Kultur | Filmpremiere

Verkörperte Schmerzen

Der Regisseurin Veronika Kaserer ist ein gefühlvolles Kinoporträt zu Simon Messner gelungen. SALTO hat beim Hauptprotagonisten nachgefragt. Kinostart ist morgen.
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Foto: Filmfest München
  • SALTO: Wie war die Premiere beim Filmfest in München? Wie hat der Film auf Sie gewirkt? 

    Simon Messner: Die Premiere war sehr emotional. Ich hatte vorab ja nur eine Rohfassung des Films gesehen. Und das ist schon eine ganze Weile her. Für meine Schwestern und meine Mutter war die Sichtung tatsächlich eine Premiere. In einem so gewaltigen Kino wie jenem in München war es eine Wucht, den Film gemeinsam zu sehen. Da flossen schon auch ein paar Tränen.
     

    Wir Bergsteiger sind eben keine gefühllosen Hüllen. Auch wir haben Ängste, Sorgen und Zweifel.

  • Simon Messner am Berg und im Kino: Vom kleinen Jungen mit Höhenangst zum Kletterer. Mit Martin Sieberer geht es auf Expedition. Die Berge im Film sind manchmal so übermächtig wie Väter, die das Gespräch verweigern. Foto: Filmstill beetz brothers film production

    Sie haben selbst mehrere Jahre im Filmbereich gearbeitet. Wie fällt Ihr Urteil als Filmemacher aus? Wie jenes des Protagonisten?

    Es ist müßig, darüber zu diskutieren, was ich anders gemacht hätte und was nicht. Es ist eben nicht mein Film, sondern ein Porträt – eine Momentaufnahme, wenn man so will – aus meinem Leben. Veronika Kaserer ist es dabei gelungen, das Bergsteigen – aber nicht nur dieses – aus einer ungewohnten Perspektive zu beleuchten. Sie selbst ist zwar keine Bergsteigerin, aber sie ist zweifache Mutter und stammt von einem Südtiroler Bergbauernhof. Eine Verbindung, getragen von einer gewissen Sympathie, war also da.

    Die Fragen, die sie sich im Film stellt, sind nicht immer angenehm, aber sie sind berechtigt. Wir Bergsteiger sind eben keine gefühllosen Hüllen. Auch wir haben Ängste, Sorgen und Zweifel. Das Einzige, was ich aus persönlicher, emotionaler Sicht nicht so präsent im Film erzählt hätte, ist der Konflikt mit meinem Vater.

    Die Vater-Sohn-Geschichte ist natürlich ähnlich fesselnd und gefühlvoll erzählt wie die gezeigte Expedition. Wie schwierig war die Arbeit am Film für Sie persönlich – eben auch Einblicke zu gewähren, Privates zu erzählen und dennoch nicht zu sehr selbst im Vordergrund stehen zu wollen? Und dennoch zu müssen …

    Das ist immer ein Spagat. Wenn man als Protagonist eines längeren Dokumentarfilms vor der Kamera steht, dann kommt man darin irgendwann auch selbst vor. Das war mir bewusst. Genauso, dass ich viel über mich und mein Inneres preisgebe. Um authentisch zu bleiben, habe ich mich darauf eingelassen. Ich wollte mich auf keinen Fall für diesen Film verbiegen. Aber einfach war das ganz bestimmt nicht! 
    Noch heute wühlt mich der Film persönlich sehr auf. Es wird wohl besser sein, wenn ich ihn nicht allzu oft anschaue. Ich sehe mich in diesem Film als eine Art „roten Faden“, der durch den Film führt. Aber ich finde die Erzählungen, Geschichten und Beiträge der ebenfalls vorkommenden Protagonisten mindestens genauso wichtig für den Film.
     

    Aber die Verletzungen, die werden wohl bleiben.

  • Vater und Sohn: Reinhold Messner hat eine Interviewfrage zur Kinodokumentation „freundlich“ abgeleht, heißt es am Ende des Films. Foto: Filmstill beetz brothers film production

    Wie sehr schmerzte die vermeintliche „Angstsentenz“ Ihres Vaters an Sie – eben nicht bergzusteigen, es nicht zu können, es besser zu lassen? Dieses Damoklesschwert zieht sich durch den Film …

    Gut, das ist eine Aussage unter vielen, die im Film einen gewissen Schmerz verkörpern soll und darin auch als Stilmittel eingesetzt wird. Aber klar ist: Für ein Kind ist es schmerzhaft, wenn es von einem Elternteil nicht akzeptiert wird. Ich denke, das ist ein universeller Umstand, der weit über das Bergsteigen und Klettern hinausgeht.

    War der Film der erste Schritt aus dem Schatten oder bereits einer von vielen Schritten?

    Ich habe tatsächlich nicht das Gefühl, aus einem Schatten treten zu müssen – deshalb finde ich den Filmtitel auch nicht unbedingt passend. Meine Leidenschaft ist das Klettern, und sie ist unabhängig davon, ob ich nun der Sohn einer bekannten Persönlichkeit bin oder nicht. Aber die Verletzungen, die werden wohl bleiben.

  • Der Film läuft ab dem morgigen 7. Juli in den Kinos im deutschsprachigen Raum an. Südtirol muss noch warten.
    (c) Filmfest München