Gemeinsames Planen und Umsetzen
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Die ASTAT-Daten vom vergangenen Jahr unterstreichen die Dringlichkeit des Anliegens: Rund 1.100 Minderjährige in Südtirol haben eine Autismus-Diagnose. Die heute bei der Presskonferenz von GretA (Initiative von Eltern autistischer Jugendlicher) formulierten Forderungen der Betroffenen sind klar und konkret:
Es braucht Projekte für begleitetes Wohnen, Wege zur Arbeitsinklusion, gezielte Aus- und Weiterbildung des Schulpersonals sowie Entlastungsdienste für pflegende Angehörige.
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GretA-Forderungen: Elisabeth Zelger, Elisabeth Fulterer, Alessandra Galletti, Carine Louvier, Laura Trott Foto: SALTO/HM„Ohne diese Maßnahmen drohen den Betroffenen Rückschritte und eine vollständige Abhängigkeit vom Sozialsystem im Erwachsenenalter“, warnte Elisabeth Fulterer. Sie hatte gemeinsam mit Elisabeth Zelger, Alessandra Galletti, Carine Louvier und Laura Trott zur Presskonferenz geladen. Dem verein GretA ist ein großes Anliegen, die gelebte Realität von hunderten Familien in Südtirol sichtbar zu machen. Obwohl entsprechende Landesbeschlüsse längst vorliegen würden, lässt aber deren konkrete Umsetzung weiter auf sich warten. Um den Druck auf die Politik zu erhöhen, habe man als Verein eine Petition mit inzwischen 1.200 Unterschriften gestartet.
Gefordert wird:mehr Fokus auf echte Arbeitsmöglichkeiten statt isolierter Fördermaßnahmen,
stärkere Zusammenarbeit zwischen Provinz, Sozialdiensten, Kommunen und Projekten,
langfristige Unterstützung statt kurzfristiger Modellprojekte,
aktive Sensibilisierung der Bevölkerung und Unternehmen zum Thema Autismus,
Einbindung von Eltern als kompetente Partner mit Fachwissen aus Erfahrung.
Seit dem Start der Aktion am 2. Dezember hat die Initiative eine Welle der Solidarität ausgelöst, die das gesamte Land umfasst: von Graun im Vinschgau bis Vierschach, von St. Leonhard in Passeier bis Salurn. Ziel ist es, das Land zur Einhaltung der Beschlüsse von 2019 und 2022 zu bewegen, die den Zugang zu Inklusionsfonds sowie den Ausbau strukturierter Dienste vorsehen. „Investitionen in Selbstbestimmtheit sind keine Almosen, sondern eine wirtschaftliche und soziale Notwendigkeit“, betont Alessandra Galletti, Vizepräsidentin von GretA.
Hinter den nackten Zahlen stehen konkrete Schicksale: Über 300 Kommentare auf der Petitionsplattform verdeutlichen die enorme Belastung der betroffenen Familien. „Oft sind es die Mütter, die ihre Arbeit aufgeben müssen, um die Betreuung sicherzustellen, da es an staatlicher Unterstützung mangelt“, erklärt Carine Louvier, Präsidentin von GretA.
Soziale Projekte im Autismus- und Jugendbereich würden nur dann langfristig funktionieren, wenn engagierte Menschen mit einer klaren Vision dahinterstehen, betonten die GretA-Sprecherinnen. Obwohl es viele Projekte gibt, fehle es oft an Kontinuität. So wurden erfolgreiche Initiativen, die teils über Jahrzehnte hinweg durchgeführt wurden, plötzlich geschlossen. Ein zentrales Problem ist auch, dass die Zahl der betroffenen Minderjährigen weiter steigt, während Projekte zeitlich begrenzt sind oder nicht ausreichend Plätze bieten.
Sportlich: Im Oktober 2025 startete der Verein in Zusammenarbeit mit dem Sportverein Rugby Bozen ein inklusives Rugby-Projekt: Eine Mannschaft autistischer Jugendlicher im Alter zwischen 15 und 19 Jahren nimmt in der laufenden Saison in der Kategorie ABI Rugby teil. Parallel dazu arbeitet GretA an der Einführung von Projekten zur Arbeitsvermittlung für junge Autistinnen und Autisten, um die gravierende Lücke an strukturierten Angeboten beim Übergang ins Erwachsenenalter zu schließen. Foto: SALTO/HMAls positives Beispiel wird das italienische Projekt La Locanda dal Barba genannt: ein Restaurant, in dem Jugendliche in realen Arbeitskontexten tätig sind. Diese echte Arbeit in einem normalen sozialen Umfeld stärkt Selbstwert, Kompetenzen, soziale Einbindung und Lebensqualität – deutlich mehr als rein geschützte oder theoretische Angebote.
Erfolgsmodelle wie auch PizzAut oder die Fondazione Bambini e Autismo zeigen, dass Inklusion realisierbar ist. Die Macherinnen und Macher von GretA fordern die Landespolitik auf, diese bewährten Erfahrungen nach Südtirol zu holen, um Lebensqualität und Rechte über die gesamte Lebensspanne zu garantieren – nicht als Privileg, sondern als verbrieftes Recht.
Abschließend wurde betont, dass Veränderungen nicht „von oben“ in ferner Zukunft kommen müssen, sondern jetzt gemeinsam geplant und umgesetzt werden sollten: praxisnah, lokal verankert und mit einer klaren sozialen Vision.
Über GretAGretA ist ein ehrenamtlicher Verein, der 2024 auf Initiative von Eltern autistischer Jugendlicher gegründet wurde. Ziel des Vereins ist es, Familien zu unterstützen, Isolation entgegenzuwirken und die Rechte autistischer Menschen zu stärken. GretA engagiert sich persönlich in der Organisation konkreter Initiativen zur Verbesserung der Lebensqualität, fördert Selbsthilfegruppen für Eltern und steht in ständigem Dialog mit den öffentlichen Institutionen.
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