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Politik | Die USA und Grönland

Vom Völkermord zur Entschädigungszahlung

Wie sich der Umgang mit den „Einheimischen“ ändert, nicht aber der Wille zur Landnahme
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Grönland
Foto: Mg
  • Es gibt in der Geschichte immer wieder Völker und Staaten, die andere Länder besetzen oder sich aneignen. Was sich dabei verändert hat, ist weniger das Machtstreben selbst als vielmehr der Umgang mit den Einheimischen. In früheren Jahrhunderten wurden indigene Bevölkerungen schlicht ausgerottet – man denke an das Vorgehen der Europäer in Amerika.

    Im 20. Jahrhundert wurde diese Brutalität zumindest formal „zivilisiert“: Minderheiten erhielten die Möglichkeit, mehr oder weniger geregelt auszuwandern, etwa die Südtiroler unter dem italienischen Faschismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg nannte man das sehr verbrämt „Aussiedlung“. Gewalt und Zwang blieben, wurden aber administrativ verbrämt.

    Heute, im 21. Jahrhundert, scheint sich ein neues Kapitel aufzutun. Man muss ernsthaft damit rechnen, dass die USA versuchen könnten, sich Grönland unter den Nagel zu reißen – sei es politisch, wirtschaftlich oder mit Gewalt. Die entscheidende Frage wird sein, wie man mit den Grönländern umgeht: Werden sie vertrieben? Werden sie unter unwürdigen Bedingungen im eigenen Land geduldet? Oder versucht man, das Ganze mit finanziellen Angeboten zu „lösen“ – etwa durch eine kolportierte Einmalzahlung von einer Million Dollar pro Kopf?

    Ganz gleich, wie eine solche Landnahme konkret aussehen würde: Sie wäre ein Armutszeugnis. So hat man sich internationale Politik im 21. Jahrhundert nicht vorgestellt – oder zumindest nicht vorstellen wollen. Statt Völkerrecht, Selbstbestimmung und Kooperation droht erneut das alte Muster der Macht: Der Stärkere nimmt sich, was er für strategisch oder wirtschaftlich nützlich hält, und nennt es Realpolitik.

    Der Fortschritt der Geschichte misst sich nicht daran, wie elegant Macht ausgeübt wird, sondern daran, ob sie überhaupt noch legitim ist.