Das moralische Gesetz in uns
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Immanuel Kant: einer der bedeutendsten Denker der Neuzeit Foto: Unbekannt, möglicherweise Elisabeth von Stägemann, Wikimedia„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ (Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft")
Am vergangenen Samstag hat in Bozen ein großes Fest der Demokratie, der Menschlichkeit und des praktizierten Antifaschismus stattgefunden. Wer dabei war, fand sich in einem wunderbaren Querschnitt der Gesellschaft wieder und konnte mit weit mehr als 3.000 Mitmenschen das fabelhafte Gefühl gesellschaftlicher Kohäsion und kreativer kollektiver Kraft feiern.
Die Demo war die Antwort auf einen Aufmarsch der faschistischen Organisation CasaPound am Bozner Siegesdenkmal, der zeitgleich stattfand und weit weniger Menschen anzog. Die rechten Aktivisten wurden – wie man es von früheren Aufmärschen am Siegesdenkmal kennt – aus ganz Oberitalien nach Bozen gekarrt und zogen dort fahnenschwingend, kämpferisch und testosteronlastig ihre Fascho-Show ab.
Das megastarke Zeichen aus der Zivilgesellschaft kommt zur rechten Zeit und lässt hoffen, dass der moralische Kompass als Merkmal der europäischen Geistesgeschichte und der humanistischen Tradition – das Kant’sche „Gesetz in mir“ – noch imstande ist, seine Wirkung zu entfalten. Es wurde klar, dass das Konzept der Menschenwürde als Leitmotiv für unser Handeln tief in unsere Alltagskultur eingeschrieben ist und von der Zivilgesellschaft verteidigt wird.
Wes Geistes Kind die Rechtsautoritären sind, beweist unser Landeshauptmannstellvertreter immer wieder.
Es ist schwer zu sagen, was der entscheidende Zündfunke für diese großartige Reaktion der Zivilgesellschaft war, aber sicherlich hat die sich in den letzten Monaten zuspitzende Debatte um das rechtsradikale Remigrations-Konzept dabei eine Rolle gespielt. Diese zeigt klar, wie Sprache als Mittel der gesellschaftspolitischen Manipulation eingesetzt werden kann, indem versucht wird, radikale Konzepte in bewusst mehrdeutige Begriffe zu packen und sie damit in die politische Mitte zu schieben.
Südtirols Zivilgesellschaft hat die Brisanz dieses Manipulationsversuchs durchschaut und den semantischen Spitzfindigkeiten die Erkenntnis entgegengesetzt, dass es nicht um Wortakrobatik geht, sondern um die Absichten jener, die diese Mogelpackungen in die Welt setzen, um im Kern auszudrücken, dass die Menschenwürde zur Disposition einer wie immer gearteten Herrenrasse steht.
Wes Geistes Kind die Rechtsautoritären sind, beweist unser Landeshauptmannstellvertreter immer wieder. So entblödete sich SVP-Koalitionär Galateo nicht, die BürgerInnen-Demo als Pro-Immigrations-Marsch zu bezeichnen und von den Teilnehmenden zu fordern, sie mögen Immigranten bei sich zu Hause aufnehmen.
Dieses „Argument“ ist so dumm wie durchschaubar. Die Antwort aus tausenden Kehlen, war klar: „Wir fördern Inklusion und unterstützen die, die unsere Hilfe brauchen. Bei uns zu Hause. Und unser Zuhause ist Südtirol!“
Oder muss derjenige, der wünscht, dass der Müll abgeholt wird, dies künftig selber erledigen? Muss, wer eine Pflegeeinrichtung fordert, diese selber bauen?
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Und wiedereinmal liegt der gesellschaftliche Hyperfokus auf 300 Faschisten und was diese auslösen. Alles Schöne, Wunderbare und Wertvolle das abseits davon in unserem Land passiert, wird gekonnt ignoriert. Ob die Manipulationen wie genannt durchschaut wurden oder ob ihnen nicht doch so einige aufgesessen sind bleibt weiter im unklaren. Leider.
Positiv hervorzuheben ist,…
Positiv hervorzuheben ist, dass die Antifanten nicht gewalttätig geworden sind.
Wie Pafeiler Matthias richtig sagt, liegt der Fehler doch eigentlich schon darin, den Clowns von Casa Pound und Co überhaupt so viel Aufmerksamkeit zu geben.
Wenn sich die fünf Hansln zu einem schlecht besuchten Konzert treffen, würde das kaum jemand mitbekommen. So hat die CasaPound gratis Werbung bekommen.