Bühne | Kabarett-Tage Meran

Wer lustig ist, ist auch beliebt

Vom Standesbeamten zum Kabarett-Star: Martin Frank bringt Arien nach Meran. Ein Gespräch über niederbayerische Wurzeln, Knödeltris-Koma und Humor als Überlebensstrategie.
Meraner Kabarett-Tage Martin Frank
Foto: Kunstverein Kallmünz
  • SALTO: Herr Frank, es heißt immer wieder, Martin Frank, der Parade-Niederbayer. Wie erklären Sie dem Südtiroler Publikum, was ein Parade-Niederbayer ist, oder vielleicht auch, was einen Niederbayer von allen anderen Bayern unterscheidet?

    Martin Frank: Mich würde interessieren, wie Nicht-Niederbayern einen Parade-Niederbayern definieren. Wenn ich uns Niederbayern beschreiben müsste, dann sind wir die „puren“ Bayern. Bei uns hängen keine Geranien auf dem Balkon, wie im oberbayerischen Bilderbuchbayern. Unsere Gebäudefassaden sind gerne etwas verwilderter. Wir sind bodenständig, gerne etwas introvertierter. Bei uns in Niederbayern wird der 5er BMW gebaut, mit dem dann der Oberbayer über den Brenner rast. 

    Sie sind auf einem Bauernhof groß geworden und erzählen gerne Geschichten darüber. In einem Interview haben Sie sinngemäß gesagt, Niederbayern und Bauernhof, das führt automatisch zum Kabarett. Warum?

    Das ist eine gute Frage. Ich glaube es ist ein Naturgesetz. Viele namhafte Kollegen wie Ottfried Fischer, Monika Gruber, Martina Schwarzmann, stammen aus einer Landwirtschaft. Ich glaube, der Bauernhof bietet dann doch einen etwas anderen Kosmos, als ihn die meisten Menschen gewöhnt sind. Vielleicht ist das ein guter Nährboden für Comedy und Kabarett. Auf einem Bauernhof wächst man doch auch etwas weniger sensibel auf und traut sich wahrscheinlich eher, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. 

  • Martin Frank, niederbayrischer Kabarettist.: Foto: Andreas Kusy

    Sie sind aber nicht als Kabarettist auf die Welt gekommen. Da waren so interessante Berufserfahrungen wie Standesbeamter oder Kirchenorganist dabei. Waren dann Niederbayern und der Bauernhof schuld, dass Sie dem Kabarett verfallen sind?

    Vielleicht ja, aber ich denke, es ging ein bisschen tiefer. Ich war in der Schule ein eher dickes Kind mit weniger maskulinen Wesenszügen, als ich in einer pubertätsgeschwängerten Klasse gebraucht hätte. Kurz gesagt: in der Beliebtheitsskala rangierte ich auf den hintersten Plätzen. 

    Und wie haben Sie sich auf die vorderen Plätze vorgearbeitet?

    Irgendwann fing ich an, auf manche Aussagen einiger Lehrer mit schlagfertigen Kommentaren zu antworten, und meine Klassenkameraden haben darüber gelacht. Da merkte ich, wer lustig ist, ist auch beliebt. Und unbewusst war ich dann so besessen davon, der Lustige zu sein, dass ich es nicht mehr abstellen wollte und konnte. 

    Sie sagen selbst, dass Sie kein politischer Kabarettist sind.  Wenn schon, dann Gesellschaftskritik. Kann man in diesen verrückten Zeiten überhaupt noch politikfreies Kabarett machen?

    Ich glaube, weder Kabarett noch das normale Leben ist politikfrei. Politik beginnt ja oft schon damit, die eigene Vorstellung gegenüber anderen Interessen durchzusetzen. Nüchtern betrachtet macht jedes Kind, das seine Mama davon überzeugen möchte, dass 8 Stunden Tablet am Tag nicht genug sind, Politik. Deshalb ist wahrscheinlich jedes Thema, das ich in meinem Programm aufgreife in irgendeiner Form politisch. Ich nehme aber nicht zwei Stunden lang den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung auseinander. 

