolandbaus aus Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammenführte. Unter dem Leitmotiv Kooperation und Schulterschluss wurde deutlich: Die Herausforderungen der Gegenwart lassen sich nur gemeinsam bewältigen – über Betriebs-, Verbands- und Landesgrenzen hinweg.
Eröffnet wurde das Seminar mit Grußworten von Walter Steger und Alma Calliari (Bioland Südtirol), Daniel Gasser (Südtiroler Bauernbund) und Landesrat Luis Walcher, die beide die Bedeutung einer konsequenten Weiterentwicklung der Biostrategie betonten. „Mehr Bio auf dem Teller“ sei nicht nur ein agrarpolitisches Ziel, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Landwirtschaft, Handel, Tourismus und Gastronomie gemeinsam tragen müssten. Landesrat Walcher unterstrich die wachsende Bedeutung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit, um regionale Wertschöpfung zu stärken.
Reinhard Verdorfer, Geschäftsführer von Bioland Südtirol, ordnete das Seminar in einen größeren Marktkontext ein. Während in Südtirol bereits rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet werden, liegt der Bio-Anteil in der klassischen Einkaufstasche bei nur 5 bis 6 Prozent. „Flächenwachstum muss mit Produktionswachstum und Markttransformation Hand in Hand gehen“, so Verdorfer. Zentrale Hebel seien mehr Sichtbarkeit von Bio im Handel, eine stärkere Verankerung in Gastronomie und öffentlicher Gemeinschaftsverpflegung sowie eine Entlastung der Betriebe durch einfachere und kostengünstigere Kontroll- und Zertifizierungssysteme. Die neue GAP biete hier Chancen, die gezielt genutzt werden müssten.
Internationale Perspektiven brachten die Präsidenten der Bioverbände aus der Schweiz, Österreich und Deutschland ein. Urs Brändli (Bio Suisse) präsentierte die Strategie 2030–2040 und skizzierte globale Trends: eine insgesamt nachhaltigere Landwirtschaft, steigende Bedeutung von Bodengesundheit, Ernährung und Gesundheit sowie die klare Abgrenzung von Bio gegenüber Greenwashing-Strategien großer Konzerne. Politik bleibe wichtig, dürfe aber nicht überschätzt werden – entscheidend seien Markt, Handel und bewusste Konsumentscheidungen.
Barbara Riegler, Bundesobfrau von Bio Austria, sprach offen über strukturelle Herausforderungen: In Österreich hätten in den letzten drei Jahren rund 1.000 Bio-Betriebe aufgegeben. Gleichzeitig wachse die Nachfrage. „Der Markt ist da – was fehlt, sind Betriebe“, so Riegler. Umso wichtiger sei eine länderübergreifende Bio-Allianz, die Märkte gemeinsam bearbeitet, Doppelstrukturen abbaut und den Zugang für Bäuerinnen und Bauern vereinfacht. Das Jahr 2026, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen erklärt, solle dafür gezielt genutzt werden.
Für Jan Plagge, Präsident von Bioland e.V., ist die Bio-Allianz Ausdruck eines notwendigen Kulturwandels. Steigender Wettbewerbsdruck, Klimaextreme, wirtschaftliche Belastungen und politische Unsicherheiten forderten neue Formen der Zusammenarbeit. Die Bioverbände müssten ihre Rolle als Marktgestalter stärken, Qualitäts- und Herkunftssicherung weiterentwickeln und sich klar gegen eine Deregulierung neuer Gentechniken positionieren. „Der ökologische Weg muss Priorität haben – für Bio wie für die gesamte Landwirtschaft“, betonte Plagge.
Der Waldviertler Unternehmer und Biopionier Johannes Gutmann schilderte den Werdegang und die Idee von Sonnentor, der Biokräuterhandels GmbH die er im Jahr 1988 mit nur 23 Jahren gründete: „Ich hab seit jeher auf kleinteilige und persönliche Zusammenarbeiten, Anbaupartnerschaften und wertgestützte Unternehmensstrategie gesetzt. Das hat sich für Sonnentor bis heute ausgezahlt.“
Das Bioland Seminar 2026 machte deutlich: Bio ist mehr als eine Produktionsweise. Es ist ein gesellschaftliches Projekt, das Mut zur Kooperation, klare politische Haltung und wirtschaftliche Weitsicht verlangt. Der eingeschlagene Weg des Schulterschlusses soll in Südtirol konsequent weitergegangen werden – für eine Landwirtschaft mit Zukunft, regionaler Stärke und internationaler Verantwortung.
Stimme zu, um die Kommentare zu lesen - oder auch selbst zu kommentieren. Du kannst Deine Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.