Klimaplanung auf Südtirolerisch
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2040 soll Südtirol klimaneutral werden, in schon 5 Jahren seine CO2-Emissionen mehr als halbiert haben. Wie weit ist das Vorhaben gediehen?
Die Antwort gleich vorweg: niemand weiß das so genau, denn es gibt kein zeitnahes Monitoring. Monitoring würde heißen: jährlich wird gemessen und im Folgejahr bekanntgegeben, wie hoch die auf dem Landesgebiet ausgestoßenen Treibhausgasemissionen liegen. Wenn sie gegenüber dem geplanten CO2-Minderungspfad zu hoch lägen, müsste die Landesregierung den Kurs korrigieren, neue Maßnahmen einleiten und laufende verschärfen. So funktioniert Klimaschutz anderswo. Warum nicht in Südtirol, wo seit Juli 2023 der Klimaplan 2040 gilt? „Während das Inputmonitoring kontinuierlich ajourniert wird, wird das Outputmonitoring jährlich veröffentlicht,“ steht im Klimaplan (S. 75). Allein im Netz findet man das nicht, genausowenig die CO2-Emissionsdaten für 2024 und 2025. Nun sollen die CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber 2019 um -55% reduziert werden, haben aber bis 2023 laut INEMAR-Emissionsinventar netto noch zugenommen.
Doch einer muss mehr darüber wissen, nämlich der für den Klimaschutz zuständige Landesrat Peter Brunner. In der RAI-Sendung Pro&Contra vom 23.12.2025 sagte Brunner wörtlich: „85% der 157 Maßnahmen des Klimaplans sind schon abgearbeitet oder in Umsetzung.“ Abgesehen davon, dass es kein transparentes Register der Klimaschutzmaßnahmnen mit Daten und Fakten zum Umsetzungsstand gibt, wären da auch die Vorschläge des Stakeholder Forums und des Klimabürgerrates. Das Land hat zumindest 54 der 609 im Juni 2024 erstellten Vorschläge akzeptiert. Doch niemand weiß, in welcher Form und Verbindlichkeit sie in den Klimaplan eingetragen werden. Bis Ende 2025 hätte der damit ergänzte Klimaplan erscheinen sollen, doch liegt noch nichts vor. Werden die Vorschläge der Bürgerinnen und Stakeholder nun berücksichtigt und wann?
Auch wenn Brunners Aussage zuträfe, bedeutet das noch wenig für die Wirksamkeit der Maßnahmen des Klimaplans 2040. Zum einen, weil sich dort eine Fülle von „Maßnahmen“ findet, die keine echten Maßnahmen zur Emissionssenkung sind. Was bringt z.B. die Gründung einer Arbeitsgruppe oder die „Abschätzung des Potenzials von Carbon Farming“? Zum anderen, weil die wenigsten Maßnahmen des Klimaplans in ihrer Wirkung durchgerechnet oder geschätzt werden. So ist durchaus denkbar, dass die CO2-Emissionen seit 2023 trotz Brunners Maßnahmen weiter steigen. Vieles im Klimaplan ist gut gemeint, hat auf die zentralen Klimaparameter aber keinen Einfluss.
Wie stark Planung, Umsetzung und Realität auseinanderklaffen können, lässt sich am Beispiel Verkehr ersehen, mit fast 44% der größte CO2-Verursacher auf dem Landesgebiet. Zwei Ziele sind hier im Plan klar und schlüssig fixiert: Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs um 30% bis 2035; und beim konventionell betriebenen Schwerlastverkehr im Transit und Quell-Zielverkehr -35% bis 2030 (Klimaplan S. 37). Wie illusorisch solche Ziele sind, beweisen die Daten zur EDntwicklung des Verkehrs auf der A22 (Dolomiten, 19.12.2025): keine Abnahme, sondern – laut Hartmann Reichhalter - +0,5% Wachstum, nämlich 30,8 Millionen Durchfahrten hat es 2023 gegeben, 62,8% mehr als 1996. Allein in Bozen-Süd sind 10 Millionen Ausfahrten gezählt worden. Die 2025 voraussichtlich fast 9 Millionen Touristenankünfte tragen auch dazu bei, und laut Reichhalter wird es 2026 eine Steigerung geben. Kein echter Rückgang auch beim Schwerlastverkehr, Zunahme hingegen bei den Lieferwagen. Nun könnte LR Brunner einwenden, dass der Schwerlastverkehr erst nach Inbetriebnahme des BBT 2032 abnehmen werde. Doch warum legt man im Klimaplan das -35%-Ziel fest, wissend, dass es nicht erreicht werden kann? In den nächsten Jahren zieht das Land zudem umfangreiche Tiefbauprogramme für die Straße durch, ohne Rücksicht auf CO2-Emissionsminderungsziele im Klimaplan.
Die Südtiroler Planungskultur scheint ihre Tücken zu haben. Wenn anderswo Pläne als konsistente Ziel-Maßnahmen-Systeme begriffen werden, die laufend und transparent auf Erfolg überprüft und nachjustiert werden, ist es in Südtirol anders. Pläne scheinen bestenfalls als Orientierung und Wegweiser zu gelten, Ziele sind weder verbindlich noch einklagbar, es bleibt viel Interpretationsspielraum. Wenn man in Konfliktfällen auf den Klimaplan 2040 oder den Mobilitätsplan 2035 verweist, erntet man müdes Lächeln. Das viel Mobilität, Bauinvestitionen und Kurzzeittourismus produzierende Großevent „Olympia 2026“ ist ein Beispiel dafür. Oder gilt auch beim Klimaschutz das olympische Prinzip: nicht das Ergebnis zählt, dabeisein ist alles?
Nun verlangen die Klimaschützer ein Landesrahmengesetz zum Klimaschutz. Dazu stellte LR Brunner in Pro&Contra auf RAI Südtirol Folgendes fest: „Wir brauchen in der Klimapolitik viel Dynamik. Wenn wir diese Dynamik verlieren, die wir über den Klimaplan haben, dann wird es ein starres Gesetz, das würde dem Wandel nicht gut tun.“ Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Der Klimaplan allein bringt überhaupt keinen schnellen Wandel, zumal die Treibhausgasemissionen immer noch nicht sinken, von Halbierung bis 2030 keine Rede. Nur ein Gesetz mit verbindlichen Zielen, wirksameren Maßnahmen und eine insgesamt konsequentere Landespolitik ermöglicht den Wandel, wie es Beispiele in vielen Ländern Europas beweisen.
Die EURAC wird den Brunner …
Die EURAC wird den Brunner "beim ALLES in bester ORDNUNG-rechnen," kräftig unterstützen ...! ...?
Zitat: “Doch warum legt man…
Zitat: “Doch warum legt man im Klimaplan das -35%-Ziel fest, wissend, dass es nicht erreicht werden kann?”:
weil der Mensch belogen sein will. Damit schläft sich’s besser, als mit der harten Klima-Wahrheit.
So wie man jahrelang im Großen wissentlich, dass es bereits 100% unmöglich ist, das Klimaziel unter +1,5 Grad C zu halten, gelogen (betrogen) hat, so tut man dies hier im Kleinen wieder.
Und gern wird geglaubt.
Glauben beruhigt.
Antwort auf Zitat: “Doch warum legt man… von Peter Gasser
Nachtrag: “... von…
Nachtrag: “... von Halbierung bis 2030 keine Rede”:
soll man über solchen Unfug lachen oder weinen?
(Solange man im täglichen Leben als normaler Bürger nichts von Klimaschutzmaßnahmen spürt, geschieht auch kein Klimaschutz)