  • Zur Person

    Martin Frank ist Comedian, Autor und an vielen Musikhochschulen abgelehnter Möchte­gern­sänger. Er wuchs auf einem niederbayerischen Bauernhof im Landkreis Passau auf. Nach einer Ausbildung zum Verwaltungs­fach­angestellten und einer einjährigen Tätigkeit als Standesbeamter besuchte er die Schauspielschule Zerboni in München. Martin Frank liebt Süßspeisen aller Art, reagiert allergisch auf Laber-Podcasts und tourt mit seinem Soloprogramm durch den gesamten deutsch­sprachigen Raum.

  • Was darf sich das Publikum in Meran von Ihrem vierten Soloprogramm „Wahrscheinlich liegt’s an mir“ erwarten?

    Es wird ein locker leichter Abend mit sehr autobiografischen Geschichten aus unserem Mehrgenerationenhaus im Bayerischen Wald. Wenn die Generationen mit ihren unterschiedlichen Weltansichten aufeinanderprallen, birgt das großes Comedypotenzial.

     

    „Außerdem gibt es die ein oder andere italienische Arie.“

     

    Mein Hauptfokus liegt wirklich darauf, die Leute zum Lachen zu bringen und nicht mit erhobenem Zeigefinger irgendwelche Lehren zu halten. Außerdem gibt es die ein oder andere italienische Arie. Hier bitte ich allerdings vom Meraner Publikum um Nachsicht. Es ist ein Italienisch im Rahmen meiner niederbayerischen Möglichkeiten. 

    Sie wollten klassischen Gesang studieren und wurden – wenn man Ihnen glauben darf – an mehreren Musikhochschulen abgelehnt. Dafür sind Musik und Gesang jetzt feste Bestandteile Ihrer Programme. Eine späte Genugtuung, so nach dem Motto, schaut’s her, ich kann es doch?

    Das dürfen Sie mir glauben, denn es war leider so. Man kann aber auch ohne abgeschlossenes Studium auf einer Bühne singen, und man darf das auch. Ich führe ja keine ganze Oper auf, sondern bediene mich an den schönsten Arien. Ob ich es kann, muss am Ende das Publikum entscheiden. Das möchte ich mir nicht anmaßen. So viel kann ich aber sagen: man muss nicht mit Ohrenschmerzen den Saal frühzeitig verlassen. Es sei denn, man hat eine Klassikintoleranz. 

  • Die Meraner Kabaretttage

    Vom 12. bis zum 29. März 2026 wird das Stadttheater Meran zur Bühne für die 6. Meraner Kabaretttage. Mit dabei sind unter anderem Irmgard Knef, Lara Stoll, Robert Palfrader, Martin Frank und Tina Teubner. Ein weiteres Highlight folgt am 22. und 23. Mai im Kurhaus mit der Verleihung des Salzburger Stiers an Markus Schönholzer, Sonja Pikart und Bodo Wartke, eingeleitet von den „Staatskünstlern“.

    Tickets & Vorverkauf: Karten gibt es online unter www.ticket.bz.it. Zudem können Tickets telefonisch unter 0471 05 38 00 oder direkt an der Theaterkasse erworben werden

  • Hat der private Martin Frank Ähnlichkeiten mit seinem Bühnen-Alter Ego? Man fragt sich – vor allem beim Kabarett – häufig, ist der oder die immer so?

    Ich würde mal behaupten, der private Martin Frank ist der Bühnen Martin Frank. Ich war zwar drei Jahre lang auf einer Schauspielschule aber mein Talent hält sich in Grenzen, sodass ich eigentlich nur mich selber spielen kann. 

    Stimmt es, dass Sie eine Eisdiele eröffnen möchten? Wenn ja, sollten Sie vielleicht noch einmal nach Meran kommen und einige Tage anhängen. Wäre das ein Grund, den Besuch bei den Meraner Kabaretttagen zu wiederholen?

    Ja, wenn mich irgendwann keiner mehr hören möchte, eröffne ich am nächsten Tag eine Eisdiele bei mir im Dorf. Und ob Sie es glauben oder nicht, aber es ist nicht mein erstes Mal in Meran. Ich kenne eure Eisdielen sehr gut. Außerdem bin ich einer der nervigen Wandertouristen, die sich einmal im Jahr über den Brenner verirren, von Hütte zu Hütte wandern und dann versuchen, im Knödeltris-Koma Gipfel zu erklimmen.