Wenn die Brandmauer brennt
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Die politische Debatte in Deutschland ist zunehmend von einem Widerspruch geprägt: Einerseits wird die Demokratie als Ausdruck des Volkswillens gefeiert, andererseits wird eine Partei, die inzwischen von Millionen Bürgern gewählt wird und in mehreren ostdeutschen Bundesländern Zustimmungswerte zwischen 30 und 40 Prozent erreicht, weiterhin wie ein politischer Außenseiter behandelt. Unabhängig davon, wie man zur AfD steht, stellt sich die Frage, ob diese Form der dauerhaften Ausgrenzung noch zeitgemäß und demokratiepolitisch sinnvoll ist.
In einer pluralistischen Demokratie sollten politische Auseinandersetzungen durch Argumente, Wahlen und parlamentarische Debatten entschieden werden. Wer eine Partei, die legal ist und regelmäßig erhebliche Wahlerfolge erzielt, von vornherein vom politischen Diskurs ausschließt, sendet auch ein problematisches Signal an ihre Wähler. Millionen Bürger gewinnen dadurch den Eindruck, ihre Anliegen würden nicht ernst genommen oder pauschal delegitimiert.
Hinzu kommt, dass die bisherige Strategie der Ausgrenzung offensichtlich nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Trotz jahrelanger Abgrenzung wächst die Zustimmung zur AfD vielerorts weiter. Die Entwicklung legt nahe, dass die anhaltende politische Isolation eher zur Verfestigung von Protesthaltungen beiträgt, als diese abzubauen. Wer Wähler zurückgewinnen möchte, sollte die Argumente der AfD widerlegen und bessere Lösungen anbieten, statt ihre politische Ausrichtung pauschal zu verurteilen.
Auch die häufige Berufung auf Einschätzungen des Verfassungsschutzes beendet die Debatte nicht. Selbstverständlich müssen Hinweise auf verfassungsfeindliche Bestrebungen ernst genommen werden. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass der Verfassungsschutz keine richterliche Instanz, sondern eine dem jeweiligen Innenministerium nachgeordnete Behörde ist. Deshalb sollten seine Bewertungen Gegenstand einer offenen öffentlichen Diskussion bleiben und nicht als unanfechtbare politische Wahrheiten behandelt werden.
Demokratie lebt vom Wettbewerb der Ideen. Sie beweist ihre Stärke nicht dadurch, dass sie unbequeme politische Strömungen ausgrenzt, sondern dadurch, dass sie sich mit ihnen argumentativ auseinandersetzt. Wer die AfD für die falsche Wahl hält, sollte ihren Positionen mit überzeugenden Argumenten entgegentreten. Die dauerhafte Ausgrenzung einer Partei, die von einem erheblichen Teil der Bevölkerung gewählt wird und in manchen Regionen stärkste politische Kraft ist, wirft dagegen die Frage auf, ob sie demokratiepolitisch sinnvoll und politisch erfolgreich ist.
Eine lebendige Demokratie muss den Mut haben, politische Realitäten anzuerkennen – auch dann, wenn sie nicht jedem gefallen.
Lieber Herr Spath, Ihr…
Lieber Herr Spath, Ihr Gedankengang bewegt sich auf ausgetretenen, vielbegangenen Pfaden. Wäre mehr Zeit verfügbar, gäbe es Vieles dazu zu sagen, respektive dagegen. In der Kürze aber: Mit schieren Fakten ist unerfreulichen Erscheinungen wie der AfD & Co. nicht so einfach beizukommen, wie Sie insinuieren möchten. Von einem „Wettbewerb der Ideen“ kann in post-argumentativen Zeiten nicht die Rede sein, wenn ein politischer Exponent dieses Phänotyps (Trump) wahrheitsnahe behauptet, er könne auf einer beliebigen Straße New Yorks zwei oder drei Leute niederknallen und es würde seine Anhänger kein bisschen kratzen. Die immer wieder gern beklagte Ausgrenzung und Ent-Grenzung wird von diesen politischen Kräften zielgerichtet selbst betrieben, das Overton-Window ist längst schon eine rahmenlose Fensterfront nach Rechts. Jede*r halbwegs zurechnungsfähige Hirn- und Herz-Begabte lügt sich und anderen in den Sack, wenn er*sie behauptet, dieses Kreuzl da in der Wahlkabine bei der Liste jener unappetitlichen Höckl-Kickl-Weidl-Trumpl-Knolll-Anderwaffel uswl. habe man nur gemacht, weil einen die Politik der „Altparteien“ praktisch denen in die Arme getrieben habe. Nix da, oh allzu Billiger, diesen Weg bist du „schön“ selbst gegangen, und weit hast du’s gebracht.
Antwort auf Lieber Herr Spath, Ihr… von Thomas Strobl
Es stimmt, dass Fakten bei…
Es stimmt, dass Fakten bei Wahlen nicht das zentrale Argument sind. Es stimmt aber nicht, dass es früher anders war. Es handelt sich also nicht um ein neues Phänomen.
