Schnee Ade
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Südtirol ist ein Grenzgebiet, geografisch und klimatisch auch.
Im polarkalten Jänner 1985 versank Norditalien im Schnee, von Turin bis Venedig und Triest: Zwischen dem 12. und 17. Jänner ein Italientief sorgte für extreme Schneefälle: 30-40cm entlang der Küsten, bis 80-90cm Neuschnee in 2-3 Tagen ununterbrochener Schneefälle. Was bekam Südtirol davon?
Keine 40cm Schnee in Bozen und Meran, grauer Himmel in Brixen und sonnige Abschnitten in Bruneck.
60-70cm im Unterland, 90cm Neuschnee in Salurn, aber für uns Südtiroler war die Leistung von Trient einfach unvorstellbar, mit satten 150cm Neuschnee in 3 Tagen. Ja, 1 Meter und 50cm Neuschnee im Etschtal, nicht "unser", sondern im Trentino, im Süden.
Warum sind wir Südtiroler so trocken?
Weil wir in der Mitte der Alpen liegen und, weil Südtirol immerhin auf der Alpensüdseite ist. Und das heißt: Luftmassengrenze und Gewässergrenze. D.h.: Um Schnee zu haben, müssen wir hier auf Südströmungen warten.
Aber das reicht auch nicht: Luftmassen aus Süden sind immer wärmer als die im Norden, logisch. Deswegen brauchen wir eine immer seltener Kombo: zuerst Kaltlufteinbruch über uns und nur dann eine Front.
Aber auch das reichte in den letzten Jahren nicht mehr: Die Erdatmosphäre ist deutlich wärmer geworden. Seit dem 21. Jahrhundert könnten nur die Bauer und die Wetterexperte bestätigen, welche Beschleunigung der globalen Erwärmung wir gerade beobachten.
Und nun ist es soweit: Das Foto wurde um 11 Uhr des 6. Jänners in Cesena aufgenommen. Adriaküste, wo die olympische Fackel ihren Lauf fortsetzt. Das hat Kosten, genau wie die heftigen Unwetter im Sommer, während in 15 Minuten Millionenschäden angerichtet werden konnten. Auch Extremwetterschäden zahlen wir heute mehr.
Das Foto aus Cesena ist eine symbolisch perfekte Metapher unserer Zeit: man forciert natürliche Kräfte, um unsere Vergnügen zu erfüllen. Skifahren auf braunen Hängen, Pulverschnee ist Mangelware, Neuschnee auf der alten Decke sehen wir seit 4 Wintern nicht mehr.
Nur die Seniorinnen und Senioren erinnern sich, und wissen wohl, dass das nichts mit unserem Klima zu tun hat. Vielleicht wäre es besser die olympischen Winterspiele einzustellen? Provokatorisch gemeint, denn Vancouver 2010 und Beijing 2022 waren auch dramatisch zu warm, schneefrei und trocken. Genau wegen Klimawandel, den einige heute noch leugnen wollen.
Es ist keine schöne Epoche: Die Dekadenz beim Apres-Ski, der Wintertourismus "kostet, was es kostet" (der Hausmarkt anderer z.B., wir Einheimischen bezahlen Miete und Haus immer mehr, aber 23 Millionen Gäste übernachteten 2025 in Südtirols Tourismus-Vitrinen, und nicht alle profitierten davon). Dazu muss der Business weiter auch ohne Schnee. Hauptsache es bleibt kalt und nicht so komisch warm wie im Dezember.
Wir haben unsere historischen Mittelwerten der Neuschneemengen im Etschtal mehr als halbiert, unsere Gipfel verlieren an Permafrost und lang anhaltende Schneedecke. Die Quellen vom Landeswetterdienst und EURAC und der Universität Innsbruck sind so eindeutig und für Schnee-Fans traurig, dass nur Umziehen helfen wird: Haus und Leben kosten zu viel, solidarisches Verhalten bleibt aus, Inflation steigt und beißt und dafür ist es auch die globale Erwärmung schuldig. Eine, heut so selten gewordene, Kältewelle bringt keinen einzigen Schneefall nach einem extrem warmen Dezember.
Wettermodelle berechnen keine Front mit Niederschlägen bis Ende Jänner, die olympischen Winterspiele ohne kalte Luft können sogar nicht stattfinden werden, sobald der Schnee nicht mehr lange halten wird. Dieses erbärmliche Szenario ist nicht, was sich die 20- und 30 jährigen Südtirolerinnen und Südtiroler wünschen.
Ade Schnee, Ade Südtirol.
Sie bringen es genau auf den…
Sie bringen es genau auf den Punkt, warum Schnee in den Tallagen immer seltener wird!
Ausgiebige Schneefälle gibt es in Südtirol nur bei Süd-Südwestlagen und wegen steigenden Wassertemperaturen im Mittelmeer, fallen diese in Tallagen vermehrt als Regen.
Schneearme Winter hat es in Südtirol zwar schon immer gegeben , aber durch die menschengemachte Klimaerwärmung kommt es vermehrt zu länger anhaltenden stabilen Wetterlagen
Ich erinnere mich gar, als…
Ich erinnere mich gar, als Kind die Ostereier auch mal im Schnee gesucht zu haben.
Und auch in der Qualität der Weine verschiedenster Weingüter an der Atlantikküste in Frankreich ist eine klare Linie über die letzten 30 Jahre hin zu höchster Qualität in den letzten 10 Jahren erkennbar: genau folgend der Klimaerwärmung.
An die Winter 1979 und 1985,…
An die Winter 1979 und 1985, als es auch in der Stadt monatelang eine Schneedecke gab, kann ich mich gut erinnern. Vor zehn Jahren bin ich - nicht zuletzt wegen des Schneeerlebnisses - in die Berge gezogen. Der erste Winter war von richtig intensiv. Seither hat der Schnee immer mehr ausgelassen. Den ersten Winter hatten wir (1100 Meter Seehöhe, Schattenlage ohne Sonne im Winter) noch 6 Monate lang durchgehend eine Schneedecke, letzten Winter waren es nur noch viereinhalb Monate. Nächsten Winter wird der erste Skilift (Südwesthang) dauerhaft gesperrt. Das ist alles sehr traurig.