Was zählt, ist die Wahrnehmung, nicht die Realität. Die AfD wird von einem beträchtlichen Anteil der Wählerschaft tatsächlich als Alternative für Deutschland wahrgenommen. Das ist bemerkenswert, wenn man sich die Brandmauerkampagne inklusive der teilweise berechtigten, teilweise fragwürdigen Rechtsextremismusvorwürfe anschaut. Vergessen wir nicht, dass ja auch schon Lucke und Meuthen öffentlich als rechtsextrem tituliert wurden. Auch Petry wurde als rechtsextrem bezeichnet. Dass nun die mit einer Ausländerin verheiratete Lesbe Weidel auch eine „Nazi-Schlampe“ sein soll, glaubt dann halt keiner mehr, weil das selbst dem halbwegs zurechnungsfähigen Hirn- und Herzbegabten nicht mehr glaubwürdig vorkommt. Und jetzt sag ganz ehrlich: Wundert es dich, dass Kritik an der AfD nicht ernst genommen wird, wenn sie von Leuten kommt, die ihre eigenen (!) Anträge zurückziehen, wenn die AfD ankündigt dafür zu stimmen, weil sie es für eine gute Idee halten?
Wenn wir inzwischen so ein Niveau in der Politik erreicht haben, ist es auch schon egal, ob eine AfD mit der absoluten Mehrheit regiert oder ob sie in der Opposition sitzt, denn dann ist die AfD vielleicht wirklich eher zu einer Sachpolitik fähig als die „Altparteien“.
Antwort auf Es stimmt, dass Fakten bei… von Oliver Hopfgartner
Ich lese aus dem Kommentar…
Ich lese aus dem Kommentar keinen Vergleich zu früher heraus.
Das Problem bei Parteien wie AfD ist die Wahrnehmung, völlig richtig. Genau deshalb kann man solche Parteien nicht argumentativ stellen. Auch die Lebensumstände von Weidel, die dem rechtsextremen Duktus eigentlich diametral entgegenstehen, ist ein Fall von - verzerrter - Wahrnehmung. Bei der AfD vielleicht auch gezielter Schachzug. Daraus entsteht eben aber nicht die Erklärung, dass Sie nicht nazionalsozialistisches Gedankengut verbreitet. Dazu muss man ihr nur zuhören. Aber in den eigenen Reihen nimmt man es in totalitären Strömungen - rechts wie links - nie so genau mit der Einhaltung der ausgegebenen Richtlinien. Das lässt sich historisch leicht belegen.
Apropos hirnbegabt: Die Wählerschaft der AfD ist zwar heterogen, dennoch lässt sich eine Häufung bei Arbeitern, Arbeitslosen und Menschen mit mittlerem oder niedrigerem Bildungsabschluss feststellen.
Apropos herzbegabt: Die AfD-Wähler weisen eine deutlich größere Nähe zu rechtsextremen Überzeugungen auf. (Wahlsoziologische Analyse des Bundesamtes für politische Bildung).
Apropos zu Sachpolitik fähig: Die Politiker der AfD sind nicht einmal zu sachpolitischer Diskussion fähig. Also nicht einmal zur Theorie. Man kann sich ausmalen, was in der Praxis dabei herauskommen würde. Das ist eigentlich ein Wesensmerkmal aller populistischen Parteien, die vorgeben gegen „die da oben“ zu kämpfen.
Antwort auf Ich lese aus dem Kommentar… von Manfred Klotz
Ich denke schon, dass man…
Ich denke schon, dass man die AfD inhaltlich stellen kann.
„Näher an rechtsextremen Positionen“ ist eine Nebelkerze. Der Papst ist auch „näher an rechtsextremen Positionen“ als die meisten Bürger. Das ist also kein Kriterium.
Ist es sachpolitik, wenn man den eigenen Antrag zurückzieht, nur weil eine andere Partei ankündigt dafür zu stimmen?
Antwort auf Ich denke schon, dass man… von Oliver Hopfgartner
„Der Papst ist auch ‚näher…
„Der Papst ist auch ‚näher an rechtsextremen Positionen‘ als die meisten Bürger.“ - Sprechen Sie darüber doch gelegentlich mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Oder Friseur.
Antwort auf Ich denke schon, dass man… von Oliver Hopfgartner
Ich halte fest: Oliver…
Ich halte fest: Oliver Hopfgartner, Allgemeinmediziner mit Wahlheimat in Graz, legt fest dass das deutsche Bundesamt für politische Bildung Nebelkerzen zündet. Gänzlich zum Patienten wirst du mit der Behauptung, der Papst sei näher an rechtsextremen Positionen als die meisten Bürger. Was verschreibt man in so einem Fall? Kalte Güsse? Elektroschocks?
Die AfD stellt sich…
Die AfD stellt sich eindeutig, so wie auch Teile der FPÖ, auf die Seite des Verbrechers Putin. Wie soll man mit einer Partei diskutieren, die sich auf die Seite des Verbrechens stellt? Welche Argumente soll man vorbringen, wenn jemand die Entfesselung eines Angriffskrieges, die Entführung von Kindern, die Beschießung von zivilen Zielen für richtig findet? Wenn die Friedensaufrufe des Papstes „rechtsextrem“ sind, dann sind wohl Kriegsverbrecher die neuen Friedensapostel.